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Frauen bei der Bundeswehr : „Dann stand ich da und war der Chef“

„Ich halte es so, dass ich bei der männlichen Bezeichnung bleibe“: Oberstleutnant i.G. Gabriele Voyé. Bild: Lüdecke, Matthias

Ursula von der Leyen geht zur Bundeswehr? Pah! Oberstleutnant Gabriele Voyé ist längst da – als erste Frau im Generalstabsdienst. Ein Gespräch über Mädchenträume und den richtigen Befehlston.

          8 Min.

          Südwestlich von Potsdam, die Gemeinde Schwielowsee, Ortsteil Geltow, Wildpark-West, mitten im Laubwald: die Henning-von-Tresckow-Kaserne. Darin: das Einsatzführungskommando der Bundeswehr: EinsFüKdoBw. Von hier aus werden alle Einsätze geplant und geführt. Weltweit. 14 sind es zurzeit. Der größte, mit der Isaf in Afghanistan, wird gerade abgewickelt. Dazu Missionen im Kosovo, im Libanon, an der türkischen Grenze zu Syrien, Kongo, Mali, Sudan, Südsudan, Uganda, auf der See vorm Horn von Afrika. 5500 Mann im Einsatz - und Frauen.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Jahrzehntelang waren Frauen in der Bundeswehr nur im Sanitätsdienst vorgesehen, Ärztinnen, Zahnärztinnen, Tierärztinnen, Apothekerinnen. Und in die Kapellen der Militärmusik durften sie. Seit dem 1. Januar 2001 aber, seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes, dürfen Frauen in alle Laufbahnen einsteigen. Gut 18.000 Soldatinnen gibt es in der Bundeswehr inzwischen. Am weitesten nach oben auf der Dienstgradleiter hat es Gabriele Voyé geschafft, Oberstleutnant im Generalstabsdienst Voyé.

          Frau Voyé, Sie haben Betriebswirtschaftslehre und Luftverkehrsmanagement studiert, in Berlin und in Paris. Mit 25 sind Sie dann zur Bundeswehr gegangen. Warum?

          Ich habe mich schon in früher Kindheit für Streitkräfte interessiert. Obwohl ich in meiner Familie überhaupt nicht soldatisch geprägt bin.

          Was reizt ein kleines Mädchen am Militär?

          Als Kind war es für mich ein Mix aus allem. Sie sehen Dinge, die sich bewegen: Schiffe, Flugzeuge. Sie sehen Menschen, die zusammenarbeiten. Und als ich ein bisschen älter wurde, hatte ich auch das Gefühl: Die Streitkräfte machen irgendwas, was einen Effekt hat und helfen kann, einen Beitrag zur Demokratie zu leisten. Ich erkläre das gerade aus der Perspektive Kind bewusst so einfach, weil man als Kind ja auch noch nicht hundert Prozent urteilsfähig ist. Aber im Grunde ist meine Motivation bis heute, etwas für die Demokratie zu tun.

          Mitmachen konnten Sie aber erst mal nicht. Wie haben Sie reagiert, als sich die Bundeswehr 2001 für Frauen öffnete?

          Da war ich schon in Frankreich, und ich habe das irgendwann aus der Zeitung erfahren. Im ersten Moment dachte ich: Hm, der Zug ist abgefahren, das gilt nur für Achtzehnjährige, die gerade das Abitur gemacht haben. Und im nächsten Moment: Wo steht das? Dann habe ich in die einschlägigen Verordnungen hineingeschaut und festgestellt: Eigentlich müsste das doch gehen.

          Und haben sich einfach beworben?

          Wenn ich das heute im Kameradenkreis erzähle, animiert das viele zum Schmunzeln: Ich habe einfach im Personalamt der Bundeswehr angerufen, braucht ihr jemanden wie mich? Die dachten erst mal, ich wäre Journalistin und starte einen Versuch, um auszuloten, ob die neuen Regeln wirklich greifen.

          Und dann?

          Ich habe eine klassische Bewerbungsmappe zusammengestellt, wie man das bei einem Unternehmen macht. Diese Art der Bewerbung passte zunächst überhaupt nicht ins Format, aber nichtsdestotrotz, ich wurde nicht abgelehnt.

          Mussten Sie dann den ganz normalen Grundwehrdienst leisten?

          Formal bin ich als Hauptmann eingestellt worden. Das mag verwunderlich klingen, aber die Struktur ist eng ans Beamtenrecht gekoppelt. Und weil ich ja schon studiert hatte, konnte ich mit höherem Dienstgrad einsteigen. Trotzdem bin ich erst mal in ein ganz normales Luftwaffenausbildungsregiment gekommen, in dem die Grundausbildung stattfindet. In der Kompanie waren keine Wehrpflichtigen, aber vom Mannschaftsdienstgrad bis hin zum Feldwebelanwärter ein Querschnitt von Soldaten. Alle waren jünger als ich, viele Schulabgänger. Zu Beginn der Grundausbildung war da ein bisschen Schock auf beiden Seiten, aber das war nicht weiter dramatisch.

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