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Gefährliche Epidemie : Zikavirus breitet sich auch in Deutschland aus

  • -Aktualisiert am

Kleiner Stich, enormer Schaden Bild: AP

Auch das kalte Deutschland hat das heimtückische Virus aus den Tropen erreicht. Seit Oktober haben sich 56 Menschen infiziert. Auch auf sexuellem Wege. Und die Dunkelziffer ist wohl deutlich höher.

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          Nach einer Zikavirus-Infektion der Mutter ist im amerikanischen New Jersey ein Kind mit Mikrozephalie zur Welt gekommen. Die 31 Jahre alte Frau war aus Honduras in die Vereinigten Staaten gereist, um sich medizinisch versorgen zu lassen. Die Ärzte des Hackensack University Medical Center holten das Mädchen am Dienstag durch Kaiserschnitt zur Welt, nachdem bei einer Ultraschalluntersuchung schwere Schädelfehlbildungen festgestellt worden waren. Die Mutter soll sich während des zweiten Trimesters der Schwangerschaft mit dem Virus infiziert haben. Damals litt sie unter Fieber und Hautausschlag, die zu den Symptomen einer Zikavirus-Infektion zählen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vor drei Monaten hatte die amerikanische Seuchenschutzbehörde (CDC) den Krankheitserreger erstmals bei einem Patienten entdeckt, der nicht durch die Aedes-Mücke (Aedes aegypti) infiziert wurde. Wie die CDC damals meldete, war das Virus bei einer sexuellen Begegnung übertragen worden. Der Verdacht, der Erreger könne bei Ungeborenen Fehlbildungen auslösen, bestätigte sich später durch Untersuchungen amerikanischer Forscher. Laut Seuchenschutzbehörde wurde das Virus in den Vereinigten Staaten inzwischen bei fast 600 Patienten nachgewiesen. Im Januar brachte eine Amerikanerin auf Hawaii zudem ein Kind mit Mikrozephalie zur Welt. Die Frau soll sich bei einem Besuch in Brasilien, wo sich das Virus seit einem Jahr ausbreitet, infiziert haben.

          In Deutschland sind im ersten Monat nach der Einführung einer gesetzlichen Meldepflicht zwölf Zikavirus-Fälle registriert worden. „Wir gehen davon aus, dass sich alle Erkrankten auf Reisen angesteckt haben“, sagte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Damit sei die Zahl der seit Oktober behördlich erfassten Erkrankungen in Deutschland auf 56 gestiegen. Die Meldepflicht gilt allerdings erst seit dem 1.Mai. Nach Angaben des RKI dürfte es eine nicht unerhebliche Dunkelziffer geben, da die Krankheit in der Regel mild verlaufe.

          Auch in Deutschland hat es schon eine Zikavirus-Übertragung auf sexuellem Wege gegeben. Der Überträger hielt sich Anfang April in Puerto Rico auf. Nach seiner Rückkehr entwickelte zunächst er die für eine Infektion typischen Symptome, seine Partnerin zwei Wochen später. Bei beiden wurde das Virus nachgewiesen. Da sich die Frau seit Januar nicht in einem Gebiet aufgehalten hatte, in dem das Zikavirus zirkuliert, und eine Übertragung durch Mücken ausgeschlossen ist, muss sich die Patientin beim ungeschützten Geschlechtsverkehr infiziert haben.

          Das Virus, das 1947 bei einem Affen im Zikawald in Uganda isoliert wurde, wird fast ausschließlich von der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen. Sie kommt in Deutschland nicht vor. Nicht abschließend geklärt ist, ob auch die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die punktuell in Süddeutschland zu finden ist, das Virus verbreiten kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Touristen seit dieser Woche, nach der Rückkehr aus einem Zikavirus-Gebiet mindestens acht Wochen auf ungeschützten Sex zu verzichten. In neuen Studien sei zu sehen, dass das Virus länger als gedacht in Körperflüssigkeiten nachweisbar ist. Die WHO hatte ursprünglich Reisenden geraten, vier Wochen lang mit Kondomen zu verhüten. Das sei nach den neuen Erkenntnissen aber zu kurz, heißt es nun. Das Zikavirus ist bisher in 60 Ländern nachgewiesen worden. Besonders betroffen sind die mehr als 40Länder in Mittel- und Südamerika.

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