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Freizeit-Report : Mehr Zeit fürs Smartphone, weniger für Freunde

  • Aktualisiert am

Rund die Hälfte der Deutschen verbringt die freie Zeit am Smartphone. Bild: dpa

Selfies statt Gruppenfotos: Statt sich mit Freunden zu treffen verbringen die Deutschen ihre freie Zeit lieber am Smartphone und im Internet. Zudem nimmt für viele der Freizeitstress zu.

          Bei den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen sind Smartphone und Internet nach einer neuen Studie die Gewinner der vergangenen fünf Jahre. Rund die Hälfte der Interviewten nutzt in ihrer freien Zeit ein Smartphone – ohne zu telefonieren. Das sind rund 20 Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren. Drei Viertel der Befragten sind in ihrer Freizeit regelmäßig im Internet unterwegs, 2013 war es rund die Hälfte. Mit sozialen Medien beschäftigt sich die Hälfte regelmäßig – fast 20 Prozentpunkte mehr als zuvor. Das geht aus der repräsentativen Studie Freizeit-Monitor hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

          Auf der Strecke bleiben dagegen immer häufiger echte Sozialkontakte wie Besuche bei den Großeltern oder Treffen mit Freunden. Nur noch ein gutes Viertel der Bundesbürger (27 Prozent) spielt regelmäßig mit Kindern. 2013 war es fast ein Drittel (31 Prozent). Auch Nachbarschaftshilfe ebbt ab. Stark ging auch die Gepflogenheit zurück, sich mit Freunden zu Hause zu treffen, sie sank deutlich von 24 auf 17 Prozent. „Typisch ist heute, dass Freunde skypen und sagen, dass sie sich dringend mal wieder treffen müssten“, sagte Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Untersuchung. „Aber sie tun es dann doch nicht.“ Grund für weniger Zeit sei aber selten Desinteresse – es gebe eher zu viele andere Reize.

          Laut der Studie hat der Freizeitstress in Deutschland weiter zugenommen. Denn je mehr Optionen es gebe, desto häufiger würden sie auch nachgefragt, sagte Forscher Reinhardt. Pro Woche springen die meisten im Schnitt zu 23 Freizeitereignissen, vor 20 Jahren waren es nur zwölf. Im Schnitt dauern Freizeitaktivitäten heutzutage kaum länger als zwei Stunden. Dazu komme laut Reinhardt die Tendenz, andere in sozialen Netzwerken mit Selfies über Freizeiterlebnisse zu informieren. Glücklich seien viele Bundesbürger mit dieser Rastlosigkeit allerdings nicht. Viele wünschten sich mehr Ruhe sowie mehr Zeit für sich selbst und andere. Zwischenmenschliche Beziehungen seien wie sozialer Kitt, der das Land zusammenhalte, betont Reinhardt.

          An Beliebtheit hat außerdem das Buch verloren. Nur 29 Prozent der Bundesbürger liest noch regelmäßig darin. Vor fünf Jahren war es noch mehr als ein Drittel (35 Prozent) gewesen. Genau in dieser Größenordnung hat auch Gartenarbeit an Reiz verloren. Zeitaufwändigere Hobbys wie Musizieren oder Malen büßten ebenfalls spürbar an Attraktivität ein.

          Für die aktuelle Studie ließ die Stiftung für Zukunftsfragen im Juli rund 2000 Bundesbürger ab 14 Jahren danach befragen, wie sie ihre Freizeit verbringen. Den Monitor gibt es seit 1993. Seit mehr als 20 Jahren führt das Fernsehen die Hitliste an, die meisten Zuwächse gibt es heute aber bei den neuen Medien. Hinter der Stiftung für Zukunftsfragen steht das Tabakunternehmen British American Tobacco.

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