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Franka Potente im Gespräch : „Manche Leute sind echt geschädigt“

  • Aktualisiert am

Musste als Kind regelmäßig zum Hörtest: Franka Potente Bild: dpa

Die Schauspielerin Franka Potente hat sich von Bryan Adams für eine Hörgeschädigten-Kampagne fotografieren lassen. Im Interview mit der F.A.Z. spricht sie über ihre persönlichen Hassgeräusche und ihre Hollywood-Tauglichkeit.

          3 Min.

          Die Schauspielerin Franka Potente wurde vor zehn Jahren mit dem Film „Lola rennt“ berühmt. Der Erfolg öffnete die Tür für Rollen in Hollywood-Filmen mit Schauspielern wie Johnny Depp und Matt Damon. Vorübergehend wohnte Potente auch in Los Angeles. Mittlerweile lebt sie wieder in Berlin. Zuletzt arbeitete sie an einem zweiteiligen Film von Steven Soderbergh über Che Guevara. Vom Rockmusiker und Fotografen Bryan Adams, der Musiker und Schauspieler für die vom Schweizer Hörgerätehersteller Phonak inintierte Kampagne „Hear the World“ fotografierte, ließ auch sie sich abbilden. Die Ausstellung der Fotos, auf denen auch Placido Domingo, Annie Lennox oder Amy Winehouse zu sehen sind, läuft gerade in New York. Im Gespräch mit der F.A.Z. erzählt sie auch, warum sie „Lola rennt“ nur dreimal gesehen hat und warum sie von „Klingeltonmist“ nicht viel hält.

          Frau Potente, Sie haben sich von Bryan Adams fotografieren lassen, um auf Hörschädigungen aufmerksam zu machen. Warum?

          Ich bin mit der Materie aufgewachsen. Meine Mutter hat bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gearbeitet und dafür gesorgt, dass die ganze Familie regelmäßig Hörtests gemacht hat. Ich war also schon immer sensibilisiert.

          Mit „Lola rennt” wurde die Schauspielerin international berühmt

          Ihre erste Regiearbeit „Der die Tollkirsche ausgräbt“ vor zwei Jahren war ausgerechnet ein Stummfilm . . .

          Da sehe ich keinen Widerspruch. Im Gegenteil: Mir geht es mit der Aktion darum, auf eine Sinneswahrnehmung aufmerksam zu machen. Das hat auch der Film getan.

          Sind Sie selbst lärmempfindlich?

          Total, vor allem nachts. Baulärm kann mich nerven, kakophonisches Durcheinander oder wenn beim Drehen Hunderte von Leuten am Filmset um einen herumlaufen und Lärm machen, wenn man Ruhe braucht. Ich reise nie ohne Ohrenstöpsel. Mittlerweile kenne ich alle möglichen Sorten: Ich bin für die aus Wachs, nicht die aus Schaum. Aber mich stört Lärm auch nicht immer. Kürzlich war ich in Japan zu Besuch bei Freunden. Ich war müde und habe auf dem Boden friedlich vor mich hin gedöst, obwohl um mich herum ein einziger Singsang und Geschnatter von meinen Freunden war. Aber ich fand das eher beruhigend.

          Laute Musik führt zu Hörschäden. Gibt es Musik, bei der Sie trotzdem voll aufdrehen?

          Sicher, bei den White Stripes oder Arcade Fire oder vielleicht auch bei Portishead. In Clubs gehe ich nicht so oft, meistens nur dann, wenn ich irgendwo drehe, vor allem im Ausland. Manche Leute sind da echt geschädigt. Das fällt mir bei einem Bekannten auf, der lange in einem Club gearbeitet hat. Ich wundere mich immer wieder, wie laut der redet und wie laut er seine Musik aufdreht.

          Und was sind Ihre Hassgeräusche im Fernsehen?

          Dieser Klingeltonmist. Eigentlich sogar jegliche Werbung. Oder wenn auf MTV Heavy-Metal-Musik läuft. Ich habe Schwierigkeiten mit Sachen, die repetitiv sind.

          Hören Sie gerne Ihre eigene Stimme?

          Ich habe jedenfalls kein Problem damit. Und ich kann auch meine eigenen Filme ansehen, tue es aber meistens nicht öfter als ein Mal. „Lola rennt“ habe ich vielleicht drei Mal gesehen.

          Sie arbeiten viel in Amerika. Hören die Amerikaner Ihren Akzent heraus?

          Ja, immer, wobei sie nicht immer ganz genau wissen, woher er kommt. Mein Akzent ist aber auch ein ziemliches Sammelsurium. Ich hatte mal eine Phase, in der ich vom britischen Englisch begeistert war. Das haben sie mir dann ausgetrieben, als ich in Amerika gedreht habe.

          Kommen Sie dann wegen des Akzents nur für bestimmte Rollen in Frage?

          Klar, das prototypische „All-American Girl“ bin ich nicht. Oft werde ich dann gefragt, wenn die Rolle einer Europäerin zu besetzen ist. Zum Beispiel bei den zwei neuen Filmen von Steven Soderbergh über Che Guevara, in denen ich eine Deutsche spiele. Manchmal werden die Rollen auch für mich geändert. Ich habe aber auch schon eine Amerikanerin gespielt, in „Blow“ mit Johnny Depp. Da gab es dann halt einen Sprachtrainer.

          Wer hatte mehr Probleme damit, sich an Ihren Nachnamen zu gewöhnen: Deutsche oder Amerikaner?

          Die Amerikaner, auf jeden Fall. Die haben schon alles Mögliche gesagt: Potentii, Polenta . . .

          Amerikanische Filme werden in Deutschland synchronisiert statt mit Untertiteln gezeigt. Geht da bei der Übersetzung etwas verloren?

          Ich finde das schon ganz gut so. Ich glaube, gerade für viele ältere Zuschauer ist es gar nicht so leicht, ständig Untertiteln zu folgen. Manchmal sind die synchronisierten Fassungen auch gar nicht so schlecht. Komischerweise stelle ich das mehr bei französischen Filmen fest als bei englischen.

          Andere Prominente, die bei „Hear the World“ mitmachen, sind die Sängerin Amy Winehouse und die Jungschauspielerin Lindsay Lohan. Die sieht man ständig in den Klatschspalten, ganz im Gegensatz zu Ihnen.

          Zum Glück. Wobei ich damit auch schon meine Erfahrungen gemacht habe, als ich in Amerika gelebt habe. Ich versuche, meine Privatsphäre so weit es geht zu schützen und unauffällig zu bleiben. Mich werden Sie nicht ohne Unterwäsche in der Öffentlichkeit erwischen.

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