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Ein ganzes Bündel Leben : Die schönsten Kinderbücher zum Verschenken

Was für ein Glück, dass die Schiffskatze in Torben Kuhlmanns „Edison“ längst zu fett und zu verwöhnt ist, um sich mit der Mäusejagd abzugeben. Bild: Torben Kuhlmann/NordSüd Verlag

Mäuse, die viel vorhaben, echte Bären – und das Gefühl, jeden Tag jemand anderes zu sein: Zeitlos schöne Bücher für junge Leser zum Verschenken.

          6 Min.

          Manchmal blitzen die Bärenkrallen

          Wenn sich ein kleiner Bär mit einem Menschenmädchen anfreundet, wenn die beiden gemeinsam mit der Puppe des Mädchens spielen, ein entlaufenes Entenküken suchen und dergleichen mehr, dann hält man als Leser den Atem an, aus Angst vor einem falschen Ton, vor allzu viel Niedlichkeit.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Else Holmelund Minariks Serie um den „Kleinen Bären“, inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert alt, umschifft diese Gefahr durch eine zutiefst unsentimentale und mitunter witzige Sprache durchaus. Es sind aber die genialen Illustrationen von Maurice Sendak, die jene Bücher, vom Aladin Verlag erfreulicherweise neu aufgelegt, vollends vor aller Niedlichkeit bewahren. Sein kleiner Bär ist freundlich, aber eben mit jeder Faser ein Bär, und seine Krallen blitzen durchaus häufiger auf, so dass es eine Menge Zutrauen von allen Seiten braucht, um diese Freundschaft aufrechtzuerhalten. Genau das aber ist das eigentliche Thema des Buchs: Der Selbstverständlichkeit, mit der sich der Bär und die kleine Emily anfreunden, entspricht dem sicheren Gespür von Autorin und Illustrator, wie man die Tatsache darstellt, dass diese Freundschaft etwas weniger selbstverständlich ist, wenn man älter und voreingenommener ist. Genau das aber ist das Wundervolle dieser Bände: dass die Ambivalenz da ist und dass die beiden zur Freundschaft finden, ohne lang darüber nachzudenken.

          Else Homelund Minarik, Maurice Sendak: „Der kleine Bär und seine Freundin“. Aladin Verlag, Hamburg 2013. 64 S., geb., 9,95 Euro. Ab 4 J.

          Der Eisenhans ist ja der Maler selbst!

          Sein Atelierhaus, umgeben von einem herrlichen Garten, ist seit einigen Jahren ein Museum, das ganz seinem ehemaligen Bewohner gewidmet ist. Der Maler Otto Ubbelohde (1867 bis 1922) hinterließ dort eine Reihe von großartigen Landschaftsbildern, auch von ihm gestaltete Wandverkleidungen oder ein Türschild, das Gäste abhalten sollte: „Besuche bitte ich kurz zu machen“ steht darauf, unter einem Bild, das einen Bären im Käfig zeigt, den Menschen begaffen – mag sein, dass er sich so gesehen hat.

          Als Landschaftsmaler wird er allmählich wiederentdeckt, berühmt geblieben ist er für seine Illustrationen zu den Märchen der Brüder Grimm, die erstmals kurz nach der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert in drei Bänden erschienen sind. Für seine wundervollen Federzeichnungen, die oft die Konturen betonen und die Flächen weniger wichtig nehmen, suchte er sich Motive in seiner mittelhessischen Heimat – das Marburger Schloss etwa für „Die Gänsemagd“ oder den nahen Spiegelsee für „Eisenhans“, und für den Kopf des wilden Mannes, der im See haust und den Königssohn raubt, nahm er den eigenen zur Vorlage.

          Ohne die Märchen der Brüder Grimm kommt man kaum aus, und was Witz, Gediegenheit, Würde und einige Anarchie der Bilder angeht, wird man andernorts kaum in dem Maße fündig wie in einer Ausgabe wie dieser, die sämtliche Ubbelohde-Illustrationen enthält.

          Jakob und Wilhelm Grimm: „Märchen“. Mit den Illustrationen von Otto Ubbelohde. Anaconda Verlag, Köln 2015. 944 S., geb., 14,99 Euro. Ab 6 J.

          Bauen wir eben eine Tauchglocke

          Jenseits der Welt der Menschen liegt die der Mäuse. Sie leben bei, aber nicht mit uns, sie haben ihre eigenen Bücher, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, und sie haben Träumer in ihrer Mitte, die den Weg zu fernen, unerreichbar scheinenden Zielen suchen: Als Maus zum Mond? Mit dem Flugzeug allein über den Atlantik? Auf den Grund des Meeres?

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