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Gina-Lisa Lohfink : „In unserem Rechtssystem läuft etwas falsch“

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Wer sagt die Wahrheit? Gina-Lisa Lohfink am 1. Juni im Amtsgericht Tiergarten, wo sie sich wegen falscher Verdächtigung verantworten muss. Bild: dpa

Gina-Lisa Lohfink hat eine Vergewaltigung angezeigt – und landete selbst auf der Anklagebank. In die Debatte schalten sich jetzt Politikerinnen ein. Und auch Lohfink legt noch einmal nach.

          Die Debatte um Gina-Lisa Lohfink nimmt immer mehr an Fahrt auf. Inzwischen wird auch im Bundestag über den Fall diskutiert. „Der Umgang mit Gina-Lisa Lohfink ist erschreckend. Ein Opfer wird zur Täterin gemacht, öffentlich bloßgestellt, es wird ihr nicht geglaubt. Das nimmt anderen Frauen den Mut, eine Vergewaltigung anzuzeigen“, erklärte die Vizefraktionschefin der Grünen, Katja Dörner, gegenüber „Spiegel Online“.

          Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte dem Nachrichtenportal in Bezug auf die ehemalige „Germanys Next Topmodel“-Kandidatin: „Wir brauchen die Verschärfung des Sexualstrafrechts, damit endlich in Deutschland die sexuelle Selbstbestimmung voraussetzungslos geschützt wird. 'Nein heißt nein' muss gelten. Ein 'Hör auf' ist deutlich.“

          „Hör auf“ – das sagt Lohfink mehrmals in dem Video, das seit Jahren von ihr im Netz kursiert und das den Anstoß zu der Debatte gegeben hat. Darauf zu sehen ist je nach Interpretation: Gina-Lisa Lohfink beim Sex mit zwei Männern – oder eine Vergewaltigung. Lohfink behauptet letzteres. Sie klagte die Männer an – und wurde stattdessen selbst  wegen Falschverdächtigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie hatte geäußert, man habe ihr K.o.-Tropfen gegeben, ein Gutachter konnte in dem Video jedoch keine Hinweise darauf sehen.

          Lohfink sieht sich als Vorkämpferin

          „Ich habe den Eindruck, dass die Polizei und auch die Staatsanwaltschaft mich nie richtig ernst genommen haben“, hat Gina-Lisa Lohfink der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt. Und in einem in einem Interview mit „Spiegel Online“ erklärte sie: „In unserem Rechtssystem läuft doch etwas falsch. Ich fühle mich überhaupt nicht mehr sicher in Deutschland. Wenn ich noch mal vergewaltigt werde, gehe ich sicher nicht zur Polizei.“

          Sie sagte weiter, sie würde eher ins Gefängnis gehen, als die 24.000 Euro wegen Falschverdächtigung zu zahlen. Sie sehe sich als Vorkämpferin. Die von Justizminister Heiko Maas (SPD) geplante Verschärfung des Vergewaltigungsparagrafen sei nicht ausreichend.

          „Weiß der überhaupt, was in deutschen Gerichtssälen passiert? Wie Richter mit Frauen umgehen, die eine Vergewaltigung anzeigen?“, sagte Lohfink. „Im Gesetz muss klipp und klar stehen: Wenn ein Mann sich über das Nein einer Frau hinwegsetzt, dann ist der Sex eine Vergewaltigung.“

          Lohfinks Anwalt erklärte unterdessen in der „Bild“-Zeitung, es wäre „durchaus interessant“, wenn Heiko Maas zum nächsten Verhandlungstag am 27. Juni erscheinen würde.

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