https://www.faz.net/-gum-8eym3

„Gawker“-Urteil wegen Sexvideo : „Echte Veränderung des Presserechts“

  • Aktualisiert am

Hulk Hogan bekam 115 Millionen Dollar als Ausgleich für seinen finanziellen und seelischen Schaden zugesprochen. Bild: AP

Wegen der Veröffentlichung eines Sexvideos bekommt Wrestler Hogan eine Millionen-Entschädigung zugesprochen. Nach diesem Urteil befürchten Experten eine Veränderung der amerikanischen Pressefreiheit.

          Privatsphäre gegen Pressefreiheit: Der Ex-Wrestler Hulk Hogan (62) hat im Prozess um ein wohl heimlich gedrehtes und unerlaubt veröffentlichtes Sexvideo 115 Millionen Dollar (etwa 100 Millionen Euro) zugesprochen bekommen. Diese Summe stehe ihm als Ausgleich für seinen finanziellen und seelischen Schaden zu, entschied eine Jury in Florida am Freitag. Sie gab damit Hogan recht, der durch die Veröffentlichung des Sexvideos auf der Internetplattform „Gawker“ seine Privatsphäre verletzt sah.

          Die „New York Times“ zitierte am Samstag die Rechtsexpertin Samantha Barbas von der Universität Buffalo mit den Worten: „Wenn eine Jury dem Recht eines Promis auf seine Privatsphäre mehr Gewicht verleiht als dem Recht der Öffentlichkeit auf Information (...) bedeutet das eine echte Veränderung des Presserechts in den Vereinigten Staaten.“ Allerdings will „Gawker“ Berufung gegen das Urteil einlegen und führt als Grund an, dass wichtige Zeugen nicht zur Aussage geladen worden seien.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Der Ex-Wrestler weinte nach der Verkündung des Urteils Augenzeugen zufolge im Gericht. Das Urteil zeige, dass die Öffentlichkeit „von der als Journalismus verkleideten Invasion in die Privatsphäre angeekelt sei“, ließ er nach dem vorläufigen Ende des rund zehntägigen Prozesses per Mitteilung verbreiten. „Das Urteil bedeutet: Das muss aufhören.“

          Das rund 30-minütige schwarz-weiß gedrehte und körnige Sexvideo soll aus dem Jahr 2007 stammen und zeigt den ehemaligen Sportler beim Sex mit der damaligen Frau seines einst besten Freundes. Laut Hogans Aussage vor Gericht hatte ihn der Freund zum Sex mit seiner Frau ermutigt. Vom Video sei ihm damals nichts bekannt gewesen.

          Sexvideos mit Prominenten sei ein „kulturelles Phänomen“

          „Gawker“, das sich inzwischen zu einem Politik-Portal gewandelt hat und sein Image polieren will, hatte 2012 eine gekürzte Version monatelang im Netz gezeigt und damit Millionen von Klicks generiert. Die Anwälte von „Gawker“ beriefen sich in ihrer Verteidigung auf das öffentliche Interesse an dem Video und rechtfertigten so dessen Veröffentlichung. Sexvideos mit Prominenten seien ein „kulturelles Phänomen“.

          „Wir sehen die Berufung, mit deren Vorbereitung wir bereits begonnen haben, sehr positiv und erwarten, diesen Fall letztendlich zu gewinnen“, sagte „Gawker“-Gründer Nick Denton. Genau wie sein früherer Chefredakteur Albert J. Daulerio war er als persönlich für haftbar befunden worden. Auch zusätzliche Strafzahlungen sind noch möglich, darüber will das Gericht separat beraten.

          Von der Veröffentlichung habe er sich „komplett gedemütigt“ gefühlt, hatte Hogan, der unter seinem bürgerlichen Namen Terry Bollea geklagt hatte, im Prozess ausgesagt. Er forderte rund 100 Millionen Dollar Entschädigung, die Jury sprach ihm nun sogar zehn Millionen mehr zu: 55 Millionen für wirtschaftliche Schäden und 60 Millionen für seelische.

          Hogan brachte es in den 80er und frühen 90er Jahren als Wrestler zu weltweitem Ruhm. Der gut zwei Meter große Hüne mit dem markanten Bart und dem Kopftuch ist nach wie vor eine eindrucksvolle Erscheinung.

          Weitere Themen

          Hitzewarnung für Deutschland

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.

          Topmeldungen

          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.
          Laurel Hubbard sahnt ab – das freut aber nicht jeden bei den Pazifik-Spielen.

          Gold bei Pazifik-Spielen : Aufregung um eine zu starke Neuseeländerin

          Bei den Pazifik-Spielen auf Samoa gibt es nicht nur den Premierminister in Aktion zu bestaunen. Für großen Trubel sorgt Laurel Hubbard, die zwei Goldmedaillen holt – sehr zum Unmut des Publikums. Was war passiert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.