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Holger Apfel ist Wirt auf Mallorca : Der rechtsextreme Ausländer

Nun fröhlicher Gastwirt: Der frühere NPD-Chef Holger Apfel vor seinem Lokal auf Mallorca Bild: Mallorca-Zeitung

Von Türken betriebene Dönerbuden galten dem früheren NPD-Vorsitzenden Holger Apfel immer als Symptom für den Niedergang der deutschen Kultur. Ausgerechnet er wird nun in Spanien zu einem der nicht immer geliebten Auslandsdeutschen.

          Dass es Holger Apfel mit der Einhaltung des von ihm geprägten Rechtsextremismus nicht sonderlich ernst nimmt, bewies er schon in der Vergangenheit. So soll Apfel als Bundesvorsitzender der schwulenfeindlichen NPD auf einer Wahlkampfparty einen Kameradschafter im Vollrausch sexuell belästigt haben. Ausgerechnet Apfel. In der männerbündisch organisierten NPD galt dies als politisches Todesurteil – obwohl der Vorgang in Apfels sächsischem Landesverband als machtpolitisch motivierte Intrige bezeichnet wurde.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Apfel trat im Dezember von allen Ämtern zurück und macht nun, wenige Monate später, abermals mit einem – der rechtsextremen Logik folgend – „Tabubruch“ auf sich aufmerksam. Apfel, der Fackelmärsche vor Asylbewerberheimen in Ostdeutschland guthieß und die Mitgliedschaft von Nationalsozialisten in seiner Partei verteidigte, wird selbst zum Ausländer. Am 15. Mai eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Jasmin, die früher Vorsitzende des rechtsextremen „Rings Nationaler Frauen“ war, ein kleines Lokal in Palma de Mallorca, es heißt „Maravillas Stube – Restaurant bei Jasmin und Holger“. Für Journalisten der deutschsprachigen „Mallorca Zeitung“ ließ sich Apfel auf der Terrasse seines Lokals mit einem Tablett in der Hand fotografieren.

          In Dönerbuden sah er den Niedergang der Kultur

          Das gewöhnliche Lokal wird erst durch die Vorgeschichte seiner Besitzer zur Kuriosität. So galten von Türken betriebene Dönerbuden in Deutschland dem früheren NPD-Politiker immer als Symptom für den Niedergang der deutschen Kultur. Ausgerechnet er wird nun in Spanien zu einem der von Einheimischen nicht immer geliebten Auslandsdeutschen.

          Für seine Sehnsucht nach ausländischen Orten soll Apfel in der NPD einst als „Malle-Holger“ verspottet worden sein. In einem Gespräch mit dieser Zeitung schwärmte Apfel 2012 von Reisezielen wie Ägypten, sprach sich sinngemäß jedoch für ein Nebeneinander der Völker aus, ein Weltbild also, in dem Tourismus erlaubt, eine Vermischung der Völker aber verboten ist.

          Als Ausländer in Spanien und mit den Geschäftsinteressen eines Gastronomen nimmt Apfel vordergründig Abschied von manchen rechtsextremen Vorstellungen. So seien in seinem Lokal „auch Linke oder Menschen anderer Nationalitäten“ willkommen – Deutsche und andere Ausländer also auch. Gegenüber der „Mallorca Zeitung“ gibt Apfel zu, seine Emigration sei nicht mit den Vorstellungen der NPD vereinbar, schließlich habe die Partei den Slogan „Auswanderung stoppen! Fachkräftemangel bekämpfen!“ geprägt. „Ich habe nach wie vor eine patriotische Einstellung, aber ich stand nie für die Extreme der NPD“, sagt Apfel der „Mallorca Zeitung“. Bei solchen Äußerungen könnte manchem das Schmunzeln über Apfels kuriose Neuorientierung freilich vergehen.

          Für die NPD ist Integration Völkermord

          Es war Apfel, der in der Öffentlichkeit stets für einen Kurs der „seriösen Radikalität“ warb, parteiintern aber auch den Vertretern des noch extremeren Flügels signalisierte, dass er keine Mäßigung von ihnen erwarte. „Für Träger einer Weltanschauung versteht es sich von selbst, dass es bei der ,seriösen Radikalität’ nicht um inhaltliche Anpassung und die Aufweichung unserer Grundsätze geht“, schrieb Apfel im September 2011 auf der Internetseite „Deutschlandecho“.

          Sollte es unter den Mallorquinern auch NPD-ähnliche Ideologen geben, könnte Apfel ein unbequemes Migrantenschicksal drohen. Die NPD hatte über Jahre jede Form von Integration von Ausländern wie Apfel als „Völkermord“ bezeichnet. Das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern bezeichnete die NPD stets als Zustand des „Vorbürgerkriegs“.

          Mancher Mallorquiner könnte sich auch ein anderes Bonmot Apfels zu Herzen nehmen, etwa aus dessen Rede im Sächsischen Landtag am 1. September 2010. „Wir brauchen heute in Deutschland keine Diskussion über eine bessere Integration der hier lebenden Ausländer, was wir brauchen ist eine Diskussion, wie wir konsequent dafür sorgen können, dass die in Deutschland lebenden Ausländer eines Tages in ihre Heimat zurückgeführt werden können“, sagte Apfel – damals noch von der Warte eines Inländers.

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