https://www.faz.net/-gum-92kc0

Doppel-Interview : „Ich wollte Mutter beschützen“

  • -Aktualisiert am

Glenn Close und ihre Tochter Annie Starke im September beim Filmfestival von San Sebastián Bild: Ullstein

Hollywood-Star Glenn Close und ihre Tochter Annie Starke über ihren Beruf als Schauspielerinnen, Annies Qualitäten als Bluthund, die Kraft der Introvertierten – und eines der surrealsten Erlebnisse im Leben von Glenn Close.

          4 Min.

          Auf dem 13. „Zürich Film Festival“ ist sie kürzlich mit dem „Golden Eye Award“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Außerdem hat Glenn Close, die durch Filme wie „Gefährliche Liebschaften“ oder „Eine verhängnisvolle Affäre“ zum Star wurde und sechsmal für den Oscar nominiert war, dort das Drama „The Wife“ präsentiert, eine Literaturverfilmung. In den Rückblenden wird Closes Figur von ihrer Tochter Annie Starke gespielt, die mit nach Zürich reiste. Ein schöner Anlass für ein Mutter-Tochter-Interview.

          Glenn Close: Sie schreiben für eine Zeitung aus Frankfurt? Findet dort nicht immer die verrückte Fernsehshow mit diesem Thomas statt?

          Sie meinen Thomas Gottschalk?

          Close: Genau! Gibt es die Show noch?

          Das war „Wetten, dass..?“. Das wurde inzwischen abgesetzt.

          Close: Ich war da vor ewigen Zeiten einmal Gast in Frankfurt, und das war eines der surrealsten Erlebnisse meines Lebens. Ich saß da mit Anthony Perkins und Arnold Schwarzenegger auf diesem Sofa, und die Sendung dauerte ewig.

          Annie, wann hatten Sie den ersten Verdacht, Ihre Mutter könnte anders sein als die anderen Erziehungsberechtigten in Ihrem Umfeld?

          Close: Als ich im Pyjama in deiner Schule aufgetaucht bin, um dich abzuholen?

          Annie Starke: Ja, das war ein ziemlich cooles Outfit. Sie trug einen Ledermantel über ihrem Pyjama.

          Für „Eine verhängnisvolle Affäre“ war Close (hier mit Michael Douglas) für einen Oscar nominiert.
          Für „Eine verhängnisvolle Affäre“ war Close (hier mit Michael Douglas) für einen Oscar nominiert. : Bild: Picture-Alliance

          Warum haben Sie Ihre Tochter im Pyjama von der Schule abgeholt?

          Close: Sagen wir es so: Ich hatte es eilig... (lacht)

          Starke: Es ist eigenartig. Wenn ich zurückdenke, gab es nie diesen Moment, in dem ich dachte: Aha, meine Mutter ist ein Filmstar. Das war einfach ihr Beruf. Ich weiß noch, dass ich ihre Filme sogar im Fernsehen gesehen habe und das toll fand. Wir wurden allerdings oft von Fremden angesprochen oder einfach angestarrt. Und ich dachte immer, das ist wirklich seltsam. Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als mir das bewusst aufgefallen ist. Infolgedessen habe ich einen starken Beschützerinstinkt für meine Mutter entwickelt. Ich habe den Autogrammjägern und Fans gesagt, sie sollen verschwinden.

          Close: Wenn wir zum Beispiel auf dem Flughafen waren und Annie merkte, dass sich Fremde näherten, setzte sie sofort diesen grimmigen Blick auf, den sie einstudiert hatte.

          Starke: Wenn es darum ging, fies zu gucken, war ich sehr talentiert.

          Auf dem 13. „Zürich Film Festival“ ist Glenn Close Anfang Oktober mit dem „Golden Eye Award“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden.
          Auf dem 13. „Zürich Film Festival“ ist Glenn Close Anfang Oktober mit dem „Golden Eye Award“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. : Bild: AP

          Welchen Film haben Sie Ihrer Tochter als Erstes gezeigt, um ihr zu erklären, womit Sie Ihr Geld verdienen?

          Close: Ich habe in einem Fernsehfilm mitgespielt, der „Sarah, Plain and Tall“ hieß. Da war Annie noch ein Säugling. Als wir dann wenig später die Fortsetzung gedreht haben, ritt sie bereits mit den Film-Cowboys über das Set, die sie vorne auf ihren Sattel gesetzt hatten.

          Starke: Daran erinnere ich mich noch!

          Close: Meine Tochter ist auf Filmsets aufgewachsen. Deswegen musste ich ihr nicht viel erklären. Sie kannte es ja nicht anders. Im Theater war sie auch ständig im Bereich hinter der Bühne. Als wir „Sunset Boulevard“ gespielt haben, war sie gerade fünf Jahre alt und immer dabei. Es war mir immer wichtig, meinen Beruf und die Familie richtig auszubalancieren. Annie sollte nicht mit einem Kindermädchen aufwachsen, weil ich ein Engagement habe.

          Starke: Es war eine Kindheit auf Filmsets und im Backstage-Bereich.

          War das eine gute Kindheit?

          Starke: Ich weiß, für andere Menschen mag das absurd und lächerlich klingen. Aber mir kam all das völlig normal vor.

          Close: Wie definiert man überhaupt „normal“?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regeln der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.
          Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Keith Krach, traf am 18. September in Taiwan mit Ministerpräsident Su Tseng-chang zusammen.

          Militärmanöver : Plant China einen Angriff auf Taiwan?

          Amerikas Beziehungen mit Taiwan werden immer enger. Nun plant Washington neue Waffenverkäufe an Taipeh – und verärgert damit China. Peking verschärft seine Drohgebärden in Richtung der Insel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.