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Neuseeländer Nigel Richards : Französischer Scrabble-Meister kann kein Französisch

Nun auch französischer Scrabble-Meister: Nigel Richards Bild: dpa

Der Neuseeländer Nigel Richards gilt als bester Scrabble-Spieler aller Zeiten. Auf Englisch deklassiert er die Konkurrenz seit Jahren. Also suchte er sich eine neue Herausforderung.

          Für seine Danksagung brauchte der Neuseeländer Nigel Richards einen Dolmetscher. Denn er spricht kein Französisch. Trotzdem hatte er die frankophone Weltmeisterschaft im Scrabble-Spielen in der Sprache Hugos, Molières und Sartres gewonnen. Das Publikum im belgischen Ort Louvain-la-Neuve hatte ihn am Montag dafür mit Standing Ovations belohnt. Seine Landsleute in Neuseeland wurden auf den ungewöhnlichen Erfolg erst später aufmerksam. „Kiwi gewinnt französischsprachigen Scrabble-Wettbewerb, ohne Französisch zu sprechen“, hieß es auf einer neuseeländischen Nachrichtenwebsite in begeistertem Ton.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Im Finale besiegte Richards einen Französisch sprechenden Rivalen aus Gabun. Doch wie hat der in Malaysia lebende dreifache Weltmeister im Scrabbeln (dies allerdings auf Englisch) das überhaupt geschafft? Wie die neuseeländische Presse berichtete, lernte er einfach alle Wörter mit zwei bis zehn Buchstaben auswendig, die das offizielle französische Scrabble-Wörterbuch kennt. Und das tat er in nur neun Wochen. „Er spricht kein Wort Französisch, er hat einfach nur die Wörter gelernt. Er weiß aber nicht, was sie bedeuten und könnte wohl auch keine Unterhaltung auf Französisch führen“, sagte Liz Fagerlund, eine Bekannte Richards’, dem „New Zealand Herald“.

          Der „Tiger Woods des Scrabble“

          Der Neuseeländer habe ein „phänomenales fotografisches Gedächtnis“, sagte John Baird vom neuseeländischen Scrabble-Verband der Nachrichtenagentur AFP. Die Liste mit Nigel Richards’ Siegen ist dementsprechend lang, er hat auch Wettbewerbe in den Vereinigten Staaten und Thailand gewonnen. Das brachte dem 48 Jahre alten Ingenieur mit dem langen Rauschebart in der Presse den Spitznamen „Tiger Woods des Scrabble“ ein. Wie Liz Fagerlund mutmaßte, sollen die französischsprachigen Spieler damit gerechnet haben, dass sich der „wohl beste Scrabble-Spieler aller Zeiten“ gut schlagen würde. Sein Turniersieg dürfte trotzdem ein Schock für sie gewesen sein.

          Dabei sagte die Mutter des Gewinners der neuseeländischen Presse, ihr Sohn habe erst spät angefangen zu lesen. Jedoch habe er immer ein Faible für Zahlen gehabt. Das scheint zu passen, schließlich soll es beim professionellen Scrabble auch stärker auf mathematische und strategische Fähigkeiten ankommen als bei der Wohnzimmervariante. Im Kern geht es bei dem Brettspiel darum, aus zufällig gezogenen Buchstaben möglichst lange Wörter zu bilden. Dabei können Buchstaben der bereits auf dem Brett liegenden Wörter mit verwendet werden. Letztlich sind dabei weniger die Sprachkenntnisse wichtig als die Fähigkeit, sich die einzelnen Buchstaben in möglichst vielen verschiedenen, sinnvollen Kombinationen vorstellen zu können.

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