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Fall Josephine : Gericht erlaubt Liebesbeziehung 14-Jähriger zum Onkel

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Vor anderthalb Jahren brannte eine Vierzehnjährige mit ihrem 47 Jahre alten Onkel durch. Jetzt erst wird bekannt: Ein Gericht erlaubte später die Beziehung – mit Verweis auf das Kindeswohl.

          Der Fall hatte in ganz Deutschland für Schlagzeilen gesorgt: Die damals 14 Jahre alte Josephine war Anfang März 2015 mit ihrem 33 Jahre älteren Onkel durchgebrannt. Fünf Wochen später wurden die beiden in Südfrankreich gefunden. Das Mädchen gab an, aus Liebe mit ihrem – damals angeheirateten, inzwischen geschiedenen – Onkel mitgereist zu sein. Sie kehrte nach Deutschland zurück.

          Doch damit endete die Geschichte nicht: Auf Antrag der Eltern von Josephine verbot das Amtsgericht Oranienburg dem 47 Jahre alten Mann den Kontakt zu ihr. Josephine klagte gegen diesen Beschluss – und gewann. Das Oberlandesgericht Brandenburg entschied schon im März, das Amtsgericht habe bei seiner Entscheidung Kindeswille und Kindeswohl nicht ausreichend berücksichtigt. Josephine habe den Wunsch, die Beziehung weiterzuführen, bewusst und stabil geäußert. Ihrer Entscheidung müsse ein hohes Gewicht beigemessen werden.

          Das Urteil wurde erst jetzt bekannt. Der Grund: Die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins hat es in der Debatte um Kinderehen zitiert, wie unter anderen „Spiegel Online“ berichtet. Sie sprach sich damit für den Gesetzesentwurf von Justizminister Heiko Maas (SPD) aus. Der will Ehen von 16- und 17-Jährigen in Ausnahmefällen erlauben. Andere Politiker, vor allem aus der Union, fordern hingegen, alle Ehen Minderjähriger als nichtig zu betrachten.

          Der Hintergrund: Unter den im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen befinden sich immer mehr minderjährige Verheiratete. Syrische Eltern verheiraten ihre Töchter teils in Flüchtlingscamps in Jordanien oder der Türkei, weil sie auf das Brautgeld angewiesen sind oder weil sie glauben, die Mädchen seien so auf der Flucht besser vor sexuellen Übergriffen geschützt. Bisher werden solche Ehen in Deutschland nur dann nicht anerkannt, wenn sie – wie etwa eine Zwangsehe – gegen wesentliche Rechtsgrundsätze verstoßen.

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