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Gemeinnützige Organisationen : Spendenbereitschaft trotz Corona leicht gestiegen

Durchschnittlich 37 Euro wurden pro Spendenakt gegeben – ein Höchststand. Bild: dpa

Viel Hilfsbereitschaft in der Corona-Pandemie: Zwischen Januar und September haben die Deutschen etwas mehr Geld gespendet als im Vorjahreszeitraum. In den vergangenen Jahren war die Bereitschaft zum Spenden stets zurückgegangen.

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          Trotz den mit der Corona-Pandemie verbundenen Sorgen vieler Deutscher ist das Spendenniveau im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht gestiegen. Laut einer GfK-Erhebung spendeten die Deutschen von Januar bis September 3,3 Milliarden Euro an gemeinnützige Vereine oder Kirchen, das ist ein Anstieg um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und das zweitbeste Ergebnis seit 2005. „Das ist ein gutes Ergebnis, mit dem ich persönlich zu Beginn des Jahres nicht gerechnet hätte“, sagte Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Die Zahl der Spender ist dabei mit 15,6 Millionen in etwa stabil geblieben. Da in den Vorjahren immer weniger Menschen gespendet hatten – 2005 waren es noch mehr als 30 Millionen – wertete Bianca Corcoran-Schliemann von der GfK das als Erfolg. Mit 37 Euro erreichte die Durchschnittsspende zudem einen Höchstwert, im Schnitt öffnete jeder Spender 5,7 mal seinen Geldbeutel. Über-Siebzigjährige zeigten sich 2020 bislang besonders großzügig: Sie spendeten im Schnitt 288 Euro, im Vorjahr waren es 255 Euro gewesen. Damit ist die Altersgruppe für insgesamt 43,2 Prozent der Spendeneinnahmen verantwortlich. Jüngere Altersgruppen spendeten zwar kleinere Summen als im Vorjahr, dafür spendeten mehr junge Menschen. Ein Trend, von dem Mälzer hofft, dass er sich angesichts der demografischen Entwicklung verstetigt.

          Wie bereits in den Vorjahren kamen drei von vier Euro humanitären Hilfsprojekten zugute. Insbesondere die Not- und Katastrophenhilfe wurde unter dem Eindruck der Pandemie und der schweren Explosion in Beirut unterstützt. Während wohl auch mit Blick auf die Krise im griechischen Flüchtlingslager Moria wieder deutlich mehr Geld an die Flüchtlingshilfe ging (plus 109 Millionen Euro), hatte der Sport einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen (minus 71 Millionen Euro).

          Positive Prognose für das Spendenjahr 2020

          Insgesamt rechnen Mälzer und Corcoran-Schliemann mit einem positiven Spendenjahr 2020 und einem Gesamtspendenvolumen von 5,19 bis 5,22 Milliarden Euro, also einem Zuwachs von 1 bis 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – wenn auch unter Vorbehalt. Rund 20 Prozent der Spenden werden üblicherweise erst im Dezember getätigt. Wie sich der „Lockdown Light“ und die damit verbundenen wirtschaftlichen Ausfälle darauf auswirken, ist noch unklar. „Das Corona-Jahr ist sehr untypisch“, sagte Corcoran-Schliemann. Zumindest während des Lockdowns im März hatte die Spendenbereitschaft aber um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. „In dieser Zeit haben sich vermutlich viele Menschen Gedanken gemacht, worauf es eigentlich ankommt, ähnlich wie sonst in der Weihnachtszeit“, sagte Mälzer.

          Tatsächlich dürfte die Hilfsbereitschaft der Deutschen während der Pandemie sogar noch größer ausgefallen sein als in der Statistik erfasst: Die Unterstützung von lokalem Gewerbe etwa durch den Kauf von Gutscheinen oder die klassische Nachbarschaftshilfe werden in der Erhebung nicht erfasst, ebenso Großspenden. „Das macht die von uns erfassten Zahlen umso erstaunlicher“, sagte Mälzer. Allerdings profitierten nicht alle Organisationen gleichermaßen: Unternehmensspenden, mit denen viele Vereine sonst zuverlässig rechnen, fielen teilweise weg, aber auch Sammel-Aktionen auf Weihnachtsmärkten oder die Kollekte in der Kirche.

          Unsichere Spender sollten auf Gütesiegel achten, die unter anderem vom Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen und vom Deutschen Spendenrat vergeben werden und die Transparenz und Seriosität der Hilfswerke belegen. Zweckgebundene und Sachspenden sollten die Ausnahme bleiben, da sie einen höheren Aufwand bei den Organisationen erforderten. Außerdem sollte man sich beim Spenden nicht unter Druck setzen lassen.

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