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Kampagne #FreeBritney : Muss Britney Spears befreit werden?

Gelungenes Comeback: Sängerin Britney Spears bei einem Auftritt 2016 in Las Vegas. Bild: AFP

Aus ihren Wimpern lesen sie einen Notruf, in der Farbe ihres Shirts erkennen sie einen Hilfeschrei: Die Fangemeinschaft von Sängerin Britney Spears macht sich ernsthafte Sorgen um ihren Star. Eine Petition fordert ihre Freilassung.

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          „Britney wird gefangen gehalten und braucht dringend unsere Hilfe. Ich rufe jetzt das FBI“ – wer durch die Kommentarspalten der Social-Media-Kanäle von Britney Spears scrollt, der könnte meinen, die 38 Jahre alte Sängerin sei in den Händen von Entführern. Unter den Postings der Sängerin, die allein auf Instagram über 25 Millionen Follower hat, kommentieren viele: Ruft den Notdienst. Tut etwas. Befreit Britney! Und immer wieder taucht der Vorwurf auf, Kommentare würden gelöscht, die Wahrheit vertuscht.

          Kira Kramer
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Die hochgeladenen Clips und Bilder sprechen zunächst eine völlig andere Sprache: Die Blondine grinst in die Kamera, tanzt durchs Wohnzimmer, präsentiert mit Musik hinterlegte Workouts. Das alles ist gespickt mit bunten Emoticons, bedeutungsschwangeren Lebensweisheiten und einer Flut aus Satzzeichen. Nichts Besonderes, möchte man meinen. Und erst recht kein Fall für den Notdienst. Doch die Community hinter #FreeBritney meint es ernst.

          Sicher kein Zufall

          Erst auf den zweiten Blick – und zugegeben, mit einer ganzen Menge Phantasie – lassen sich die Geheimbotschaften erahnen, die Britney Spears Fans glauben, von ihrer Pop-Prinzessin zu empfangen. So sehen Kommentatoren auf einem Bild, das die lächelnde Britney im Sonnenlicht zeigt, die Botschaft „Call 911“ in der Form ihrer Wimpern. Eine Aufforderung also, den Notruf zu wählen. Während Spears über die magische Wirkung des natürlichen Lichts auf ihre Augen fabuliert (Küsschen-, Blümchen-, Sonnenemoji), spekulieren ihre Fans darüber, wie der Sängerin zu helfen sei.

          Jemand bemerkt: Es könne kein Zufall sein, dass Spears ausgerechnet 116 Accounts abonniert habe. Auf den Kopf gestellt, ergebe sich daraus ebenfalls die Notfallnummer 911. So zieht es sich durch ihre Posts: „Wenn du Hilfe brauchst, trag Gelb in deinem nächsten Video“, lautet ein Post mit derzeit mehr als 22.000 Likes unter einem Tiktok-Video von Spears. Und tatsächlich: Im nächsten Clip präsentiert sich die Sängerin im gelben Crop-Top. Ein Zufall? Nicht für ihre Fangemeinschaft.

          Die Forderung, Britney Spears müsse befreit werden, ist nicht völlig neu. Laut wurde sie erstmals ein Jahr nachdem wir alle ungläubig vor unseren Bildschirmen saßen und beobachteten, wie das einstige Pop-Idol sich den Kopf kahl schor. Spears, die in einem Friseursalon saß, auf dem Gesicht ein irrwitziges Grinsen, irgendwo zwischen Verzückung und Apathie, in der Hand die schnurrende Rasiermaschine. Der Blick in den Spiegel, als starrte sie auf Hundewelpen und nicht in ihr eigenes blasses Antlitz. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit zerlegte sie das Image des unschuldigen Mädchens vom Lande, mit dem sie bis dahin so erfolgreich kokettiert hatte.

          Die Bilder von 2007 gingen um die Welt. Nicht nur für ihre Fan-Community waren sie schwer erträglich. Es wirkte, als hätte Britney Spears zwischen Drogenexzessen und Sorgerechtsstreits den Halt verloren. Die Boulevardpresse erklärte sie für verrückt. Es folgte eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie und ihre Entmündigung im Jahr 2008. Spears sei nicht mehr zurechnungsfähig, sei eine Gefahr für sich und andere. Ein Gericht entschied, dass vorübergehend ihr Vater, James Spears, genannt Jamie, zusammen mit einem Anwalt alle wichtigen Entscheidungen im Leben seiner Tochter treffen sollte – angefangen bei der Wahl ihrer Medikamente, bis hin zur Verwaltung ihres Millionenvermögens.

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