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Chefin pakistanischer Herkunft : „Ich will Frankfurts Bürokönigin werden“

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Das deutsche Leben begann in einem Flüchtlingsheim in Limeshain, das liegt auch in der Wetterau und hat ein paar tausend Einwohner. Sie fanden das Haus in Merkenfritz, der Vater arbeitet bis heute bei einem Sicherheitsdienst. Sie lebten alle unter einem Dach. Zu ihren alten Freundinnen aus Merkenfritz hat Chanda immer noch engen Kontakt. Dass sie mit Deutschen groß geworden ist, macht ihrer Meinung nach auch einen Unterschied zu anderen in Deutschland lebenden Pakistanern aus. Sie sagt, man merke es an ihrem Akzent – sie hat übrigens keinen. Und sie verhalte sich anders: „Ich weiß genau, was ich will.“ Sie wollte Karriere machen, die anderen wollten heiraten.

„Meine Mutter liebt das Zuhause“

Karriere hat sie gemacht, sie war schon mit 25 Jahren Chefin. Wobei sie viel von ihrem Vater geerbt haben muss. Wenn der Vater etwas wolle, „dann zieht er es durch“. Ihre Mutter sei eine ganz liebe Person, mache alles mit, da habe der Vater Glück gehabt, obwohl er schon anerkenne, was sie alles für die Familie getan hat. „Meine Mutter liebt das Zuhause“, sagt sie, das Haus sei ihr Leben, sich zu kümmern, alle zu bekochen, darauf zu achten, dass nicht zu viel „öliger Reis“ gegessen wird, weil auf den Bauchumfang aufgepasst werden muss. Ihre Tochter Chanda findet jedoch, dass für die Frau das Gleiche gelte wie für den Mann. Sie muss ebenfalls machen können, was sie will.

Der Vater wollte, dass seine drei Töchter, es gibt noch zwei Söhne, eine gute Ausbildung bekommen. Chanda studierte nach dem Abitur in Friedberg Volkswirtschaftslehre in Marburg. Sie erhielt Bafög, pendelte jeden Tag, mittlerweile waren sie nach Karben umgezogen, fand die Uni schön und Marburg wunderschön. „Guck mal, wie Venedig“, habe mal eine Freundin beim Blick aus dem Zugfenster auf Marburg entzückt gesagt. Na ja.

Es ging alles seinen Gang

Eines Tages entdeckte sie in der Uni einen Aushang, das Business Center, das sie nun seit zehn Jahren leitet, suchte eine studentische Aushilfskraft. Warum nicht ich?, dachte sie sich, bewarb sich, um acht Uhr in der Früh kam der Anruf, um elf war sie aus Karben da. Es ging alles seinen Gang. Die Vorgesetzte nahm sich viel Zeit für sie, Chanda wiederum hatte ein wenig Angst vor dem Chef: „Das war früher so.“ Sie stand um fünf auf, nahm um sechs den ersten Bus, stieg um in den Zug und war Viertel vor sieben im Büro, um noch vor acht für den Chef aufzulisten, was am Tag zuvor erledigt worden war. „Männer verlangen als Chef mehr als Frauen“, glaubt sie. Sie könnten auch mehr erzählen, und es werde ihnen geglaubt.

Sie sparte für ein iPhone, es wurde ihr erstes Telefon überhaupt. Jetzt konnte sie überall arbeiten, Mails lesen und gleich beantworten. Irgendwann wurde sie fest als Office Manager angestellt, die nette Vorgesetzte war gegangen, der Chef krank geworden. Das bedeutete Verantwortung und Visitenkarten – sie war „superhappy“.

„Mehr geht nicht“

Der nächste Schritt war, einen Umzug zu organisieren, mit dem Umzug wurde sie Chefin und glücklich, als die Umsätze stiegen, sie zum ersten Mal alle Büros und Konferenzräume vermietet hatte. „Das war ein tolles Gefühl.“

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