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75 Jahre Königin Margrethe : Dänen rügen nicht

In guter Verfassung: Margrethe von Dänemark wirkt noch immer agil. Bild: AP

Volksnah, gebildet und doch eine Rabenmutter: Königin Margrethe II. wird heute 75 Jahre alt – und eine Abdankung ist noch lang nicht in Sicht. Zu ihrer Geburtstagsfeier am Vorabend erschienen zahlreiche gekrönte Häupter.

          Die Königin hat vorgesorgt. Eines Tages will sie sich zu ihren Ahnen gesellen und in der mehr als 700Jahre alten Domkirke von Roskilde wie Schneewittchen zur ewigen Ruhe betten lassen. In der Kapelle der Heiligen Birgitta von Schweden, die Teil der Domkirche auf der Ostseeinsel Seeland westlich von Kopenhagen ist, findet sich schon heute ein Modell des Glassarkophags, den Margrethe II. für sich und ihren Mann, Prinz Henrik, beim dänischen Bildhauer und Performancekünstler Bjørn Nørgaard in Auftrag gegeben hat.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der mehr als drei Meter lange Sarg soll nur die Silhouetten der Königin und des Prinzgemahls zeigen. Das gläserne Gebilde ruht auf drei Säulen, die für die drei Länder stehen, die von Margrethe II. seit mehr als 43 Jahren regiert werden. Dementsprechend sind sie aus unterschiedlichen Materialien gefertigt: aus Granit von Bornholm (also Dänemark), aus Marmor von Grönland und aus Basalt von den Färöern. Jede der drei Säulen wird von zwei großen silbernen Elefantenköpfen geschmückt.

          Sie symbolisieren die Verpflichtung gegenüber dem ältesten und höchsten Verdienstorden Dänemarks, dem Elefantenorden. Die Basis des Grabmals soll aus französischem Sandstein sein, als Anerkennung der französischen Herkunft von Prinz Henrik, der 1934 als Henri de Laborde de Monpezat zur Welt kam.

          Die Königin ergab sich in ihr Schicksal

          Dass Margrethe einmal neben 21Königen und 17 Königinnen ruhen wird, war der Prinzessin bei ihrer Geburt am 16.April 1940 nicht vorherbestimmt. Eine Frau durfte auf dem dänischen Thron nicht sitzen, Margrethes Onkel Knut, der jüngere Bruder ihres Vaters Frederik IX., war als Thronfolger auserkoren. Erst nach einer Gesetzesänderung wurde das älteste von drei Mädchen am 27. März 1953 zur Kronprinzessin. Das Volk wollte diese Verfassungsänderung, der König fügte sich gern.

          Ob die schüchterne Dreizehnjährige damals glücklich war mit der Entscheidung? Wohl nicht, denn sie kannte die Lasten. Doch die Vielbegabte, die nicht umsonst den Namen der letzten, allerdings niemals offiziell gekrönten Königin trägt, ergab sich ihrem Schicksal – so sehr, dass sie später bekannte, sie hätte sogar auf die Liebe ihres Lebens zugunsten des Throns verzichtet, wenn ihr Vater die Ehe mit dem französischen Grafen verboten hätte.

          Die Schwiegertochter Europas

          Nach Macht strebte Margrethe nie, wie es einst Margrete I. tat, die sich nach dem Tod ihres Vaters Waldemar im Jahr 1375 einfach auf seinem Thron niederließ und bis zu ihrem Tod 1412 in Flensburg ein riesiges Reich im Norden Europas zusammenfügte. Die ungekrönte Margrete, mehr als 500 Jahre lang die letzte Herrscherin Dänemarks, wird einmal fußläufig von der heutigen Margrethe entfernt liegen – der steinerne Sarkophag mit einer lebensgroßen Figur von ihr aus Alabaster auf dem Deckel steht aber nicht in einer der Seitenkapellen, sondern am prominentesten Platz der Domkirche: direkt vor dem Altar.

          Vom Reich der ersten Margrete blieb nur ein kleiner Teil, der zu Lebzeiten der zweiten Margrethe weiter schrumpfte. Anders als ihre beiden jüngeren Schwestern hatte sie 1940 noch den isländischen Vornamen Thorhildur bekommen, denn auch Island gehörte bis zur Unabhängigkeitserklärung 1944 noch zum Königreich.

          Margrethe Alexandrine Þórhildur Ingrid entstammt dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg. Sie ist mit fast allen europäischen Herrschern verwandt. Ihr Ururgroßvater Christian IX. (1818 bis 1906) wurde nicht umsonst „Schwiegervater Europas“ genannt. Er machte seine Kinder zu gekrönten Häuptern in Schweden, Großbritannien, Russland, Griechenland und im Königreich Hannover. Sein Enkel Carl wurde als Haakon VII. König von Norwegen.

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