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Teenager-Clique : Leute, ich liebe euch!

Bild: Johannes Krenzer

Was bedeutet echte Freundschaft den Teenagern in Zeiten der sozialen Netzwerke überhaupt noch? Eine Mädchen-Clique im Gespräch über WhatsApp, Rollenverteilung und ihre ganz eigene Sprache.

          9 Min.

          Sechs Mädchen, eine Freundschaft: Hatiçe, Dilara, Elif, Daria, Naila und Christina. Sie sind zwischen 16 und 17, besuchen dasselbe Frankfurter Gymnasium, und jeden Morgen um zehn vor acht, kurz bevor die Schule beginnt, treffen sie sich im Rosengarten, einem kleinen, begrünten Platz im bürgerlichen, von Bankern und Anwälten bevölkerten Westend. Auf den Bänken sitzen Jugendliche, Jungs und Mädchen, die sich in Cliquen gruppieren und von denen die allermeisten ein Mobiltelefon in der Hand halten. Sie tippen Nachrichten, zeigen einander Fotos, stecken die Köpfe zusammen, reden, lachen, chillen. Die sechs Mädchen spielen Karten, während nebenher Musik läuft, Hip Hop, R’n’B, Reggae.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Betrachtet man Teenager, sieht es oft so aus, als tauchten sie in die Online-Welt ab, dabei tauchen sie in die Kommunikation mit ihrer Peergroup ein. Sie betreiben socializing. Sie tauschen sich über WhatsApp aus, konkretisieren Verabredungen, kommentieren gemeinsam Erlebtes, Gelesenes, Klatsch und Tratsch, peinliche Instagram-Fotos, Musikvideos, YouTube-Clips.

          Man kann Jugendliche also auch als digitale Kommunikationsprofis bezeichnen, als vorbildliche Freundschaftspfleger, denen keine WhatsApp-Nachricht zu viel, kein Chat zu langweilig, kein Like zu mühsam ist und die selbst noch Emojis versenden, kurz bevor sie einschlafen. Nur widerspricht diese Perspektive der weitverbreiteten Vorstellung, die Dauerkommunikation per Handy erziehe Jugendliche zur Oberflächlichkeit und ebne den Weg in die „digitale Demenz“. Die können ja nicht einmal mehr stillsitzen und konzentriert ein Buch lesen! Haben keine echten Freunde, aber Hunderte sogenannte Freunde in sozialen Netzwerken! Chatten lieber, als miteinander zu reden!

          Auch nervende Eltern sind regelmäßig Thema

          Hatiçe, Dilara, Elif, Daria, Naila und Christina sehen sich an sechs Tagen in der Woche, und auch am siebten, dem Sonntag, tauschen sie sich innerhalb ihrer WhatsApp-Gruppe aus. Jeder kann jederzeit mitlesen, es gibt keine Geheimnisse. Sie sprechen über alles, was sie bewegt, Schule, Eltern, Jungs, die sie gut oder blöd finden, über das erste Mal, über Liebeskummer, Religion, Sehnsüchte, Ängste, alles ohne Scham. Ist sich eine unsicher, ob sie ein bestimmtes Kleid anziehen soll, macht sie ein Selfie und schickt es der Gruppe: „Hey Leute, wie findet ihr das Kleid?“ Auch nervende Eltern sind regelmäßig WhatsApp-Thema. „Feel you“, schreiben die anderen dann: Sie verstehen, es geht ihnen ja oft genauso. Häufig wird nur Nebensächliches gemeldet, etwa, dass die Mutter gerade Pizza backt.

          „Unsere Clique ist wie eine Familie“, sagen die Mädchen. Eine Familie, in die sie nicht hineingeboren wurden, sondern die sie sich selbst ausgesucht haben, vor sechs Jahren war das, da begann ihre Freundschaft.

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          Als Erstes fällt einem an den sechs Mädchen auf, wie sehr sie sich äußerlich voneinander unterscheiden, wie gut jede aussieht, aber eben auf ihre ganz eigene Art. Das ist erstaunlich, weil sich Cliquenmitglieder gewöhnlich stark ähneln. Der Stil, den sich inzwischen fast jedes Mädchen angeeignet hat, sieht so aus: glatte, beziehungsweise geglättete lange Haare, manchmal im Ombre-Look, Make-up, enge Jeans, Nike Air Max oder Boots, Lederjacke. Auffällig unauffällig.

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