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„Germany’s Next Topmodel“ : Die Challenge ist das Leben danach

Kanonenfutter für die Quoten: Heidi Klum begutachtet eines der „Mädchen“ in Staffel sieben Bild: obs

Jetzt sucht Heidi Klum wieder „Germany’s Next Topmodel“. Aber was wurde eigentlich aus den Gewinnerinnen der letzten Staffeln? Drei junge Frauen berichten über Quoten, Werte und das Business.

          Jennifer Hof sitzt auf einer beigen Samtbank in einer kleinen Konditorei. Zum dezenten Make-up trägt sie einen schwarzen Pulli mit Rundhalsausschnitt, die blondierten Haare sind streng zurückgebunden. Die Konditorei befindet sich in Sichtweite des Bahnhofs von Herborn, einer kleinen Fachwerkstadt 90 Kilometer von Frankfurt entfernt. Die Einheimischen sagen „Herrborrn“, sie rollen das „r“. Jennifer spielt auf ihrem Smartphone ein Video vor, in dem sich ein Comedian über den Dialekt lustig macht.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie lacht laut, während sich ihre kleine perfekte Nase kräuselt. Sie hätte in L.A. leben können. Sie entschied sich für Herborn. Jennifer Hof war „Germany’s Next Topmodel 2008“. In der dritten Staffel der Castingshow setzte sie sich gegen 18.217 Bewerberinnen durch und gewann einen Vertrag mit der Modelagentur IMG. Seitdem gilt sie als die Gewinnerin mit den längsten Beinen. 1,13 Meter. Länger als die von Nadja Auermann.

          Ein bisschen wie bei Cinderella

          „Ja, und? Was hat das für eine Bedeutung?“ Hof hat einige Jahre gebraucht, um so einen Satz zu sagen. Und um das, was ihr mit 16 Jahren passiert ist, einordnen zu können. Als junges Mädchen wäre sie nie auf die Idee gekommen, dass ihr Äußeres etwas Besonderes ist. Sie wuchs in Rodgau bei Frankfurt auf, trug eine Brille, Schlabberpullis und die Hosen ihrer beiden älteren Brüder, die ihr meistens schon zu kurz waren, als sie sie erbte. Erst als sie in der sechsten Klasse Kontaktlinsen bekam, war es ein bisschen wie bei Cinderella. Die Klassenkameradinnen sagten überrascht: „Mensch, du siehst ja voll hübsch aus.“

          Jennifer Hofs beschauliches Teenagerleben geriet am 5. November 2007 aus den Fugen. Dem Tag, als sie zum Casting für die dritte Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ ging. Sie war damals 16 Jahre alt und schraubte ihre Erwartungen auf ein Minimum. „Mit meinem geringen Selbstbewusstsein dachte ich: Da gehst du hin, und danach kannst du wieder gehen, dann war es eine Erfahrung.“ Der Fotograf, der die Aufnahmen von ihr machte, taxierte sie. Vielleicht erkannte er mit einem Blick ihre Idealmaße 84-67-93, ihre Größe von 1,80 Meter, die langen Beine, die schrägen Augen, den schön geschwungenen Mund und die hohen Wangenknochen.

          Gewinnerin 2008: Jennifer Hof

          „Das könnte was werden“, sagte er damals zu Jennifer. Sie glaubte trotzdem nicht daran. Kurz vor Weihnachten kam ein Brief: Sie sei unter den besten 120 Bewerberinnen und solle nach Köln kommen. Von da an lief die Kamera immer mit. 2008 war jene Topmodel-Staffel, die von den Betriebsnudeln Gina-Lisa Lohfink und Sarah Knappik dominiert wurde und von Gisele Oppermann, die als Heulsuse in die Geschichte der Castingshow einging. Hof bekam kein Etikett, sie blieb eher im Hintergrund. Sie war schön - und schüchtern. Sie müsse mehr aus sich herausgehen, mahnte Heidi mehr als einmal.

          Jennifer war das erste Mal weg von zu Hause, aber sie versuchte, ihre Sache gut zu machen. „Ich bin ein Mensch, der ein ziemlich gutes Ergebnis abliefern will“, sagt sie heute. Schnell habe sie gemerkt, dass es ihr leichtfalle, vor der Kamera zu stehen. „Ich muss mir nur kurz Mut zusprechen und mir sagen, ,Komm aus dir raus’, dann vergesse ich die Kamera, und es läuft alles.“

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