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Michael Graeter wird 80 : Der Pétrus in dem Alter schmeckt noch

  • -Aktualisiert am

Informationstanz: Michael Graeter 1978 in einer Disco in München Bild: Ullstein

Der Gesellschaftsreporter Michael Graeter wird 80 Jahre alt. Lange blieb die Frage nach seinem Geburtsdatum ungeklärt – bis unseren Autor über dubiose Umwege ein Foto von Graeters Personalausweis erreicht.

          3 Min.

          Dass der Gesellschaftsreporter Michael Graeter eine Legende ist, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Darüber, wann er seinen 80. Geburtstag hat, sehr wohl. Ältere Lexika nennen den 29. Juli 1943 als Geburtstermin, im Netz finden sich aber auch Angaben, wonach er schon 80 sei. Alexander Graf von Schönburg-Glauchau wiederum hat zuletzt in seinem Hymnus auf Graeter in der Zeitung Bild am Sonntag geschrieben, der einstige „Chefdirigent der Bussi-Bussi-Society“ vollende in dieser Woche sein 80. Lebensjahr – und wer sollte es besser wissen als der Graf, der als Society-Kolumnist und Society-Mitglied den doppelten Zugang hat? Eigentlich nur Graeter selbst. Aber der antwortet nicht, mal wieder.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Es ist zweieinhalb Jahre her, dass ich Graeter ansprach. Es war am Wiener Platz. Er aß eine Suppe, Gemüse- oder Fischsuppe, jedenfalls sei es nicht nur die beste von ganz München, sondern die beste auf der Welt, sagte Graeter, nachdem ich mich vorgestellt hatte. Ich erinnerte ihn an meine Anfrage, die er nicht beantwortet hatte: Ich würde gerne mal einen Text über die Münchner Society machen. Wo geht man hin? Wer ist out, wer drin? Graeter sagte: Das seien die immer gleichen Fragen, die er gestellt bekomme; die Welt der Prominenz habe sich im Grunde nicht verändert, aber es schreibe keiner mehr drüber; jeder schreibe nur noch über D-Promis, und der Sohn von der Fürstin Sowieso, dass der eine neue Frau habe, das bekomme gar keiner mehr mit.

          Früher scheint eh alles besser gewesen zu sein

          Ich sagte, das D-Promi-Zeug werde eben im Fernsehen angeschaut, woraufhin er erwiderte, die Quoten seien getürkt, das habe man damals doch gesehen, als auf der Straße alle Leute über „Kir Royal“ gesprochen hätten und trotzdem „Die Schwarzwaldklinik“ immer oben gestanden habe. Der Klatschreporter in Kir Royal war Graeter nachempfunden, davon ist er aus gutem Grund überzeugt, auch wenn der Regisseur der Serie, Helmut Dietl, 2014 etwas anderes behauptet hat.

          Früher scheint eh alles besser gewesen zu sein. Graeter regte sich am Wiener Platz darüber auf, dass man dort in einem Häuserl einen Bankautomaten statt eines Blumengeschäfts untergebracht habe. Ich sagte, ich käme gerade vom Söder, der kümmere sich jetzt viel um Blumen und Bienen, da meinte Graeter: fünf Jahre zu spät. Ich solle auch schreiben, dass das, was in den Medien immer als Bienen dargestellt werde, eigentlich Wespen seien. Was mich an dem Satz am meisten verwunderte: dass Graeter offenbar glaubte, ich würde aus dem dünnen Sößchen, das er mir servierte, eine Story machen. Er sollte recht behalten. Als ich fast die Zeche für meine Suppe prellte, fragte die Standl-Betreiberin Graeter, ob er das übernehme, ich sagte „sorry“, er: Das hätte ich mir grad noch leisten können. Wir verblieben, ich solle mich nächste Woche melden, dann machen wir was auf dem Viktualienmarkt. Nachdem ein Anruf und eine SMS ohne Antwort blieben, ich also nicht in Erfahrung bringen konnte, was genau wir auf dem Viktualienmarkt machen wollten, ging er irgendwann abends ans Handy, wollte sich sofort treffen, morgen könne er nicht, da gehe er ins Theater, eventuell am Freitag, er gehe da nämlich sicher nicht auf den Wiener Opernball.

          Hat dann auch nicht geklappt. Wie soll man also eine vernünftige Würdigung zu seinem 80. Geburtstag schreiben – wenn er ihn denn überhaupt hat? Am besten einen anrufen, der ihn sehr gut kennt, Filmregisseur Klaus Lemke, auch so eine Münchner Legende. Er ist voll des Lobs und der Zärtlichkeit. „Graeter hat es geschafft, dass sich die Bunte für uns interessierte.“ Cleo Kretschmer habe mal eine transparente Handtasche getragen, und Graeter, der für Abendzeitung, Bild und Bunte arbeitete, habe einfach aufgeschrieben, was alles drin war. Er sei besessen gewesen von Fakten und Details, für die sich sonst keiner interessiert habe. Ein Münchner Tom Wolfe. „Ich verdanke ihm wirklich sehr viel“, sagt Lemke. Wenn Graeter anrufe, nehme er immer ab. Was man dem Vernehmen nach nicht von allen sagen kann. Aber Graeter selbst ist ja auch kaum erreichbar.

          Eine SMS mit der Frage, ob er tatsächlich an diesem Donnerstag Geburtstag habe, bleibt unbeantwortet – zunächst. Über dubiose Wege erreicht uns dann doch noch ein Foto seines Personalausweises: 29. Juli 1941, ohne Zweifel ER. Kurz vor knapp dann sogar eine Textnachricht, die nicht nur beweist, dass Graeter lebt, sondern dass er es, trotz allem, immer noch drauf hat: „Die Zeit läuft, der Château Pétrus in dem Alter kostet 8500 und schmeckt, obwohl es der Preis nicht tut.“

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