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„Game of Thrones“ : Warum ich die achte Staffel nicht sehen will

Der Vater von Prinzessin Shireen ist bereit, seine eigene Tochter im Kampf um den Thron zu opfern. Bild: AP

Gefühlt jeder guckt die neue Staffel „Game of Thrones“. Auch unsere Autorin fand die Serie zu Beginn großartig – doch das hat sich geändert. Sie sagt: Bei der letzten Staffel bin ich raus.

          Es gibt Filmreihen und Serien, um die der Hype dermaßen groß ist, dass man sich kaum traut zu sagen: „Guck‘ ich nicht.“ „Game of Thrones“ ist eine davon. Jetzt hat die achte und letzte Staffel begonnen, und wer nicht mitschaut, schießt sich zumindest gefühlt für die nächsten Wochen ins gesellschaftliche Aus, wenn Freunde, Kollegen und die Sitznachbarn in der U-Bahn Woche für Woche über den Kampf um den Eisernen Thron diskutieren.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Auch ich werde dieses Mal außen vor sein, dabei war ich sechs Staffeln und zwei Folgen lang voll dabei. Staffel eins bis vier habe ich Anfang 2016 mit Freunden in kürzester Zeit angeschaut, bei den Staffeln fünf und sechs, die im selben Jahr erschienen, waren wir „live“ dabei. Bei Staffel sieben bröckelte dann die Guck-Gemeinschaft – weiter als Folge zwei sind wir nicht gekommen.

          Schon damals war ich insgeheim froh darüber, und inzwischen kann ich offen eingestehen: Ich will überhaupt nicht weiter schauen. Ich habe nichts gegen ein bisschen Mord und Totschlag, aber „Game of Thrones“ ist mir einfach zu brutal. Das Schauen mit Freunden und der Spaß am gemeinsamen Spekulieren haben mich lange mitgerissen, aber inzwischen ist der Eiserne Thron es mir nicht mehr wert, auch nur eine weitere Nacht wach zu liegen, weil mich die Grausamkeiten aus der letzten Episode verfolgen. Und solche Grausamkeiten gab es viele: die rote Hochzeit, die Folter an Theon Graufreud, zuletzt der Überfall Eurons auf die Flotte aus Dorne, um nur ein paar zu nennen.

          Zu viele Sadisten

          Die Vergewaltigung von Sansa Stark hat mich besonders mitgenommen. Die Szene wurde damals im Nachhinein viel kritisiert, aber auch verteidigt: Sexueller Missbrauch werde hier nicht verherrlicht, sondern es werde im Gegenteil klar gezeigt, wie schrecklich er ist. Das stimmt insofern, als mir wochenlang Sansas Schrei in den Ohren widerhallte. Danach habe ich hauptsächlich in der Hoffnung weitergeschaut, dass ihr Peiniger Ramsay Bolton irgendwann bestraft wird. Es sind vor allem Charaktere wie er, die „Game of Thrones“ für mich unerträglich gemacht haben. Denn anders als in Filmen wie „Herr der Ringe“, in denen einfach nur Schlachten geschlagen werden, ist „Game of Thrones“ voller Figuren, denen nichts mehr Freude bereitet als Folter und Gewalt. Dabei wird weder vor Frauen, noch vor Kindern und sogar vor Säuglingen Halt gemacht.

          Joffrey Baratheon lässt in der ersten Staffel den Serienliebling Eddard Stark hinrichten – dessen Tochter Sansa muss zusehen.

          Natürlich haben „Game of Thrones“-Schöpfer George R. R. Martin und die Produzenten der Serie nicht die grausigen Foltermethoden, Vergewaltigung oder unberechenbare Sadisten erfunden. Nicht ganz zu Unrecht sagte Martin 2014 der „New York Times“, Westeros sei eben nicht Disneyland und „keineswegs düsterer oder verdorbener als unsere eigene Welt“. Die Greueltaten, die er beschreibt, seien nichts im Vergleich zu dem, was in manchen Geschichtsbüchern stehe. Das mag natürlich stimmen, und Martin ist auch bei Weitem nicht der erste Autor mit expliziten Gewaltdarstellungen, selbst manche Stücke von William Shakespeare sind voller Barbarei. Die Schonungslosigkeit war zumindest am Anfang ein faszinierender Aspekt von „Game of Thrones“ und verdeutlicht natürlich auch die rohe Zeit, in der die Serie angesiedelt ist. Aber muss wirklich in jeder Folge noch eins drauf gesetzt werden? Ist es wirklich nötig zu zeigen, wie Köpfe zerquetscht, Menschen gehäutet und Kinder auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden?

          Spaß macht das keinen mehr

          Zumindest für mich hätte es auch eine ordentliche Schippe weniger getan. Historie hin oder her – letztlich ist „Game of Thrones“ Fiktion und liegt damit in der Hand seiner Autoren. Dabei fand ich vieles daran großartig: Endlich mal eine Serie, in der man nie sicher sein kann, dass die Lieblingsfiguren heil davon kommen. Auch laufen die zahlreichen Handlungsstränge immer wieder mühelos zusammen, ohne dass man als Zuschauer an großen Logikfehlern verzweifelt. „Game of Thrones“ hat zwar Fantasy-Elemente, kommt aber ohne kitschige Feen und Elfen aus.

          Nun soll Serien gucken aber Spaß machen, und „Game of Thrones“ macht mir schon länger keinen Spaß mehr. Als Kind habe ich mir gern vorgestellt, wie es wäre, würde ich plötzlich in meiner Lieblingsserie aufwachen. Die Welt von „Game of Thrones“ wäre mein absoluter Albtraum. Da verzichte ich dann gern aufs gemeinsame Serienbesprechen mit den Kollegen – und befreie mich im Gegenzug von einer zweiten Angst: Ein Spoiler macht mir jetzt nichts mehr aus.

          Mit „Game of Thrones“ anzufangen, war eine gute Entscheidung, schreibt hingegen unser Autor – und erklärt, was die Serie für ihn so sehenswert macht.

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