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Frauenhäuser in Corona-Zeiten : Warum häusliche Gewalt nun zunimmt

Sara, die eigentlich anders heißt, ist sich sicher: Hätte sie ihren gewalttätigen Ex-Mann nicht schon verlassen, spätestens jetzt würde sie es versuchen. Bild: Frank Röth

Frauenhäuser erwarten wegen Corona eine steigende Nachfrage. Doch das Personal ist knapper denn je, wenn Mitarbeiter in Quarantäne müssen. Und die Plätze reichen selbst in normalen Zeiten nicht aus.

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          Sara ist sich sicher: Wäre es ihr nicht schon gelungen, vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann ins Frauenhaus zu fliehen, würde sie es jetzt tun. „Ohne Corona hatte man wenigstens noch mit anderen Menschen Kontakt“, sagt sie. „Jetzt wäre ich nur noch mit ihm zusammen, Tag und Nacht, und das wäre nicht auszuhalten.“

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Noch ist es zu früh zu sagen, wie viele Frauen so denken und vor allem handeln. Aber Frauenhäuser und Frauenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes gehen davon aus, dass in Corona-Zeiten der Andrang auf Schutzunterkünfte zunehmen wird. Für Sylvia Haller von der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser sprechen dafür drei Gründe. Erstens wird der Informationsstelle berichtet, dass die Telefonanrufe bei Hotlines für betroffene Frauen zunehmen. Zweitens hat in China die Gewalt gegen Frauen und Kinder während der Ausgangssperre merklich zugenommen – in der Quarantäne-Stadt Wuhan soll sie sich gar verdreifacht haben. Und drittens beobachten Frauenhäuser, dass sich die Anzahl der Hilferufe wegen häuslicher Gewalt an Weihnachten und anderen Feiertagen, zu denen Menschen viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, immer erhöht.

          Anders als an Weihnachten sind die Menschen aber nun verunsichert, haben finanzielle Sorgen, fühlen sich eingesperrt und sind von der Kinderbetreuung bei geschlossenen Kitas und Schulen womöglich überfordert. In so einer Extremsituation könne schon vorhandene psychische Gewalt leicht in physische umschlagen, warnt Haller. Doch auch Frauen, die bereits von Gewalt betroffen sind, aber es bisher nicht geschafft haben, ihren Partner zu verlassen, haben es nun schwerer. Sie sind noch stärker isoliert als sonst. Dadurch fällt der Kontakt zu Menschen weg, die den Frauen helfen könnten. Etwa Erzieherinnen oder Lehrerinnen, die sich oft zuerst bei Hilfestellen melden, wenn sie bemerken, dass eine Mutter geschlagen wird.

          Sie durfte nur zum Deutschkurs gehen

          Saras Mann erlaubte ihr kaum, ohne ihn das Haus zu verlassen. Nur zum Deutschkurs durfte die 33 Jahre alte Iranerin gehen. Dort bat Sara ihre Lehrerin um Hilfe, nachdem ihr Mann sie beinah zu Tode gewürgt hatte. Dieser Weg wäre ihr nun verschlossen; Sprachkurse finden wegen der Ansteckungsgefahr schon seit Wochen nicht mehr statt.

          Wenn Frauen es dennoch schaffen, ein Frauenhaus zu kontaktieren, stehen dessen Mitarbeiterinnen vor ungewohnten Herausforderungen. Es fehlt an Personal, weil manche Mitarbeiterinnen Vorerkrankungen haben und sich deshalb nicht zur Arbeit trauen, andere in einem Risikogebiet waren und in Quarantäne müssen. Sonst holen die Mitarbeiterinnen betroffene Frauen zudem oft mit dem Auto am Bahnhof ab – so wird dafür gesorgt, dass die Adressen der Schutzunterkünfte nicht bekannt werden. Das ist jetzt schwierig, weil im Auto nicht der nötige Abstand eingehalten werden kann. Auch können die Unterkünfte derzeit keine Frauen aufnehmen, die in einem Risikogebiet waren oder Erkältungssymptome haben. Und manche Gemeinden erwägen einen generellen Aufnahmestopp in Frauenhäusern. Denn die dort herrschende Enge ermögliche es nicht, Hygienevorschriften und Abstandsregeln einzuhalten.

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