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Illustratorin Amelie Persson : Wie man sich mit sich selbst anfreundet

Persson ist es wichtig, dass das, was sie selbst erlebt, in ihre Illustrationen einfließt. Als sie vor einigen Jahren in die Welt der Graphic Novels eintauchte, also der Comics, die große Geschichten erzählen und das Leben von bekannten und unbekannten Persönlichkeiten aufblättern, war das für sie eine entscheidende Entdeckung. So wie die Graphic-Novel-Zeichner wollte auch sie arbeiten: detailreich, biographisch, erzählerisch.

Do-it-yourself-Kultur

Zum Zeichnen ist Persson nicht über den klassischen Weg gekommen, eine Kunstakademie oder Illustratorenschule hat sie nie besucht. Studiert hat sie, an der Frankfurter Goethe-Universität, stattdessen Soziologie. Sie fühle sich der Do-it-yourself-Kultur stark verbunden, sagt Persson. Etwas Neues wagen, Dinge ausprobieren, auch wenn man nicht weiß, ob man es darin wirklich zur Meisterschaft bringen wird, das habe sie schon immer gereizt: „Wenn es mein Bier ist, ob etwas klappt oder nicht, dann ist mir das am liebsten.“

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Beim alternativen Frankfurter Sender „Radio X“ war sie während des Studiums als Moderatorin aktiv, als Regieassistentin hat sie gearbeitet und auch für die F.A.Z. geschrieben und Video-Filmkritiken für den Online-Auftritt produziert. In Bars hat sie Musik aufgelegt, für das „Missy“-Magazin schreibt sie bis heute Rezensionen über Musik und Kinofilme.

Doch mit der Zeit wurde ihr das Illustrieren immer wichtiger, wurde es zu ihrem Beruf. Für das Stadtmagazin „Journal Frankfurt“ hat sie Kolumnen gezeichnet, auch das evangelische Magazin „Chrismon“ hat ihre Illustrationen gedruckt, im Berliner Comicverlag Jaja, einem Einmannbetrieb der Verlegerin Annette Köhn, hat sie handgezeichnete Kochbücher herausgebracht. Eine Zeitlang lebte Persson, Tochter eines schwedischen Vaters und einer aus Lindau stammenden Mutter, in New York. 2016 zog sie, weil ihr Partner dort einen Job als Filmanalyst gefunden hatte, nach London.

In der britischen Hauptstadt wurde Persson Mutter. Dort begann sie auch, dieses für sie neue Leben zeichnend festzuhalten – den Alltag mit der Tochter, die Kämpfe mit dem oft unzureichenden Gesundheitssystem, die Zeit zu dritt, das Schöne und den Stress. „Motherhood Sketchbook“ nennt Persson die Serie, auf Instagram teilt sie die Skizzen. Aus den Schnipseln würde sie gern einen zusammenhängenden Comic machen, Arbeitstitel: „Brexit Baby“. Doch um sich in ein solch aufwendiges Projekt hineinzuknien, fehlt der Freiberuflerin meist die Zeit.

Umzug im Lockdown

Nach Frankfurt ist Persson erst vor kurzem zurückgekehrt, im März, mitten im Lockdown. Der allgemeine Stillstand hat den Umzug nicht einfacher gemacht, auf die in Großbritannien eingelagerten Möbel musste die Familie länger warten als gedacht, bei Perssons Schwester fanden sie in der Zwischenzeit Unterschlupf. Eigentlich wollte sich die Illustratorin in Frankfurt auch gleich einen neuen Atelierplatz suchen, doch dabei kam die Pandemie ebenfalls in die Quere. Also zeichnet sie nun in dem Raum der Ginnheimer Altbauwohnung an ihrem kleinen Tisch, der eigentlich das Schlafzimmer hätte werden sollen. Nebenan steht der noch kleinere Schreibtisch ihres Freundes, der derzeit ebenfalls im Homeoffice arbeitet.

Das richtige Werkzeug: Die Stifte am Arbeitsplatz.
Das richtige Werkzeug: Die Stifte am Arbeitsplatz. : Bild: Sandra Schildwächter

Persson macht nicht den Eindruck, als könne all das sie aus der Bahn werfen. Improvisieren zu müssen, nicht auf großem Fuß zu leben, darauf zu hoffen, dass die Aufträge nicht ausgehen: Das nimmt sie, wie so viele selbständige Kreative, schon länger in Kauf. Und daran will sie auch nichts ändern. „Ich weiß, es klingt kitschig, aber ich liebe einfach, was ich mache“, sagt sie.

Sonja Eismann mit Illustrationen von Amelie Persson: Wie siehst du denn aus? Warum es normal nicht gibt gebunden, 90 Seiten, Beltz und Gelberg.

Auch an Bildern aus England arbeitet Persson.
Auch an Bildern aus England arbeitet Persson. : Bild: Sandra Schildwächter

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