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Der Fall Britney Spears : Das Ergebnis einer Hexenjagd

„Free Britney“: Demonstranten im Februar vor dem Gericht in Hendersonville Bild: AP

Sie war einer der größten Popstars der Welt. Ihr Abstieg wurde von der Öffentlichkeit beobachtet und befeuert. Mittlerweile streitet sie vor Gericht darum, von der Vormundschaft ihres Vaters befreit zu werden. Wie ist es so weit gekommen?

          7 Min.

          In ihrem Song „Piece of Me“ singt Britney Spears, einst einer der größten Popstars des Planeten: „Ich bin Miss American Dream, seitdem ich 17 bin. Es ist völlig egal, ob ich auf der Bühne stehe oder mich auf die Philippinen davon mache, sie werden ja doch ein Foto meines Hinterns in ihrer Zeitschrift veröffentlichen. Du willst ein Stück von mir?“ Was die heute 39 Jahre alte Sängerin damals beschrieb, steht exemplarisch für das Leben einer Künstlerin, das sich vor allem durch Fremdzuschreibungen formte.

          Natalia Wenzel-Warkentin
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Britney Spears wurde praktisch über Nacht zu „America’s Sweetheart“, zur idealisierten Ikone irgendwo zwischen naiver Unschuld und verführerischer Lolita. Ihre Demontage in den nuller Jahren war beispiellos. Die Bilder gingen um die Welt: Britney Spears, die begleitet von Hunderten von Paparazzi in einen Friseursalon marschiert und sich die Haare abrasiert. Britney Spears, die mit einem Regenschirm auf den Wagen eines Paparazzo einschlägt. Britney Spears, die auf eine Trage geschnallt in einen Rettungswagen verfrachtet wird. 13 Jahre später steht die millionenschwere Sängerin noch immer unter der Vormundschaft ihres Vaters. Was als temporäre Lösung für die Probleme einer strauchelnden jungen Frau vorgesehen war, ist zum Dauerzustand geworden. Fans auf der ganzen Welt fordern heute: Befreit Britney! Eine neue Dokumentation der „New York Times“ befeuert die Bewegung. Doch wie ist es überhaupt so weit gekommen?

          Ihr ganzes Leben schon steht Britney Spears auf der Bühne. Aufgewachsen ist sie in einer Kleinstadt in Louisiana, im Herzen des sogenannten Bibelgürtels. Ihre Eltern entdecken früh ihr Talent. In der TV-Show „Mickey Mouse Club“ singt sie als Kind an der Seite von Justin Timberlake und Christina Aguilera. Mit 17 Jahren dann der erste Plattenvertrag. 1999 wird ihr Debüt „Baby one more time“ ein Welthit – und das in einer Zeit, in der die Musikindustrie vor allem auf die Vermarktung von Boybands setzte. Dabei war die Marke Britney Spears von Anfang an vor allem auf größtmögliche Gegensätze ausgelegt. Sie war das unschuldige Mädchen von nebenan und die sexy Lolita in einem. Millionen Mädchen wollten sie zur Freundin oder sein wie sie, Männer auf der ganzen Welt begehrten sie. Offiziell war die gläubige junge Frau, die in ihrer Heimat jeden Sonntag die Kirche besuchte, Jungfrau. Das Spiel mit ihrer Sexualität war aus heutiger Post-MeToo-Perspektive grenzwertig. Es war der Ausgangspunkt für die Skandale, die folgten, als das Image, das ihr vor allem die Öffentlichkeit überstülpte, zu bröckeln begann.

          Als ihre Beziehung zu Justin Timberlake bekannt wird, befindet sich Britney Spears auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
          Als ihre Beziehung zu Justin Timberlake bekannt wird, befindet sich Britney Spears auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. : Bild: Reuters

          Als ihre Beziehung zu Justin Timberlake bekannt wird, befindet sich Britney Spears auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Die Boulevardpresse und die Fans lieben das Paar. Britney und Justin – mehr Perfektion steckt nur in ihren tadellos aufeinander abgestimmten Jeansoutfits. Doch die Liebe ist nicht von Dauer. Schuld an ihrem Aus war in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit vor allem: Britney Spears. Untreuegerüchte, Lügen über ihre angebliche Jungfräulichkeit, ein Rachesong von Timberlake, Britney Spears, die bei den MTV Video Music Awards Madonna küsst – vor den Augen ihres ehemaligen Partners und dem ganzen Land. Die Zeichen standen schlecht für eine Frau, die unter den Augen der Öffentlichkeit erwachsen wurde. Immer wieder wird sie in Interviews zu intimsten Details befragt – zu den Gründen für das Beziehungsaus, ihrem Sexleben oder ihrer angeblichen Brustvergrößerung. Die übergriffige Berichterstattung und der Sexismus, dem sich die Sängerin stellen musste, sind aus heutiger Perspektive nur noch schwer zu fassen.

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