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Neue Studien : Geflüchtete Frauen und Kinder leiden in Gruppenunterkünften

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Weitere Studie befasst sich mit geflüchteten Kindern

Eine mangelhafte Unterbringung ist auch Thema einer Studie des Bundesfachverbandes unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die Unicef vorstellte. Trotz großer Anstrengungen verbrächten Kinder weiterhin teils Monate oder sogar Jahre in Unterkünften, die nicht sicher seien, unter unzureichenden hygienischen Bedingungen, auf engem Raum ohne Privatsphäre und ohne Schul- oder Kitabesuch. „Ihr Alltag ist oft durch Tristesse und Warten gekennzeichnet“, beklagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider.

22 Prozent der von Unicef befragten Asylsuchenden gaben laut der Studie an, dass sie über die gesetzliche Frist von sechs Monaten hinaus teils bis zu einem Jahr mit ihren Familien in den Massenunterkünften auf eine Weiterverteilung warteten. In den Unterkünften drohe den Kindern Gewalt oder sie erlebten Gewalt zwischen anderen. Nur rund ein Drittel der befragten Einrichtungen gab an, Konzepte zum Schutz von Kindern zu haben. Häufig fehlten Aufenthaltsräume sowie strukturierte Lern- und Freizeitangebote für die Kinder.

Vor allem sei es vom jeweiligen Bundesland abhängig, ob ein Kind einen Kindergarten oder eine Schule besuchen könne, kritisierte Schneider. Nur ein Drittel der befragten Mitarbeiter in Erstaufnahmeeinrichtungen bestätigte, dass die Kinder eine Regelschule besuchten. Teils erhielten die Kinder in der Unterkunft Unterricht, aber 20 Prozent der Mitarbeiter gaben an, dass die Mädchen und Jungen in ihren Einrichtungen gar keine Schulbildung erhielten. Auch die ärztliche Versorgung beispielsweise von Müttern mit Kleinkindern schwanke von Bundesland zu Bundesland.

Die Studie „Kindheit im Wartezustand“ wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Schneider und Mitautor Adam Naber vom Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befürchten, dass sich die Situation vor allem für Kinder von Abschiebung bedrohter Familien noch verschlimmern wird. Mit dem „Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht“, das aktuell im Bundestag beraten wird, wolle die Bundesregierung den Aufenthalt in Unterkünften über die derzeitige gesetzliche Maximaldauer von sechs Monaten hinaus verlängern.

Familien mit Kindern müssten schnell in eigene Wohnungen umziehen

Vor allem die Gruppe jener, die im Rahmen des Dublin-Verfahrens in das EU-Land zurückgeschickt werden sollen, in dem sie zuerst registriert wurden, sei „extrem groß“, sagte Naber. Damit aber würden die Kinder in Strukturen geraten, die nicht kindgerecht seien. Der Zugang zu Schulen oder Kindergärten werde ihnen verwehrt.

Schneider und Naber forderten deshalb, Familien mit Kindern müssten schnell in eigene Wohnungen umgesetzt werden. Um familien- und kindgerechte Standards in den Unterkünften durchzusetzen, forderten sie eine gesetzliche Regelung. Die Kinder selbst sollten so schnell wie möglich Zugang zu Schulen und zur Kindertagespflege erhalten, unabhängig von ihrem Herkunftsland oder dem Status des Asylverfahrens.

„Jedes Kind ist eine eigene Persönlichkeit, das gilt auch für Flüchtlingskinder“, sagte Schneider. Kinder lernten schnell eine fremde Sprache, könnten meist schneller als ihre Eltern Fuß fassen und besäßen „diese unglaubliche Kraft, nach vorn zu schauen“. Deshalb müsse Deutschland dafür sorgen, dass die geflüchteten Kinder „angenommen und gefördert werden, wie jedes Kind“.

Schouler-Ocak warb dafür, Frauen und Kinder separat unterzubringen, ihnen mehr Sprachvermittler zur Seite zu stellen und unabhängige Ombuds- und Beschwerdestellen einzurichten. Es gebe viele Klagen oder Verbesserungsvorschläge, so die Expertin – nur oft wüssten die Frauen gar nicht, wohin damit.

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