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Klinik in Gelsenkirchen : Drei Säuglinge mit Handfehlbildungen geboren

  • -Aktualisiert am

In diesem Krankenhaus in Gelsenkirchen wurden die Kinder geboren. Bild: dpa

In einem Krankenhaus im Ruhrgebiet werden drei Kinder mit Missbildungen an den Händen geboren – die behandelnden Ärzte finden vor allem die Zeitspanne auffällig.

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          Es ist der Albtraum für Väter und Mütter: Ohne jede Vorwarnung kommt ihr Kind mit einer Missbildung auf die Welt. Eben das ist nun in einer Klinik in Gelsenkirchen innerhalb weniger Wochen gleich drei Mal passiert: Zwischen Juni und Anfang September brachten im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen drei Mütter Kinder mit einseitigen Handfehlbildungen zur Welt. „Bei zwei der betroffenen Kinder war die linke Hand deformiert – bei normalem Unterarm waren Handteller und Finger nur rudimentär angelegt“, berichtet Kliniksprecher Wolfgang Heinberg. Beim dritten Kind ist die rechte Hand entsprechend missgebildet. Im Marien-Hospital untersucht worden seien die Mütter jeweils das erste Mal zur Geburt. „Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig.“

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Eigene Nachforschungen der Gelsenkirchener Mediziner zu möglichen Ursachen blieben bisher ohne Ergebnis. Ethnische, kulturelle oder soziale Gemeinsamkeiten der drei Herkunftsfamilien habe man nicht feststellen können, so Heinberg. Ein Mediziner der Klinik werde die Fälle weiter im Blick behalten und sie in den regionalen Qualitätszirkeln der Kinder- und Jugendärzte thematisieren. In diesen Zirkeln tauschen sich auch die niedergelassenen Kinderärzte aus, die die drei Babys nun nachbetreuen.

          Leider gebe es kein bundesweites Melderegister für Fehlbildungen bei Neugeborenen. Möglich sei aber eine Meldung an Eurocat, einer an der University of Ulster in Nordirland ansässigen Organisation, die eine europaweite Fehlbildungsdatenbank führt. Allerdings ist das Sankt-Marien-Hospital bisher noch nicht bei Eurocat registriert. Mittlerweile hat die Gelsenkirchener Klinik wegen der drei Fälle Kontakt zu Humangenetikern der Charité in Berlin aufgenommen.

          Gifte und Infektionen als mögliche Ursachen

          In einer schriftlichen Stellungnahme des Sankt-Marien-Hospitals heißt es, etwa ein bis zwei Prozent aller Neugeborenen würden mit einer Fehlbildung unterschiedlicher Ausprägung geboren. Fehlbildungen an den Extremitäten könnten während der Schwangerschaft durch Infektionen, Gifte oder andere schädliche Einflüsse auftreten, seien insgesamt aber selten. Der entscheidende Entwicklungszeitraum liege sehr früh in der Schwangerschaft, zwischen dem 24. und 36. Entwicklungstag nach der Befruchtung der Eizelle. Eine andere mögliche Ursache sei das Abschnüren von Extremitäten während der Schwangerschaft.

          Der Gelsenkirchener Fall erinnert an die Häufung von Fehlbildungen in Frankreich vor wenigen Jahren. Dort waren in drei Regionen zwischen 2001 und 2014 mehrere Kinder mit Fehlbildungen an Händen und Armen zur Welt gekommen. Die Häufung war nach Überzeugung der dortigen Behörden nicht zufällig. Doch die Ursache für die Fehlbildungen konnte bisher nicht ermittelt werden. Auch die intensive Befragung der Mütter und Väter zu ihrem Lebensstil blieb ohne greifbares Ergebnis. Einzige Gemeinsamkeit aller betroffenen Familien ist, dass sie in ländlichen Gebieten leben – weshalb Umweltschützer spekulieren, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könne die Fehlbildungen bewirkt haben. Die betroffenen Gelsenkirchener Familien allerdings wohnen nicht in einem landwirtschaftlich geprägten Umfeld. Vielmehr leben alle drei Familien nach Klinikangaben „im lokalen Umfeld“ des Marien-Hospitals, also mitten im Ruhrgebiet.

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