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Frauenfußball in Bahrein : Die Spielmacherin

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Frauenfußball und Islam: Utopie oder Revolte?

Nach dem Meeting läuft ihr zufällig Mahmood Fakhro über den Weg, er ist der Technische Direktor der Männerauswahl und mutmaßlich der größte Fan der Frauen-Nationalmannschaft seines Landes. Fakhro ist bekannt für seine ungeschminkte Offenheit in einem Land der verschleierten Wahrheiten. „Die Eltern ermutigen ihre Töchter heute, weil sie sehen, wie glücklich sie sind, wenn sie vom Training kommen“, erzählt Fakhro. „Aber leider gibt es immer noch zu viele wichtige Entscheidungsträger im Parlament, die Frauenfußball für Zeitverschwendung halten.“ Auch Staabs Fußballträume unterliegen der Tatsachenentscheidung.

Frauen und Fußball in einem muslimischen Land, das klingt für viele westliche Beobachter immer noch nach Utopie oder Revolte. Wie soll das gehen, junge Muslima in kurzen Hosen, wenn wir selbst in Deutschland darüber streiten, ob muslimische Lehrerinnen in der Schule ein Kopftuch tragen dürfen oder nicht?

„Der Fußball ist das Werkzeug“

Auch in Deutschland ist die Erfolgsgeschichte des Frauenfußballs eine junge und wenig ruhmreiche Geschichte der Emanzipation und Gleichberechtigung. Noch bis 1970 verbot der DFB den Frauen, Fußball zu spielen - mit der irrwitzigen Begründung, dies sei gesundheitsschädigend und könne im Extremfall zu Unfruchtbarkeit führen. In Bahreins Nachbarstaat Saudi-Arabien ist Frauensport bis heute untersagt, und doch fährt jeden Montag ein saudisches U-14-Mädchenteam über den König-Fahd-Highway ins bahrenische Manama und nimmt am Training einer Jugendliga teil. Das geschieht unter dem Deckmäntelchen eines Schulprojekts - die saudischen Behörden wissen nicht, dass Fußball gespielt wird - und es ist eine kleine sportpolitische Sensation. Im Sommer hat die Fifa den Spielerinnen das Tragen des Hijab, der traditionellen muslimischen Kopfbedeckung, auf Probe bei offiziellen Länderspielen erlaubt - wenn sie es aus religiösen Gründen wünschen. Das macht Staabs Lobbyarbeit einfacher.

Aber kann der Frauenfußball wirklich helfen, restriktive Gesellschaften durchlässiger zu machen? Hat Staab eine politische Agenda? „Der Fußball ist das Werkzeug“, erklärt sie, „ich emanzipiere die Frauen über den Sport. Das Selbstwertgefühl, das der Fußball vermittelt, hilft den jungen Frauen, sich gegen Unterdrückung und Benachteiligung zur Wehr zu setzen. Ich lasse nur Fußball spielen, aber klar, er beinhaltet ein revolutionäres Potential.“

Der Traum vom Profifußball

Zurück in Riffa. Monika Staab und Reem sind die Letzten auf dem Trainingsplatz, das Flutlicht ist schon abgeschaltet. Monika Staab erzählt Reem von ihrem Vorzeigeprojekt im Westjordanland. In Palästina gebe es heute eine gut organisierte Frauenfußballliga. Honey, die Kapitänin ihres Teams aus Bethlehem, studiert Marketing in der Schweiz, und in Hebron bewirbt sich gerade die erste Frau um das Bürgermeisteramt. Frauenfußball und Frauenpolitik ergänzen sich bei Steeb zu einem großen Bild.

Auch Reem will jetzt ihre ganze Geschichte erzählen. Dass sie lange nicht spielen durfte, weil ihr Vater es nicht wollte. Dabei spielte er selbst für Riffa im Mittelfeld. Aber Fußball, das sei ein Spiel für Männer, sagte er seiner Tochter immer wieder, wenn sie ihn drängte. Als er Reem das erste Mal spielen sah, glänzten seine Augen. Der Vater sah, seine Tochter hatte sein Talent geerbt. Was sie denn mal werden möchte, fragt Staab. „Ein echter Profi in einer richtigen Profiliga“, sagt Reem.

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