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Fußballfans Kraft und Laschet : Es ist wahre Liebe

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Neues schönes Stadion für Aachen

Dass die Aachener Alemannia im Sommer 2009 ihr schönes neues Stadion eröffnen konnte, war nur möglich, weil SPD, CDU und Grüne den Weg für eine Landesbürgschaft von 23 Millionen Euro ebnen konnten. So schien der Verein in der Lage, seinen 50 Millionen Euro teuren neuen Tivoli zu bauen. Es war die letzte Landesbürgschaft, die es in Nordrhein-Westfalen für ein Stadion gab. Denn der Schein trog. Das vollständig über Kredite finanzierte Projekt überforderte den Klub. Nach dem sportlichen Desaster – die Alemannia stieg im Mai 2012 in die dritte Liga ab – folgte Ende November 2012 der wirtschaftliche Offenbarungseid. Priggen sagte damals: „Die Politik muss sich künftig aus dem Fußballgeschäft heraushalten, weil enorme Kosten mit einem hohen Risiko und undurchsichtigen Interessen verbunden sind.“  Seit 2013 spielt der Verein sogar nur noch in der Regionalliga West. Und Ende März musste er zum zweiten Mal Insolvenz beantragen.

Als Alemannia-Fan müsse man wirklich leidensfähig sein, sagt Laschet. Den eigenen Farben könne man aber natürlich nicht untreu werden. Wie so viele Fans von Klubs aus kleineren Städten habe allerdings auch er eine Zweitsympathie in der Bundesliga, sagt er und lächelt verlegen. „Wie sage ich das jetzt am besten?“ Wenn man jung sei, funktioniere die Identifikation über Spielerpersönlichkeiten. „Es war bei der Weltmeisterschaft 1974, ich war 13 und fand Beckenbauer toll, Hoeneß, Breitner und Gerd Müller – sensationell, der Müller!“ Über diese Spieler sei er beim FC Bayern gelandet. Ist es die Sehnsucht nach Teilhabe am Erfolg? „Es ist wirklich nur Zweitsympathie“, versichert Laschet. „Denn das Größte wäre, wenn meine Alemannia eines Tages nochmal die Bayern schlagen würde. So wie 2004.“ Einen Bayern-Schal hänge er sich nicht um. „Schwarz-Gelb sind meine Fußballfarben.“

Peer Steinbrück leistete sich das größte No-Go

Peer Steinbrück, dem früheren nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, sei da einmal ein schwerer Fehler unterlaufen. Im Bundestagswahlkampf 2013 rief ein fünf Jahre altes Foto Aufregung hervor, auf dem Steinbrück in der Arena auf Schalke mit einem Schalke-Schal zu sehen ist, obwohl sein Herz dem BVB gehört. Es war das größte No-Go, weil es keine inniger ausgelebte Rivalität gibt als die zwischen Schalke 04 und dem BVB. Wie sehr der Blick auf die Politik manchmal durch fußballerische Maßstäbe geprägt ist, zeigte sich 2010 auf geradezu entwaffnende Weise. Damals hatte die Landtagswahl keine klaren Mehrheitsverhältnisse gebracht. Während sich CDU und SPD in anderen Bundesländern zu einer großen Koalition zusammengerauft hätten, zog Hannelore Kraft das Wagnis rot-grüne Minderheitsregierung vor. Man konnte die Entscheidung machtpolitisch begründen: Nur so hatte Kraft die Chance, Ministerpräsidentin zu werden.

Ein einflussreicher Sozialdemokrat sagte aber, eine große Koalition in Nordrhein-Westfalen sei so absurd wie die Idee, gleichzeitig Schalke- und Dortmund-Fan sein zu wollen. Vielleicht wird die Deutung nach der Landtagswahl am Sonntag wieder aktuell. Eines hat Laschet nie verstanden: Warum der Machtmensch Gerhard Schröder 2005 am Abend der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen die Neuwahl im Bund ausrief. „Hätte die Bundestagswahl regulär im Herbst 2006 stattgefunden, nach dem Sommermärchen, dann hätte Schröder mit Sicherheit gewonnen. Die WM im eigenen Land, mehr Glücksgefühl, mehr Identifikation auch mit der Regierung geht nicht.“

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