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Frauen auf Instagram : Jetzt auch ohne Make-up

  • -Aktualisiert am

Funktioniert nicht nur für feministische Millennials

Das funktioniert nicht nur für feministische Millennials. Auch Generation-X-Frauen lieben das Medium. Maria Grazia Chiuri, Chefdesignerin bei Dior, führt das Modehaus sehr instagramnah. Alles begann damit, dass Chiuris Kinder sie fragten, ob die Generation ihrer Mutter angesichts der großen gesellschaftlichen Umstellungen „schläft“: die Rückkehr des Feminismus, #MeToo, das Desinteresse von Frauen, sich nach alten Hierarchien zu richten.

Schauspielerin und Instagram- Aktivistin Busy Philipps zeigt, wie ein lässiger, alltagstauglicher Feminismus aussieht.
Schauspielerin und Instagram- Aktivistin Busy Philipps zeigt, wie ein lässiger, alltagstauglicher Feminismus aussieht. : Bild: AFP

Chiuri hatte 2016 als erste Frau das 69 Jahre alte Unternehmen Dior übernommen und diesen Schritt selbst als „Dio(R)evolution“ bezeichnet. Instagram hilft ihr, diese Revolution zu verbreiten. Sie nutzt die Plattform vielleicht konsequenter als jeder andere Designer der großen Häuser. Auch weil sie nicht „an alten Stereotypen interessiert ist, wie eine Feministin aussieht“. Also kreierte Chiuri als Erstes ein Shirt mit dem Aufdruck „We Should All Be Feminists“ nach dem gleichnamigen Titel eines Buches der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie von 2014. Dann folgte „Why Have There Been No Great Women Artists?“ Das war der Titel eines berühmten Kunstgeschichtstextes der amerikanischen Kunsthistorikerin Linda Nochlin aus dem Jahr 1971. Das war genau die Art von T-Shirt, die als Foto auf Instagram funktioniert. Während der Dior-Cruise-Show 2017 dauerte es nur Sekunden, bis ihre T-Shirts von Influencern weltweit dauergepostet wurden. Chiuri grub zudem kurze, stylishe Filme aus den siebziger Jahren aus, in denen sich Pariser Feministinnen über „le feminisme“ unterhielten.

Die Filme waren nur wenige Sekunden kurz, jedoch lang genug, um einen „radical chic“ zu erkennen. Aber eine heile, freie feministische Welt bleibt auch auf Instagram eine Illusion, vor allem, wenn es um bestimmte Formen der Körperlichkeit geht – schnell greifen die oft grotesk anmutenden Maßstäbe eines amerikanischen Unternehmens. Die engen Grenzen testete früh Chelsea Handler aus, in den Vereinigten Staaten als Moderatorin bekannt geworden, dann als „Netflix“-Star und heute eine der amüsantesten feministischen Aktivistinnen Amerikas.

Handler hatte ein Bild von Wladimir Putin „kopiert“, auf dem sich der russische Präsident mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd hatte ablichten lassen. Dieses Foto stellte Handler nach, originalgetreu, also mit nackten Brüsten. Ihr Bild wurde umgehend gelöscht. Handler kommentierte das mit „Wenn ein Mann ein Foto mit seinen Nippeln postet ist das okay? Aber nicht bei einer Frau? Leben wir 1825?“ Sie stellte die Aufnahme erneut ein. Wenn Instagram das Foto erneut runternehmen würde, schrieb sie, hieße das, Putin habe mehr Rechte als sie. Hatte er offensichtlich, denn Instagram löschte insgesamt dreimal, Handler gab zunächst ein wenig gelangweilt auf. Doch vor einiger Zeit lud sie ein Bild ihres Managers hoch, der von hinten beide Hände auf ihre – diesmal bekleideten – Brüste gelegt hatte. In diesem Fall löschte Instagram nicht. Man kann vermuten, dass das auch mit ihrer mittlerweile großen Bekanntheit zu tun hat.

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