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Oberstleutnant a.D.: Stanislaw Petrow im Jahr 2013 in Dresden Bild: Amac Garbe

Erinnerung an Stanislaw Petrow : Ein Denkmal für den Mann, der die Welt rettete

  • -Aktualisiert am

Er misstraute der Technik und verhinderte den Dritten Weltkrieg. Nun erinnert die Stadt Oberhausen mit einer Gedenktafel an Stanislaw Petrow.

          Stanislaw Petrow als Helden zu bezeichnen wäre nicht übertrieben – und das gilt in Russland genauso wie in Amerika oder Deutschland. Obwohl westliche Gesellschaften im Zuge des Postheroismus inzwischen einen eher nüchternen Umgang mit Helden pflegen, hat die Stadt Oberhausen Petrow nun mit einer Gedenktafel geehrt. Grund dafür ist sein kühnes Verhalten in einer kleinen, aber entscheidenden Situation des Kalten Kriegs. Was hat er vollbracht? Er hat die Nerven behalten.

          In der Nacht zum 26. September 1983 arbeitete der damals 44 Jahre alte Oberstleutnant der sowjetischen Armee im südlich von Moskau gelegenen Raketen-Frühwarnzentrum Serpuchow-15. Ihm unterstanden etwa 200 Offiziere, die ihn als besonnenen Analytiker schätzten. Fingerspitzengefühl war gerade in jenem Herbst eine wichtige Tugend. Wenige Wochen zuvor hatte die Sowjetunion ein südkoreanisches Passagierflugzeug abgeschossen, das in ihren Luftraum eingedrungen war. Daraufhin nahmen die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Moskau dramatisch zu.

          Sonnenstrahlen statt Atomraketen

          Im Frühwarnzentrum schrillte um kurz nach Mitternacht der Alarm. Das Lämpchen auf der Wandkarte zeigte Petrow, was sich gerade scheinbar abspielte: Im amerikanischen Bundesstaat Montana war eine Minuteman-Rakete Richtung Sowjetunion gestartet. Verbleibende Zeit: weniger als eine halbe Stunde. Statt in Panik zu verfallen, wägte Petrow ab. Zum einen, dachte er, wäre ein atomarer Erstschlag der Vereinigten Staaten höchst unwahrscheinlich, zum anderen hätte der Feind im Fall des Falles nicht nur eine einzelne Rakete abgefeuert. Petrow meldete falschen Alarm, das Überwachungssystem daraufhin vier weitere Starts. Wieder blieb der Oberstleutnant ruhig. Er ging weiterhin von einem Fehler aus, behielt Recht – und rettete die Welt vor einem Atomkrieg.

          Die anschließenden Ermittlungen ergaben, dass technische Probleme das Warnsignal ausgelöst hatten. Von der Erdoberfläche reflektierte Sonnenstrahlen wurden fälschlicherweise als Raketenabschüsse identifiziert. Erst nach dem Ende der Sowjetunion gelangte der Vorfall an die Öffentlichkeit. So wurde auch bekannt, dass Petrow ein Jahr nach der denkwürdigen Nacht aus dem Dienst schied, allerdings nicht als Held, sondern als normaler Mitarbeiter, der einen Verweis kassierte, weil sein Dienstprotokoll lückenhaft gewesen war. Am 19. Mai 2017 verstarb er in der Nähe von Moskau.

          Sympathisch, intelligent und bestens informiert

          Nun wurde an Petrows zweitem Todestag eine Gedenktafel zu seinen Ehren in einem Park in Oberhausen aufgestellt. „Wäre er den Computermeldungen gefolgt“, heißt es darauf, „wäre der sofortige atomare Gegenschlag erfolgt und damit der Tod von Millionen Menschen in den USA, in Europa und Russland die Folge gewesen.“ Initiator der Würdigung ist Karl Schumacher, der Petrow 1998 in Russland besuchte, um sich bei ihm zu bedanken und ihn nach Deutschland einzuladen. Im Jahr darauf folgte Petrow der Einladung. Er traf sich in Oberhausen mit Schülern und dem Bürgermeister, gab Fernseh- und Radiointerviews. „Stanislaw Petrow war von einem ausgesprochen freundlichen und sympathischen Wesen“, sagt Schumacher. „Hochintelligent, bestens über die internationale Politik informiert.“

          Bei der Enthüllung der Gedenktafel waren neben Bürgermeisterin Stefanie Opitz auch Petrows Tochter Elena und sein Sohn Dmitry anwesend. Die Tafel gibt es in dreifacher Ausführung: auf Russisch, Englisch und Deutsch. Alle Parteien der Bezirksvertretung hatten im Dezember für die Initiative gestimmt. Es ist die erste Erinnerung an Stanislaw Petrow im öffentlichen Raum in Deutschland. Schumacher hofft, „dass viele Gemeinden und Städte diesem Beispiel folgen“. Petrow mochte es nicht, wenn man ihn zum Helden machte. Sein umsichtiges Verhalten hat er einmal mit seinem Hang zur Skepsis erklärt, um lakonisch anzufügen: „Im Übrigen wollte ich nicht Schuld sein an einem Dritten Weltkrieg.“

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