https://www.faz.net/-gum-t55n

Freddie Mercury : Die Königin von Bayern

  • -Aktualisiert am

Lieber München als London

Barbara, Franz und Freddie verstanden sich jedenfalls auf Anhieb und zogen gleich nach den ersten paar Gin Tonics gemeinsam um die Häuser. Zuerst tauchten sie in Anni Neumanns Keller-Dancing „New York“ ein, das sich am Anfang der Thalkirchnerstraße etabliert hatte und ein beliebter Gay-Treffpunkt war. Barbara Valentin und Franz Prost gaben sich als Fremdenführer alle Mühe und machten Freddie Mercury mit sämtlichen In-Plätzen des Glockenbachviertels bekannt. Er fand schnell Gefallen daran, denn obwohl die Münchener Schwulenszene kaum mit der von London vergleichbar war, kam die schnauzbärtige „Queen“ von da an lieber nach München. Das Bayerisch-Bacchantische zog ihn offenbar an.

Zuerst logierte Freddie sogar bei Barbara Valentin zu Hause, die im Theaterviertel an der Stollbergstraße wohnte und ohnehin bekannt dafür war, den verrücktesten Gästen eine Bleibe zu bieten (längere Zeit fand sogar ein Polizist Asyl bei der großzügigen Bärbel). Nach der ersten Nacht bei Barbara vermachte Mercury ihr seine schwarze Lederjacke, auf deren Rücken mit funkelnden Glassteinen das Wort „Queen“ geschrieben stand: eine unglaubliche Trophäe! Allerdings ging es in der Valentinschen Wohnung zu wie im Taubenschlag, die Besucher kannten keine Uhrzeit. Freddie, der ja durchaus auch ein disziplinierter und empfindsamer Künstler war, wurde das ständige Kommen und Gehen dann irgendwann zu bunt, und so fand er in der Nachbarschaft, im „Stollberg Plaza“, bald ein eigenes Zuhause.

Muskulöser Körper in Feinripp

Freddie war in seinen Münchener Tagen sehr muskulös, und er liebte es natürlich, seinen Körper im engen Feinripp-Unterhemd zu präsentieren. Für den biederen Durchschnittsbayern wirkte dieses Outfit allerdings eher wie eine Maurerkluft, und in genau diesem Aufzug erschien der unbekümmert-eitle Freddie eines schönen Abends im luxuriösen Restaurant „Käfer“. Dem Geschäftsführer Hase standen die Haare zu Berge, und der sturmerprobte Maitre, den so schnell nichts aus der Ruhe brachte, echauffierte sich: „Das geht doch nicht, der Mann an Tisch 13 muß ein Jackett tragen!“ Zum Glück gab es noch die Directrice und ehemalige „Pam Pam“- Wirtin Lis Lender: Ihr gelang es, Herrn Hase zu bremsen, der natürlich keine Ahnung hatte, daß sich gerade ein Superstar in sein feines Etablissement verirrt hatte. Freddie Mercury wurde dennoch Stammgast bei Käfer.

Nach einem Bummel durch die einschlägigen Lokale „Nil“ und „Teddy Bar“ lief dem begeisterten Wahl-Münchener eines Abends im inzwischen sehr angesagten „New York“ dann sogar die große Liebe über den Weg. Es war der eher bürgerlich wirkende Lokalbesitzer Winfried Kirchberger, der das „Sebastianseck“ in der Nähe der heutigen „Schranne“ betrieb. Auch Kirchberger ist längst tot - dahingerafft von der gleichen Krankheit, an der auch Freddie Mercury im November 1991 starb. Mit „Winnie“ durchlebte der Queen-Boss wahrscheinlich eine der leidenschaftlichsten Zeiten seines Lebens, ihm schenkte er sogar ein Appartement an der Pestalozzistraße. Winnie war zwar ein wenig spießig, aber die auf Sansibar geborene Super-Diva Freddie Mercury war ganz versessen auf die rustikale Männerfigur aus München. Gemeinsam fuhren die beiden im 500er Mercedes-Coupe zum „Ochsengarten“, der legendären Leder-Hochburg, die bis heute die Nappa-Jünglinge in ihren Bann zieht. Nur die Badewanne auf der Herrentoilette ist inzwischen verschwunden, in die Mercury ausgelassen hineinsprang, ein Glas nach dem anderen kippte, die Linien wegzog und wildfremde Gäste zum Mitmachen animierte.

Weitere Themen

Topmeldungen

Michael Cohen : „Trump stiftete zum Meineid an“

Donald Trump droht neues Ungemach im Zusammenhang mit seinen Russland-Kontakten. Zeugen berichten von einer Aussage Cohens, die es in sich hat. Erste Demokraten fordern ein Amtsenthebungsverfahren.
Wenn das Regierungsbündnis aus Linken., SPD und Grünen einen staatlichen Mietendeckel mit Nachdruck verfolgt, könnte es nur in dieser Legistlaturperiode Wirklichkeit werden.

Staatlicher Mietendeckel : SPD will Höchstpreis für Mieten in Berlin

Wirkungsvoller als die bundesweite Mietpreisbremse, welche nur Bestandsbauten betrifft, soll ein staatlicher Mietendeckel sein: Ein Quadratmeter soll damit maximal 6 bis 7 Euro kosten, fordern Berliner Sozialdemokraten. Die CDU hält das für „Sozialismus“.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.