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Gebärdennamen für Politiker : Für Christian Lindner steht der Porsche

Und wie heißen Sie? Friedrich Merz macht bei Gehörlosen ein langes Gesicht. Bild: Imago

Die Fliege für Karl Lauterbach, der Porsche für Christian Lindner: In der Gemeinschaft der Gehörlosen wird über die passenden Gebärden für das neue Kabinett diskutiert.

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          Friedrich Merz hat ein Problem: Der CDU-Vorsitzende könnte bald mit Russlands Präsident Wladimir Putin verwechselt werden. Wille Felix Zante kann sich jedenfalls gut vorstellen, dass sich bei Gehör­losen für Merz derselbe Gebärdenname durchsetzen wird wie für Putin: Bei der Geste fahren Daumen und Zeigefinger über die Nasenspitze und ziehen sie scheinbar in die Länge. „Das würde zu Merz passen, er hat auch eine spitze Nase“, sagt Zante, der für den Deutschen Gehörlosen-Bund arbeitet.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Während Merz als Oppositionsführer noch unter dem Radar fliegt, wird in der Gemeinschaft der Gehörlosen gerade viel über die Gebärdennamen für die neuen Kabinettsmitglieder diskutiert. Aufmerksamkeit erregte kürzlich zum Beispiel, dass der Gebärdenname für Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) die Gebärde Porsche ist. „Mit dem Gebärdenname wird einer Person immer ein Stempel aufgedrückt, aber das ist nicht böse gemeint“, sagt Zante. Es gehe nur darum, was die Menschen mit der Person verbinden – und bei Lindner sei eben dessen Vorliebe für schnelle Autos hängengeblieben.

          Dieser Gebärdenname ist durchaus ungewöhnlich. Meistens fließt eher etwas ein, das man gleich sehen kann: Ist jemand groß oder klein, bewegt er sich schnell oder langsam, hat er eine auffällige Frisur? Barack Obama wurde von manchen Gehörlosen über seine abstehenden Ohren dargestellt, geht es um Karl Lauterbach, wird bis heute mit den Händen die Fliege nachgezeichnet, die er eigentlich schon lange nicht mehr um den Hals trägt.

          „Es geht immer um etwas Markantes“

          Die Gebärdensprachdolmetscherin und -dozentin Katja Fischer weiß aus eigener Erfahrung, dass auch ein sprechender Name Grundlage für einen Gebärdennamen werden kann: Bei ihr wird mit der Gebärde für einen Angler gearbeitet. „Es geht immer um etwas Markantes“, sagt Fischer. Das könne eine optische Auffälligkeit sein, eine bestimmte Angewohnheit oder ein Name, der gut zur Gebärde passe. Es gibt auch Kombinationen: Bei Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat sich eine springende Bewegung am Ohr durchgesetzt, die auf ihre frühere Karriere im Trampolinspringen und ihre markanten Ohrringe hinweist. Bei ihrem Grünen-Kollegen Robert Habeck spielt eine Wellenbewegung vor der Stirn auf seinen Pony an.

          Manchmal ändern sich Gebärdennamen auch. Angela Merkel wurde lange über ihre nach unten weisenden Mundwinkel dargestellt. „Das war vielen irgendwann zu missmutig, deswegen wurde dann die Gebärde für ,Merken‘ genutzt“, sagt Fischer. Eine ähn­liche Diskussion wird aktuell um die Gebärde für den neuen Kanzler geführt: Bislang wird bei Olaf Scholz (SPD) häufig mit einem über dem Kopf kreisenden Finger sein Haarkranz nachgezeichnet. „Das ist aber nicht passend, um das als Dolmetscherin in Nachrichtensendungen zu nutzen.“ Darum werden andere Varianten diskutiert: Zum Beispiel zwei Finger neben den Augen, um auf seine schmalen Augen hinzuweisen, oder einfach die Gebärden für die Buchstaben O und SCH hintereinander.

          Ein Gremium, das final entscheidet, welches der offizielle Gebärdenname ist, gibt es nicht. „Das ist ein natür­licher Prozess, manchmal werden auch verschiedene Gebärdennamen ge­nutzt“, sagt Fischer. Für Merz kennt sie eine andere Gebärde als Putins lange Nase: „Man zieht mit der Hand das Kinn lang“, sagt Fischer, „um auf sein spitzes Gesicht anzuspielen.“ Bei der aktuellen Nachrichtenlage wäre Merz bestimmt froh, wenn keine allzu große Verwechslungsgefahr mit Putin bestünde.

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