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Fußballfans Kraft und Laschet : Es ist wahre Liebe

Mehr Kraft für Borussia Mönchengladbach: Die Ministerpräsidentin von NRW fiebert für ihren Verein beim Spiel im Celtic Park gegen Glasgow. Bild: Picture-Alliance

In Nordrhein-Westfalen ist Fußball Herzenssache – auch für die Spitzenkandidaten Hannelore Kraft und Armin Laschet. Das ist in Zeiten des Wahlkampfes ein ganz besonderer Vorteil.

          Über den Zusammenhang von Fußball und Politik wird gerne räsoniert. Connaisseure meinen, wie Günter Netzer einst aus der Tiefe des Raums kam, so habe Willy Brandt 1972 in aussichtsloser Lage die Bundestagswahl gewonnen. 1990 wiederum errang zunächst die Nationalelf den dritten Weltmeistertitel, weshalb es logisch war, dass Helmut Kohl dann im Herbst seine dritte Bundestagswahl gewann. Wer weiß, womöglich hätte auch Rot-Grün im Fußballweltmeisterschaftsjahr 2006 doch noch einmal knapp gewonnen, wenn Gerhard Schröder 2005 nicht die Nerven verloren und eine vorgezogene Bundestagswahl herbeigeführt hätte. Anlass dafür war die krachende Abwahl von SPD und Grünen bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai vor zwölf Jahren.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Womit wir zum geografischen Kern des Phänomens vorgedrungen wären. Nordrhein-Westfalen ist das Fußball-Land Nummer eins der Republik: In dieser Saison spielen fünf nordrheinwestfälische Klubs in der ersten Bundesliga. Nirgendwo in Deutschland gibt es eine vergleichbare Dichte an Vereinen, Profiklubs, Fußballarenen und Fans wie in diesem Bundesland. Während der Fußball in Wolfsburg oder Hoffenheim bis heute irgendwie nur auf Besuch zu sein scheint, ist Nordrhein-Westfalen seine Heimat.

          Die Ministerpräsidentin steht unverbrüchlich zur Borussia

          So gesehen ist es selbstverständlich, dass man tief im Westen früher oder später vom Fußball auf die Politik kommt oder umgekehrt. Und für Politiker in Nordrhein-Westfalen ist es von besonderem Vorteil, als fußballverrückt zu gelten. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft braucht sich da nicht zu verstellen. Seit gut dreieinhalb Jahrzehnten ist sie eingefleischter Fan von Borussia Mönchengladbach. Regelmäßig kann man die Ministerpräsidentin im Borussia- Park auf der Ehrentribüne sehen, wie sie begeistert ihren schwarz-weiß-grünen Gladbach-Schal schwingt. Aus voller Kehle singt sie die Vereinshymne mit: „Ja, wir schwören Stein und Bein, auf die Elf vom Niederrhein.“ Es ist echte Leidenschaft.

          Während man sich von anderen Ministerpräsidenten erzählt, sie hätten im Kofferraum ihrer Dienstlimousinen sämtliche Fan-Schals aller Fußballklubs ihres Landes dabei, um stets opportun gewappnet zu sein, steht die Ministerpräsidentin unverbrüchlich zur Borussia. Zugleich achtet die Sozialdemokratin darauf, nur gegen ein Bundesliga-Team Abneigung erkennen zu lassen: den FC Bayern München, die CSU unter den Fußballklubs. Manchmal setzt sie das Thema auch gezielt ein für ihre persönliche politische Erzählung „Eine Frau setzt sich durch“. Vor einiger Zeit sagte sie dem „Spiegel“, sie verstehe nicht nur von Politik, sondern auch vom Fußball mehr als manche Männerzirkel.

          Armin Laschet am Ball im Stadion der Alemannia Aachen

          Erstaunlich aber, dass Kraft, die sich so gerne als Kind des Ruhrgebiets präsentiert, ihre Leidenschaft nicht bei einem Klub aus dem Revier auslebt. Schließlich schlägt hier das Herz des deutschen Fußballs. Auch in der Industrie- und Arbeiterregion begann der Aufstieg des Fußballs in Deutschland. Es waren junge Arbeiter, die 1904 in Gelsenkirchen den Verein Westfalia Schalke gründeten, der 20 Jahre später in FC Schalke 04 umbenannt wurde. Es waren junge Arbeiter, die 1909 in Dortmund ihren Ballspielverein Borussia aus der Taufe hoben. Fußball bot körperlichen Ausgleich, sozialen Halt und half damals wie heute im Schmelztiegel Ruhrpott bei der Integration. Nach dem Ersten Weltkrieg nahmen die Vereins- und Mitgliederzahlen sprunghaft zu. Fußball wurde zum Massensport. Und Schalke 04 entwickelte sich zur dominierenden Größe im Revier.

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