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Nur 76 Frauen : Kaum Prostituierte bei Sozialversicherungen gemeldet

  • Aktualisiert am

Prostituierte in Frankfurt Bild: dpa

Von den schätzungsweise 200.000 Prostituierten in Deutschland sind gerade einmal 76 Frauen sozialversichert, heißt es in einem Bericht. Das hat vor allem einen Grund.

          Die Gesetze zur besseren sozialen Absicherung von Prostituierten haben einem Medienbericht zufolge bisher kaum etwas gebracht. Wie die „Welt“ am Montag unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion berichtete, waren im Jahr 2018 bundesweit lediglich 76 Prostituierte bei den Sozialversicherungen gemeldet. Insgesamt geht die Bundesregierung demnach davon aus, dass rund 200.000 Frauen in Deutschland als Prostituierte arbeiten.

          Mit dem seit 2002 geltenden Prostitutionsgesetz wollte die Bundesregierung unter anderem erreichen, Prostituierte sozial und rechtlich besser zu stellen. Sexarbeiterinnen können sich seitdem kranken-, renten- und arbeitslosenversichern. „Die verfolgten Ziele wurden aber nicht im Ansatz erreicht“, sagte die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Gyde Jensen (FDP), der „Welt“. „Eine messbare Verbesserung ist schlicht ausgeblieben.“

          Die Aussagekraft der Erhebung sei allerdings eingeschränkt, erklärte die Bundesregierung dem Bericht zufolge in ihrer Antwort. Denn es sei davon auszugehen, dass viele Prostituierte sich nicht unter der offiziell dafür vorgesehenen Berufsgattung „Berufe für personenbezogene Dienstleistungen - fachlich ausgerichtete Tätigkeiten“ angemeldet hätten, sondern unter anderen Berufsgattungen, um ihre Tätigkeit weiterhin anonym ausüben zu können.

          Anmeldung soll vor Zwangsprostitution schützen

          Auch die Ziele des 2017 in Kraft getretenen Prostituiertenschutzgesetzes als Ergänzung des Prostitutionsgesetzes zeigen dem Bericht zufolge bislang nur mäßige Erfolge. Seither müssen sich Prostituierte bei ihren Kommunen registrieren und sich regelmäßig gesundheitlich beraten lassen. Diese Anmeldung soll vor allem zum Schutz vor Zwangsprostitution dienen. Der Antwort der Bundesregierung zufolge meldeten sich jedoch im ersten Halbjahr nach dem Inkrafttreten erst 6959 Frauen an.

          Auch seither dürfte sich diese Zahl nicht merklich erhöht haben: Eine Anfrage der „Welt“ bei den größten deutschen Städten im vergangenen Herbst hatte ergeben, dass in den meisten Städten nur ein Bruchteil der Prostituierten der Anmeldepflicht gefolgt sind. In Berlin etwa waren rund 270 von geschätzt 7000 Frauen registriert, in Stuttgart 170 von knapp 2000, in Leipzig 47 von 3600.

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