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Jüdische Preisverleihung : Michael Douglas sucht seine Wurzeln

Hat erst sehr spät sein jüdisches Ich gefunden: Michael Douglas bei der Genesis-Preisverleihung in Jerusalem. Bild: AP

In ihrer Religiosität beeinflussen sich die Douglas-Männer gegenseitig. Am Schluss landen sie alle beim Judentum. Michael Douglas hat dafür jetzt einen Preis bekommen – und dazu eine Million Dollar.

          In seiner langen Karriere spielte Michael Douglas auch einmal einen israelischen Schauspieler. Doch erst mit fast 70 Jahren machte er sich nun auf, um seine jüdischen Wurzeln und persönlichen Verbindungen zu Israel auch zu finden. Dabei spielte sein 14 Jahre alter Sohn Dylan eine wichtige Rolle, wie Douglas am Donnerstag in Jerusalem berichtete, wo er mit dem „Genesis“-Preis ausgezeichnet wurde: „Der Preis erlaubt mir zu verdeutlichen, dass ich jüdisch bin. Die meiste Zeit meines Lebens wurde mir gesagt, dass ich gar kein Jude bin.“

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu überreichte Douglas am Abend die Auszeichnung, zu der ein Scheck in Höhe von einer Million Dollar gehört. Douglas ist nach dem früheren New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg der zweite Preisträger.

          Die Genesis-Stiftung zeichnete den Hollywood-Star aus, weil er als prominentes Beispiel zeige, wie wichtig es sei, dass das Judentum für alle offen und zugänglich bleibt. Nur wer sich als Jude willkommen fühle, wolle auch jüdisch bleiben.

          Kirk schon – Michael nicht?

          Der Lebensweg des Schauspielers ist typisch für viele jüdische Amerikaner: Fast 60 Prozent heiraten mittlerweile einen nicht-jüdischen Partner. Douglas ist in zweiter Ehe mit der walisischen Schauspielerin Catherine Zeta-Jones verheiratet, die nicht jüdisch ist. Er selbst ist Sohn der jüdischen Hollywood-Legende Kirk Douglas und einer anglikanischen Christin. Als Kind sagte man ihm, dass er nicht jüdisch sei, da seine Mutter keine Jüdin war. Sein Vater wurde religiös, nachdem er einen Hubschrauberabsturz überlebt hatte, bei dem mehrere andere ums Leben kamen.

          Damals sei Kirk Douglas genauso alt gewesen wie er jetzt sei, erinnert sich sein Sohn Michael. Aber bei ihm habe es keiner Katastrophe bedurft, damit er sich seiner jüdischen Herkunft besann. Das habe er seinem Sohn zu verdanken. Dylan sei fasziniert davon gewesen, wie sich seine jüdischen Freunde auf ihre Bar Mitzva vorbereiteten – mit dieser Feier werden jüdische Jungen in ihre Gemeinde aufgenommen.

          Dylan teilte Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones mit, dass er dem Beispiel seiner Freunde folgen wolle: Im vergangenen Jahr feierte die Familie dann an der Klagemauer in Jerusalem Dylans Bar Mitzva.

          Mit 70 noch ein Kind

          Douglas rief jüdische Amerikaner dazu auf, nach Israel zu kommen und das Land „zu fühlen“. Während eines Treffens mit dem früheren israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres in Tel Aviv äußerte er sich besorgt über die jüngste Welle internationaler Aufrufe, Israel zu boykottieren. Um diese Bedrohung zu bekämpfen, müssten aber auch die israelischen Politiker besser zusammenarbeiten.

          Zugleich brachte Douglas ein ihm wichtiges Anliegen vor. Seit seinem Film „China Syndrom“ setzt er sich dafür ein, das internationale Arsenal an Atomwaffen zu verringern. Israel gehört zum Kreis der Atommächte, auch wenn das die Regierung in Jerusalem nie eingestanden hat. „Ich bin ein UN-Friedensbotschafter, und für mich stellen die Atomwaffen das größte Problem auf der Welt dar“, sagte er.

          Politiker wie der Friedensnobelpreisträger Peres stimmten ihn jedoch optimistisch, dass die Welt noch den richtigen Weg findet. Nach Ansicht des 91 Jahre alten Israelis hat Douglas dafür noch viel Zeit. „Mit 70 Jahren sind Sie für mich immer noch ein Baby, das seine ganze Zukunft vor sich hat“, sagte Peres scherzhaft.

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