https://www.faz.net/-gum-8xns1

Fußballfans Kraft und Laschet : Es ist wahre Liebe

  • -Aktualisiert am

Verlorener Glanz des des nordrhein-westfälischen Fußballs

Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand 1947 als eine von fünf Staffeln der höchsten Spielklasse im deutschen Fußball die Oberliga West. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten Schalke 04, der BVB, die Fortuna aus Düsseldorf und Alemannia Aachen – der Klub, dem sich Hannelore Krafts Herausforderer Armin Laschet von der CDU verschrieben hat. Als 1963 die Bundesliga entstand, war Nordrhein- Westfalen mit fünf Vereinen, darunter dem Meidericher SV (später MSV Duisburg) und Preußen Münster, die unumstritten stärkste Fußballmacht in Deutschland. Der 1. FC Köln wurde Meister. Der FC Bayern München dagegen zählte nicht einmal zu den Gründungsmitgliedern.

Emotional am Limit: Hannelore Kraft guckt im vergangenen Sommer mit anderen Abgeordneten ein Spiel der DFB-Elf bei der Fußball-EM

Doch die glanzvollen Zeiten des nordrhein-westfälischen Fußballs sind längst vorbei. Viele Fans einst großer Vereine wie des VfL Bochum oder von Rot-Weiß Essen leben den Kult um frühere Erfolge und Helden wie Helmut Rahn, der bei der Weltmeisterschaft 1954 in Bern das wohl berühmteste Tor der deutschen Fußballgeschichte schoss. Es ist eine Mythenbildung, die typisch ist für Nordrhein- Westfalen, das den Anschluss an die Spitzenplätze schon vor Jahren verloren hat. In Essen begann sich auch Hannelore Kraft für Fußball zu interessieren. Ihr Vater nahm sie mit zu Rot-Weiß. Erst in Mönchengladbach aber wurde Kraft zum Fußballfan.

In der Stadt am Niederrhein absolvierte sie einen Teil ihrer Banklehre. Arbeitskollegen nahmen sie mit ins Stadion – und dort sprang der Funke über. Heute rangiert Hannelore Krafts Herzensverein in der Bundesligatabelle, so wie Nordrhein-Westfalen regelmäßig bei Länderrankings, im Mittelfeld. Eine Zeitlang konnte immerhin der BVB, der noch vor fünf Jahren deutscher Meister war, den FC Bayern in den Schatten stellen. Doch zur Zeit kann nicht einmal das nordrhein-westfälische Top-Team mit den Bayern in der Tabelle mithalten.

Auch das gehört längst zur bitteren Wahrheit: Wer ganz hoch hinaus will im Profifußball, verlässt Nordrhein-Westfalen. Wie Mesut Özil, der Zauberfuß, oder Manuel Neuer, der Welttorwart, die ihre Kunst in Gelsenkirchen gelernt haben, wo so vieles weggebrochen ist und nur eine Gewissheit geblieben ist: Fußball. Wie in der Bundesliga ist es bei Länder-Vergleichen: Am Ende gewinnen meistens die Bayern. In seinen Wahlkampfreden hat Laschet deshalb immer und immer wieder diesen Satz eingebaut: Wir wollen auch mal wieder die Bayern schlagen.

Ein Fußballvergleich sei dankbar, weil man so das eigene Land nicht schlechtrede, sagt er. Die Botschaft sei vielmehr: Wir können so gut sein wie die Erfolgreichen. „Ein Spiel zu gewinnen ist immer schön, Bayern zu schlagen ist aber etwas ganz Besonderes.“ Gern erinnert sich Laschet an die Saison 2003/2004. Am 4. Februar 2004 schlug die damalige Zweitliga- Mannschaft Alemannia im DFB-Pokal den FC Bayern München und zog am Ende ins Finale ein. Laschet war mit seinem Sohn im alten Tivoli-Stadion bei dem historischen Ereignis dabei. „Ich sehe wie in Zeitlupe vor mir, wie der Bayern-Torwart vergeblich nach dem Ball hechtet. Dann steht es 2:1! Sensationell!“ Tagelang hatte Laschet, der damals noch Europaabgeordneter war, keine Stimme. „So heftig hatten wir alle mitgesungen, mitgebrüllt.“

Fußball und Politik, das hat für Laschet auch eine persönliche Dimension. Denn auf dem Tivoli begann seine Freundschaft mit Reiner Priggen, dem späteren Chef der Grünen-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag. Priggen ist ebenfalls Alemannia-Fan und hat ebenfalls eine Jahreskarte. Auf der Fußballtribüne kamen die beiden erstmals intensiver ins Gespräch. Gerne hätten die Fußballfreunde in Nordrhein-Westfalen eine schwarz-grüne Koalition eingefädelt. Doch die Wahlergebnisse gaben das bislang nie her. Dafür waren Priggen und Laschet einmal Teil einer übergroßen politischen Fußball-Koalition.

Weitere Themen

Topmeldungen

Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.