https://www.faz.net/-gum-t1cr

Frankreich : Kandidatenkür im Bikini

  • -Aktualisiert am

Ségolène Royal im Magazin Closer (ganz rechts) Bild:

Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal verzückt in einem türkisfarbenen Trend-Bikini derzeit die Franzosen. Denn Fotos von ihr erscheinen großformatig in der Boulevardpresse. Zufall? Ihre erotische Ausstrahlung könnte schließlich die Präsidentschaftswahl entscheiden.

          4 Min.

          Ein türkisfarbener Trend-Bikini verzückt derzeit die Franzosen. Und möglicherweise entscheidet das Kleidungsstück die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr. Im Herbst dieses Jahres werden die Parteien in Frankreich ihre Kandidaten nominieren. „Investiture“ nennt man diesen Vorgang auf französisch. Wörtlich bedeutet das „Einkleidung“. Zur Zeit sieht es so aus, als könne man die Anwartschaft auf die Nachfolge des noch von Jacques Chirac bekleideten Amtes am besten im Bikini untermauern.

          Jedenfalls, wenn man eine Figur hat wie Segolene Royal. Die 52 Jahre alte Abgeordnete des Departements Deux-Sevres, ehemalige Umwelt- sowie Familienministerin und Mutter von vier Kindern, macht sich Hoffnungen, für die Sozialisten ins Rennen zu gehen. Derzeit liegt sie in allen Umfragen vorn. Diese Position dürfte sie gefestigt haben, indem sie ihren straffen Körper am 1. August in besagtem türkisfarbenem Zweiteiler an der Cote d'Azur bräunte und dabei prompt von einem Fotografen erwischt wurde.

          Mit Bikini im Closer

          In der vergangenen Woche zierte dieses Foto das Cover des People-Magazins „Closer“. Neben Frau Royal sah man auf dem Titel unter der Überschrift „50 Stars am Strand“ die Moderatorin Claire Chazal (ohne Bikinioberteil), die wuchtbrummende Rapperin Diam's (im schwarzen Bikini) und den „Desperate Housewives“-Star Eva Longoria (bei Wasserspielen mit dem Basketballer Tony Parker). Im Heftinnern folgt eine Doppelseite, die Segolene Royal beim Herumplanschen mit einem Schaumstoffschlauch und mit ihrem Lebensgefährten Francois Hollande zeigt. Hollande ist Vorsitzender der sozialistischen Partei. Pikanterweise hegt er selbst Ambitionen auf das Präsidentenamt, liegt aber in allen Umfragen klar hinter der Frau zurück, mit der er seit ihrer gemeinsamen Studienzeit zusammenlebt. 1980 schlossen beide die Ecole Nationale d'Administration ab.

          Im selben Bikini in einer anderen Zeitschrift
          Im selben Bikini in einer anderen Zeitschrift : Bild: AFP

          Segolene Royal und Francois Hollande ließen durch einen Freund der Familie verlauten, sie seien über die Paparazzi-Fotos nicht erfreut - aber das nahm ihnen niemand so recht ab. Es muß sogar bezweifelt werden, ob es sich überhaupt um Paparazzi-Fotos handelt. Denn die Bilder sind derart vorteilhaft, daß der Verdacht naheliegt, sie seien bestellt. Und das Editorial der „Closer“-Chefredakteurin Laurence Pieau liest sich, als wolle sich die Journalistin um eine Stelle als PR-Agentin bei Segolene Royal bewerben: Es gebe jene, die sich an der Cote d'Azur an privaten Stränden und auf Yachten vor St-Tropez vergnügten, dichtet Laurence Pieau, doch so eine sei Segolene Royal nicht. Bescheiden sonne sie sich an einem öffentlichen Strand und fahre mit der Familie Schlauchboot. Auch treibe sie Wassergymnastik, wie jede andere Frau, die sich um ihre Figur sorge. Und diese Figur, stellt Frau Pieau anerkennend fest, sei makellos. Kaum zu glauben, daß die Kandidatenkandidatin bald 53 Jahre alt werde.

          „Sexieste Frau der Welt“

          Im Text zur Fotostrecke mutmaßt der Autor Stephane Laurens, es seien wohl ihre aquagymnastischen Übungen, die dazu geführt hätten, daß das Männermagazin „FHM“ Segolene Royal zur „sexiesten Frau der Welt“ gewählt habe. Zwar stimmt das nicht ganz - obwohl Mme. Royal sogar Laetitia Casta (Platz 47) und Sophie Marceau (Platz 66) hinter sich ließ, wurde sie bei dieser Wahl nur sechste, es gewann das Wonderbra-Model Adriana Karembeu. Vermutlich stören Fakten die Leser von „Closer“ aber ebensowenig wie die Redakteure. Der Strandbericht ist jedenfalls ein Musterbeispiel jenes Trends, den man in Frankreich unter dem Schlagwort „peopolisation“ diskutiert.

          Weitere Themen

          Team Meghan gegen Team Queen

          Reaktionen in Großbritannien : Team Meghan gegen Team Queen

          Vor allem für das ältere England hat Herzogin Meghan mit ihrem Interview eine Grenze überschritten. Beifall erhält sie hingegen von Gegnern der Monarchie, die ihr negatives Bild bestätigt sehen.

          Topmeldungen

          Arbeiten schon lange erfolgreich zusammen: der CDU-Vorsitzende Armin Laschet (links) und Nathanael Liminski (rechts)

          CDU-Vorsitzender : Laschets Vertraute

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist jetzt Bundesvorsitzender der CDU – und hat noch einiges vor. Auf wessen Rat hört er?
          Wer suchte den Kontakt zum Gesundheitsminister? Jens Spahn vergangene Woche im Bundestag

          Konsequenzen aus Masken-Affäre : Ein Kodex und Spahns heikle Liste

          Mit Verhaltensregeln und einem „Sanktionsregime“ will die Unionsfraktion auf die Vorwürfe gegen Nikolas Löbel und Georg Nüßlein reagieren. Für Unruhe könnte eine Ankündigung des Gesundheitsministers sorgen.
          Britische Zeitungen am Tag nach dem Interview.

          Harry und Meghan : Rassismus bei den Royals?

          Eine familiäre Seifenoper hat sich in eine kleine Staatsaffäre verwandelt. Wenn sich sogar Boris Johnson äußern muss, wurde tatsächlich eine „Atombombe gezündet“.
          Streitbarer Genosse: Wolfgang Thierse

          Streit über Thierse-Beitrag : Wie „verqueer“ ist die SPD?

          Im Streit über einen F.A.Z. Beitrag von Wolfgang Thierse zur Identitätspolitik hat die SPD-Vorsitzende versagt. In normalen Zeiten hätte eine souveräne Parteiführung zu einer Debatte auf neutralem Boden eingeladen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.