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Franz Beckenbauer : „Oft müssen wir vertikal raus“

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Vielflieger Franz Beckenbauer Bild: picture-alliance/ dpa

15 Uhr Leipzig, 18 Uhr Nürnberg, 21 Uhr Köln: Franz Beckenbauers Privatpilot Hans Ostler hat einen der abwechslungsreichsten Jobs bei der WM. 48 der 64 Spiele wird der Kaiser dank Ostler live im Stadion erleben.

          15 Uhr Leipzig, 18 Uhr Nürnberg, 21 Uhr Köln: Franz Beckenbauers Privatpilot Hans Ostler hat einen der abwechslungsreichsten Jobs bei der WM. 48 der 64 Spiele wird der Kaiser dank Ostler live im Stadion erleben.

          Sie stehen vor dem Stadion und warten auf Ihren Fluggast Franz Beckenbauer. Es wurde schon spekuliert, er habe Doppelgänger, weil er so viele Spiele besucht. Wie sicher sind Sie, daß gleich der Kaiser einsteigt?

          Sehr sicher! Ich fliege seit 1988 für ihn, da gibt's keine Verwechslungen.

          Sie haben insgesamt 15.000 Flugstunden hinter sich. Ist der Kaiser also in guten Händen?

          Ganz sicher! Sonst würde er sich einen anderen nehmen!

          Auf der Tribüne wirkt Beckenbauer manchmal ein bißchen müde. Schläft er denn wenigstens im Hubschrauber?

          Nein, er ist sehr entspannt, schaut raus und genießt es, das Land aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Per Monitor kann er die Strecke verfolgen und es mit dem abgleichen, was er tatsächlich durchs Fenster sieht.

          Und Sie dürfen problemlos durch die Drei-Meilen-Zone fliegen?

          Ja, wir haben als einziger Zivilhubschrauber, als sogenannter Fifa-Hubschrauber, die Genehmigung dafür. Ansonsten gibt es da nur noch Polizei und Rettungskräfte.

          Wie viele Fifa-Hubschrauber gibt's denn?

          Nur einen!

          Und wie reist Fifa-Präsident Sepp Blatter durchs Land?

          Per Privatjet.

          Mit Beckenbauer unterwegs sind Marcus Höfl, Assistent für Logistik, und Fedor Radmann, der sich um Protokoll und Sportpolitik kümmert. Haben Sie nur drei Plätze für Gäste?

          Wir haben insgesamt sechs.

          Honoratioren mußten Sie noch nicht mitnehmen?

          Nein. Höchstens mal Wolfgang Niersbach, den Vizepräsidenten des Organisationskomitees.

          Was macht einen VIP-Hubschrauber aus?

          Die Sessel sind bequemer und aus Leder. Bei dieser Hitze ist eine Klimaanlage unentbehrlich. Und schließlich sollte er möglichst schnell sein.

          Sie nehmen also den besten Hubschrauber Ihrer ganzen Flotte?

          Ja, das ist die beste unserer acht Maschinen. Unter anderem haben wir auch den „Medicopter“, mit dem ich durch die gleichnamige RTL-Serie geflogen bin. Aber die „Agusta 109 Power“ ist instrumentenflugtauglich, kann also für Nachtflüge und bei Schlechtwetter eingesetzt werden, und sie ist besonders leistungsfähig, hat zweimal 640 PS, also 1280 PS. Das ist wichtig bei kleinen Plätzen oder hohen Hindernisse: In Dortmund landen wir zum Beispiel auf einem kleinen Sportplatz, ringsherum sind hohe Bäume. Da müssen wir vertikal raus, und das funktioniert mit dieser Maschine tadellos - weil sie genug Power hat.

          Außerdem ist die „Agusta“ ziemlich schnell ...

          ... bei guten Bedingungen erreichen wir problemlos bis zu 330 Kilometer in der Stunde. Von Dortmund nach Stuttgart am Montag abend haben wir zum Beispiel achtzig Minuten gebraucht - und waren pünktlich.

          Sind die Plätze immer nah am Stadion?

          Meistens. In München haben sie es nicht geschafft, einen Landeplatz zu bauen. Da haben wir uns selbst einen besorgt.

          Geht Beckenbauer nach dem Aussteigen zu Fuß ins Stadion?

          Meistens fährt er mit dem Wagen. Wenn er die 300 Meter zu Fuß ginge, käme er wegen all der Fans nicht mehr rechtzeitig zum Spiel.

          Ist er immer pünktlich?

          Zumindest beim ersten Spiel! Beim zweiten geht's sich nicht immer so aus. Aber das wird ja jetzt nach der Vorrunde entspannter.

          Wann war's am knappsten?

          Am Sonntag, auf dem Weg von München nach Leipzig. Gelandet sind wir 20.58 Uhr, um 21 Uhr war Anpfiff, um 21.02 Uhr war Franz im Stadion, und um 21.09 Uhr schoß Thierry Henry das Tor für die Franzosen.

          Außer vielen frühen gibt es in diesem Turnier auch viele späte Tore. Da kommt er bestimmt nicht vor Spielende aus dem Stadion, oder?

          Nur ab und zu ein bißl früher.

          In den vergangenen Tagen war das Wetter nicht immer so prächtig.

          Ja, aber wir sind mit Wetterradar ausgerüstet. So können wir Blitz und Donner lokalisieren und umfliegen. Polizei, Deutscher Wetterdienst und Flugsicherung helfen uns wunderbar.

          Die winken Sie immer durch?

          Ja, die kennen die Maschine schon und zeigen uns die besten Wege um die Gewitter.

          Können Sie auch ins Stadion?

          Schon, aber oft bleibt das Theorie. Mein Copilot und ich, wir müssen die Maschine immer wieder auftanken und müssen die Freigabe einholen für das nächste Beschränkungsgebiet. Das ist viel Telefoniererei. Wir sind ganz gut beschäftigt. Außerdem stehen wir manchmal auf Notfall-Landeplätzen. Wenn etwas ist, müssen wir dann schnell den Platz räumen.

          Und welche ist Beckenbauers liebste Flugstrecke?

          Wohl die von Frankfurt zurück nach Kitzbühel - nach Hause.

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