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Kamera aus : Gericht verbietet Webcam-Strip in Wohnhaus

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Am Donnerstag verlor Webcam-Girl Natalie Hot den Prozess vor dem Verwaltungsgericht in München. Sie darf kein Home-Office betreiben. Bild: dpa

Die Nachbarn laufen Sturm, seit in einer oberbayerischen Gemeinde ein Porno-Sternchen einzog. Nun hat ein Gericht entschieden: Live-Drehs vor der Webkamera sind in dem Wohngebiet verboten.

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          Das Webcamgirl „Natalie Hot“ darf sich nicht mehr in ihrem Wohnhaus gegen Geld vor der Internet-Kamera ausziehen. Nach der mündlichen Verhandlung vom Vortag teilte das Verwaltungsgericht München am Donnerstag mit, dass das 24 Jahre alte Erotikmodel ihre Arbeit in dem oberbayrischen Dorf Ampfing aufgeben muss, weil „die Tätigkeit in nicht unerheblichem zeitlichem Umfang stattfindet und dem am Wohnort angemeldeten Gewerbe der Klägerin, also der dauerhaften und regelmäßigen Erwerbstätigkeit, dient“. Des allerdings kollidiere mit dem Baurecht, das für das Gebiet nur eine Wohnungsnutzung vorsieht.

          Dass mit dem Urteil Ruhe einkehrt in der 6000-Einwohner-Gemeinde, ist unwahrscheinlich. Dort herrscht helle Aufregung, seitdem die junge Frau sowie ihr Ehemann und Manager vergangenes Jahr zugezogen sind - und aus dem Job der Erotik-Darstellerin keinen Hehl machten. Für Empörung sorgte nicht nur der freizügige Werbeaufdruck auf dem Auto des Porno-Sternchens. Auch eine Swingerparty im Keller des schmucken Einfamilienhauses, zu dem das Paar die Nachbarschaft sogar per Flyer einlud, verfehlte seine provozierende Wirkung nicht.

          Dem Nachbarn „die Hölle heiß machen“

          Nun hat das Paar vor Gericht zwar eine klare Niederlage kassiert: Die junge Frau darf nicht mehr Zuhause arbeiten - doch für diesen Fall hatte „Natalie Hot“ bereits am Rande der mündlichen Verhandlung am Mittwoch angekündigt, den Nachbarn in den Monaten bis zu ihrem dann nötigen Auszug „die Hölle heiß zu machen“. Auch ihr Mann betonte am Donnerstag abermals, sich nun nicht mehr zurückhalten zu wollen. „Damit die Nachbarn einfach mal sehen, dass wir auch anders gekonnt hätten. Die haben ja wirklich überhaupt nichts mitbekommen bislang.“

          Das sieht das Verwaltungsgericht München anders und attestiert der Tätigkeit der jungen Frau „eine gewisse Außenwirkung“. Damit wurde ihre Klage abgewiesen, die sich gegen den Freistaat Bayern richtete. Der juristische Hintergrund: “Natalie Hot“ hatte einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt, um in dem gemieteten Haus - das laut Bebauungsplan nur zu Wohnzwecken genutzt werden darf - ein „Darstellungs- und Schaustellereizimmer“ einzurichten.

          Stöhnen sei mit Tele-Arbeit vergleichbar

          Das Landratsamt Mühldorf am Inn lehnte diesen Antrag jedoch ab und untersagte ihr unter Androhung eines Zwangsgeldes von 2000 Euro zugleich jegliche gewerbliche Nutzung der Räume. Dagegen zog die Frau vor Gericht, unterstützt von ihrem elf Jahre älteren Ehemann. Sie argumentierten zum einen, dass das Posieren und Stöhnen vor der Webcam mit Tele-Arbeit oder Home-Office vergleichbar sei und daher kein Gewerbe darstelle. Und wenn es denn ein Gewerbe sei, so müsse die Arbeit genauso behandelt werden wie andere kleine Betriebe in dem Wohngebiet, die eine Ausnahmegenehmigung erhalten hatten.

          Als Tele-Arbeit wollte das Gericht die Tätigkeit jedoch nicht werten. Entscheidend sei, „dass die Tätigkeit in nicht unerheblichem zeitlichen Umfang stattfindet und dem am Wohnort angemeldeten Gewerbe der Klägerin, also der dauerhaften und regelmäßigen Erwerbstätigkeit, dient“. Zudem gebe es „eine gewisse Außenwirkung“, weshalb man sich nicht mehr „in der Bandbreite der zulässigen Wohnnutzung“ bewege. Die beantragte Nutzungsänderung habe das Landratsamt deshalb zu Recht abgewiesen. Auch der Vergleich mit anderen, genehmigten Betrieben in dem Wohngebiet ziehe nicht.

          Das Paar erwägt nun, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Wahrscheinlicher ist aber, dass es aus Bayern wegzieht. „Wenn wir abhauen, dann nach Mallorca“, sagte Ehemann Christian Lehle. „Wenn uns der bayerische Staat nicht haben will, bekommt er auch unsere Steuern nicht.“

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