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Privatsphäre : Wie hieß er doch gleich?

In einem Hotelbett wurde der kleine Joel gezeugt. Sein Vater wird von seiner Existenz vielleicht nie erfahren. Bild: Ulrich Finkenzeller

Die Klage einer Frau gegen ein Hotel, das den Namen ihres Liebhabers nicht herausgeben wollte, wird abgewiesen. Was ist die Urteilsbegründung in dem skurrilen Fall?

          Bei der Partnerwahl muss man heute auf alles Mögliche achten. Verträgt er Gluten? Teilt er Bilder von jedem Nachtisch auf Facebook? Macht er Karriere und wechselt bald die Stadt oder gar das Land? Grundlegendes könnte da schon mal in Vergessenheit geraten – zum Beispiel der Name. Dabei kann ein ausgefallener Vorname von Vorteil sein: 2017 wurde zum Beispiel nur ein Kind in Deutschland „Horst“ genannt – sollte dieser Horst in 20 Jahren eine Frau versetzen, er wird leicht zu finden sein.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Viel schwieriger ist es dagegen, jemanden zu identifizieren, von dem man nur den Namen „Michael“ kennt – vor allem, wenn man nicht im Besitz von Unterlagen ist, „aus denen sich der vollständige Name ergeben könnte“. So erging es aber laut einem Urteil, das vom Amtsgericht München am Dienstag unter der Überschrift „Väterroulette“ veröffentlicht wurde, einer Frau aus Halle. Sie war im April 2011 in einem Hotel in der Stadt – zusammen mit einem „Michael“. Neun Monate später brachte sie ein Kind zur Welt. Von Michael fehlte da aber jede Spur.

          Recht auf Achtung der Privat- und Intimsphäre

          Von der Leitung der Münchner Hotelkette verlangte die junge Mutter deswegen Auskunft über die Anschrift und den vollständigen Namen ihres damaligen Begleiters. Sie benötige die Daten, um Kindesunterhaltsansprüche gegenüber ihm geltend zu machen. Nach dem Bundesdatenschutzgesetz, so erklärte sie, stehe ihr ein Auskunftsanspruch zu.

          Die Münchner Hotelkette wies das zurück. In dem fraglichen Zeitraum seien insgesamt vier männliche Personen mit dem Vornamen Michael in dem Hotel zu Gast gewesen. Da die Klägerin die genannte Person nicht näher beschreiben könne, sei eine eindeutige Feststellung der in Frage kommenden Person nicht möglich. Es bestehe deswegen kein Anspruch auf die Weitergabe der persönlichen Daten der Gäste.

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          Die Mutter wollte das nicht akzeptieren und zog vor Gericht. Dort wurde sie Ende Oktober 2016 abermals enttäuscht: Die zuständige Richterin wies die Klage ab. Sie stellte fest, dass das Recht der betroffenen Männer auf informationelle Selbstbestimmung und auf den eigenen Schutz der Ehe und Familie das Recht der Klägerin auf Schutz der Ehe und Familie und auf Unterhaltsanspruch überwiege. Die betroffenen Männer hätten ein Recht auf Achtung der Privat- und Intimsphäre, das auch davor schütze, geschlechtliche Beziehungen offenbaren zu müssen. Weil durch eine Preisgabe der Daten „ins Blaue hinein“ die Möglichkeit einer geschlechtlichen Beziehung zu der Klägerin „unwiderlegbar in den Raum gestellt“ werde, sei das gegenüber den Männern nicht zu verantworten. Zumal sich die Klägerin nicht mal sicher sei, ob es sich um den einzigen oder überhaupt den richtigen Namen handle.

          Die junge Mutter hat jetzt offenbar dazugelernt – und eine Vorliebe für unkonventionelle Namen entwickelt. Ihren Sohn nannte sie zwar nicht Horst. Aber immerhin Joel.

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