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Frauen auf Instagram : Jetzt auch ohne Make-up

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Auf Instagram jedoch, wo Bilder mehr zählen als Text, sei es ihrer Erfahrung nach fast egal, ob sie sich im Bikini oder in Jeans und T-Shirt poste, wenn sie dort auf Date-Anfragen nicht reagiere, würde sie von den männlichen Anfragern als „attention whore“ beschimpft werden: „Am Ende des Tages gibt es vorm männlichen Blick kein Entkommen. Ich werde immer als Objekt betrachtet.“ Auch Bescheidenheit und Züchtigkeit in Bezug auf Kleidung und Posieren würde sie auf Instagram nicht vor männlichen Ansprüchen und Begehren schützen, so ihr Fazit. Wie aber geht man als Feministin mit seinem Körper auf Instagram um, wenn es einigen egal zu sein scheint, ob man sich in Hotpants oder Nonnenkostüm zeigt?

Millennial-Feministin Lena Dunham schlägt sich mit diesem Problem seit ihrer digitalen Ich-Werdung herum und verließ ihre alte Liebe Twitter aufgrund permanenter Hasswellen gegen ihre Haltungen und gegen ihren Körper. „Twitter ist physisch erschöpfend“, sagt Dunham, und selbst Twitters ehemaliger CEO Dick Costolo gab zu: „Missbrauch ist ein durchgängiges Problem für Twitter.“

Instagram schien für Dunham die bessere digitale Heimat, auch weil sie weniger giftige Kommentare zu ihren Posts lesen musste. Denn Instagram hat es geschafft, den Hass, der auf anderen Plattformen normal geworden ist, zum großen Teil draußen zu lassen. User können die Kommentarfunktion sogar ausschalten, falls es ihnen zu heftig wird. Die Betonung der visuellen Elemente hilft bei der Schaffung einer angenehmeren Atmosphäre: Feministische Ideen können hier einfach in Bilder übersetzt werden, als Momentaufnahmen aus dem Leben, die jeder versteht – man kann durchaus von einer Instagram-Poesie sprechen. Die Plattform sei „eines der Dinge im Internet, die mein Leben verbessert haben“, sagte Dunham einmal und meinte damit, dass sie ihrer Art, feministische Inhalte zu kommunizieren, viel mehr entspricht. Auf Instagram kann sie sehr persönlich sein, kann mit einem Blick, einem Foto, einer Umarmung eine Haltung zeigen.

Dunham ließ ihren Zwitscher-Account von jemand anderem übernehmen – aus Selbstschutz und um eine Steigerung der eigenen Aggressionen zu vermeiden –, als sie merkte, wie symbiotisch die sozialen Netzwerke betrachtet werden: Als sie ein Foto auf Instagram in BH und Boxershorts hochlud, wurde sie dafür auf Twitter beschimpft. „Es gibt eine Menge Leute auf Twitter, die ich liebe, aber unglücklicherweise kann ich nichts von denen lesen, ohne die derangierten Neo-Konservativen wahrzunehmen, die mir wünschen unter einem Berg von Felsen begraben zu sein.“

Auf Instagram dagegen fand sie rasch ein lebendiges Netzwerk aus Gleichgesinnten. Mit Co-Produzentin Jenni Konner steht sie im ständigen Austausch, Gloria Steinem kommentiert auf Dunhams Seite, Gwyneth Paltrow wiederum wird von Lena persönlich zum Magazin ihrer umstrittenen Lifestyle-Marke Goop gratuliert, und Busy Philipps hilft Lena mit einem „Make-up-Tutorial“, um Dunhams Seite „Lenny Letter“ mehr ins Gespräch zu bringen. Instagram ist das Herz dieser Aktivitäten, dort hilft man sich, steht füreinander ein. Und wenn Dunham sich von ihrem Freund trennt, sich Haar-Extensions machen lässt und sich mit ihrer Katze im Bett zeigt, wird sie nicht gleich von giftigen Trollen überrollt. Denn das ist nicht der „Vibe“ hier.

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