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Frankreich in Aufruhr : Hatte Lady Di eine Affäre mit Giscard d'Estaing?

Lady Diana und Valéry Giscard d’Estaing gehen 1994 im Schloss von Versailles zwar Seit’ an Seit’, aber nicht Hand in Hand zum Dinner Bild: dpa

Er war französischer Präsident. Jetzt könnte er auch Bestsellerautor werden - Valéry Giscard d'Estaing hat einen Roman geschrieben, der andeutet, dass er in den achtziger Jahren eine Affäre mit Lady Diana hatte.

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          Knapp fünf Jahre ist es her, dass Valéry Giscard d'Estaing in goldbesticktem dunkelblauen Frack mit Zweispitz und Degen in die „Académie Française“ aufgenommen wurde. Sein literarisches Verdienst blieb auch nach der knappen Wahl in die altehrwürdige Akademie umstritten. Jetzt schickt sich der ehemalige Staatspräsident an, den französischen Büchermarkt mit einem Roman zu erobern, der so manchem „Unsterblichen“ die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte. „Die Prinzessin und der Präsident“ ist die Geschichte einer ganz und gar ungebührlichen Leidenschaft zwischen einem französischen Staatspräsidenten namens Jacques-Henri Lambertye und einer britischen Kronprinzessin, „Lady Pat“.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Parallelen zum wirklichen Leben sind offensichtlich erwünscht: „L'Ex (Giscard d'Estaing) schildert seine love affair mit Lady Diana in den achtziger Jahren“, schreibt das Magazin „Marianne“. Die konservative Zeitung „Le Figaro“, auch Hausblatt der Académie Franaise, drückt es nach Lektüre der Druckfahnen vornehmer aus: „Und wenn alles wahr wäre?“ Sicher ist, dass dem 81 Jahre alten Autor die Kommentare nicht unangenehm sind, welche die Schilderungen des verliebten Präsidenten Lambertye alias Giscard („Ich höre sie noch Englisch flüstern. Es ist nicht mein Gedächtnis, sondern ihre Stimme, die zu mir spricht: I wish that you love me“) hervorrufen werden. Den Schriftsteller Giscard amüsiert es, Erlebtes wie die Feierlichkeiten zum vierzigsten Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie (1984) mit (vielleicht) erfundenen Begebenheiten zu vermischen: „Er ergriff ihre Hand, welche die Prinzessin nach wohlerzogener britischer Sitte unter dem Tisch hielt.“

          Szenen einer anderen „Beute“

          Die Schauplätze des Techtelmechtels zwischen Prinzessin und Präsident sind die Paläste der Republik und die Residenzen des britischen Königshauses, die der Autor Giscard kenntnisreich beschreibt. Das Jagdschloss von Rambouillet mit seinen wildreichen Jagdgründen, in das Giscard während seiner Amtszeit (1974 bis 1981) zu pompösen Jagdausflügen einlud, beherbergt in dem Roman Szenen einer anderen „Beute“, auf die der Jäger Giscard besonders stolz zu sein scheint. „Zwei Wochen vor meiner Hochzeit hat mein künftiger Mann mir gesagt, dass er eine Geliebte hat und entschlossen sei, die Beziehung zu ihr auch nach der Hochzeit fortzuführen“, lässt der Autor die britische Prinzessin in seinem Roman sagen. Er hat wohl nicht beabsichtigt, dass an dieser Stelle niemand auch nur entfernt an Prinz Charles und seine zweite Frau Camilla denkt, mit der dieser auch während seiner Ehe mit Diana eine Liebschaft unterhielt. Gänzlich fiktiv wird der Schlüsselroman, als Präsident Lambertye sich anschickt, eine zweite Amtszeit als Präsident anzutreten. Giscard hat es nie verwunden, dass die Franzosen ihm 1981 nicht ein zweites Mal ihr Vertrauen schenkten.

          In bislang drei umfangreichen Bänden hat Giscard seither versucht, sein Verdienst für Frankreich der Nachwelt nahezulegen. Veröffentlicht wurden die Memoiren („Le pouvoir et la vie“, Die Macht und das Leben) im Verlag Compagnie 12, den seine Tochter Valérie-Anne Giscard begründet hat. Sie ist mit dem Verleger Bernard Fixot verheiratet. Giscards neuer Roman wird vom Schwiegersohn veröffentlicht, allerdings im Gespann mit den Editions de Fallois, weil dem Autor der fiktive (?) Seitensprung als reine Familienangelegenheit wohl zu brisant war. Dabei hat Giscards Ehefrau Anne-Aymone, die im Gegensatz zu ihrem Mann altem Adel (Sauvage de Brantes) angehört, schon manche öffentliche Bloßstellung hinnehmen müssen. Unvergessen ist der Unfall mit dem Milchlastwagen, mit dem Präsident Valéry Giscard d'Estaing in seinem Privatwagen auf dem Place de la Concorde in der Morgendämmerung zusammenstieß. Das Staatsoberhaupt war damals nicht etwa auf dem Wege zu einer eiligen Besprechung im Elysée-Palast, sondern „in Begleitung“, wie die Presse es damals höflich umschrieb.

          Giscard galt als Schürzenjäger

          Als Schürzenjäger galt Giscard seither allemal, so dass nicht nur die satirische Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“ über den Satz spottete, den Giscard nach einer Kabinettssitzung in die Mikrofone sprach: „Die Ministerinnen verschaffen mir mehr Befriedigung als die Männer.“

          Seit die Franzosen den von ihm mit ausgearbeiteten europäischen Verfassungsvertrag ablehnten, ist es indes stiller geworden um den „Ex“, wie der ehemalige Präsident gern genannt wird. Sein Bedürfnis nach adeligen Attributen wurde belächelt, als er vor ein paar Jahren das Château d'Estaing im südfranzösischen Département Aveyron erstand. Das Schloss beherbergte das mittlerweile erloschene Grafengeschlecht der d'Estaing, dessen Titel Giscard im Beinamen führt. Die Erlaubnis, sich mit dem Titel der d'Estaing zu schmücken, hatte Valéry Giscards Vater durch zwei Dekrete des Staatsrates in den Jahren 1922 und 1923 erhalten. Giscard bot sein Familienanwesen in der Auvergne zum Verkauf an, um das Schloss seiner Nichtvorfahren im Südwesten zu erwerben. „Die Prinzessin und der Präsident“ soll Ende September erscheinen. Mit dem Erlös könnte Giscard die Renovierung seines zweitausend Quadratmeter großen Schlosses finanzieren.

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