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Gitarrist Carl Carlton : Der Ausnahmegitarrist aus Ostfriesland

Carl Carlton mit einer seiner Akustikgitarren, kurz vorm Soundcheck mit Westernhagen Bild: Frank Röth

Der Ostfriese Carl Carlton ist nicht nur Gitarrist bei Maffay, Lindenberg und Westernhagen – auch in Amerika ist er ein gefragter Musiker. Dabei begann seine Karriere denkbar tragisch.

          5 Min.

          Kann man an den Ort seiner Jugend zurückkehren, wenn er zerstört ist? Zerstört, weil die Mutter an Krebs erkrankte, der Vater daran zerbrach und sich das Leben nahm und der Sohn den toten Vater fand? Nein, beschloss der damals 23 Jahre alte Karl Walter Ahlerich Buskohl 1978. Er verkaufte oder verschenkte die Tiere seines Vaters, der Viehhändler gewesen war, nahm das Buch, in das der Vater die Namen seiner Schuldner geschrieben hatte, fuhr mit dessen altem Diesel zu einer der Familien, brachte es aber nicht übers Herz, ihr die Schulden abzuknöpfen – und warf danach das Büchlein unterwegs aus dem Autofenster in einen Teich. „Ich kam mir so beschissen vor, als ich vor den Leutchen stand.“

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Dreiundsechzigjährige, der sich heute Carl Carlton nennt, ist knapp zwei Meter groß und kommt barfuß mit aufgeknöpftem Hemd und verwuscheltem Haar zum Treffen in einem Frankfurter Hotel. Das Hotelzimmer hat er gewechselt, das andere Zimmer war ihm wegen einer Baustelle zu laut. Kein Problem, er kennt den Hotelmanager, weil er oft in Hotels wohnt und ohnehin die halbe Welt kennt, zumindest in der Country-, Blues-, Black- und überhaupt Rockmusik. Carlton ist Deutschlands umtriebigster Gitarristenexport. Einige seiner Musikpartner: Robert Palmer, Joe Cocker, Mother’s Finest, Manfred Mann’s Earth Band, Ron Wood, Kris Kristofferson. Auch große deutsche Rockmusiker setzen seit Jahrzehnten auf den Ostfriesen, der aus einem Dorf bei Leer stammt.

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