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Frank Elstner im Gespräch : „Es herrscht einfach mehr Freiheit auf Youtube“

  • -Aktualisiert am

Frank Elstner nimmt von Kai Pflaume den Newcomer-Preis beim YouTube Goldene Kamera Digital Award entgegen. Bild: EPA

Showlegende Frank Elstner hat beim „Goldene Kamera Digital Award“ für eine Überraschung gesorgt: Er bekam den Newcomer-Preis. Im Gespräch erzählt er, was an Youtube so toll ist – und warum er Helene Fischer besonders nett findet.

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          Herr Elstner, Sie wurden gestern zum besten Newcomer bei dem „Youtube Goldene Kamera Digital Award“ gekürt. Die Überraschung dürfte in dieser doch sehr jung geprägten Domäne auch bei Ihnen groß gewesen sein.

          Ja, die war sehr groß. Die Firma, die meine Sendung produziert, gehört meinem Sohn, und mein Sohn hat gesagt: „Papa, du musst da hin, auch wenn du den Preis nicht kriegst – du musst zeigen, dass du Humor hast.“ Dann bin ich ohne Erwartungen hingefahren und war tatsächlich überrascht, dass ich den Preis bekommen habe. Aber ich gebe auch zu: Ich habe mich gefreut.

          Jan Böhmermann hat Sie in seiner Sendung Neomagazin Royal „beerdigt“, das heißt, er inszenierte Ihre mediale Beerdigung – wie Sie ja auch in Ihrer ersten Sendung von „Wetten, das war’s“ erwähnen. Zeigen Sie der jüngeren Generation mit Ihrem Youtube-Auftritt, dass es mit der alten Unterhaltungsbranche, wie Sie sie geprägt haben, noch nicht vorbei ist?

          Ich will das eigentlich nicht so hoch hängen. Ich habe mein ganzes Leben lang Gespräche geführt, im Fernsehen. Ich war ja früher bei Radio Luxemburg DJ und hatte dort eine Sendung, die hieß „Hier Frank – wer da?“ und die lief jeden Samstag von 9.00 bis 12.00 Uhr – das heißt, ich hatte mindestens anderthalb Stunden Sprechzeit. Heute würde man das einen Podcast nennen. Seither habe ich immer wieder versucht, gute Gespräche zu führen. Mein Sohn hat gesagt: „Papa du bist jetzt zwar ein alter Mann, aber gib nicht auf – tu was, bleib nicht zu Hause sitzen.“ Und aus diesem „Tu was“ wurde dann „Wetten, das war's“. Meine ersten vier Gespräche, die ich aufgezeichnet habe, haben den Zuschauern gefallen – und jetzt wollen wir das noch ein bisschen weitermachen.

          Zwei Größen der Unterhaltungsbranche treffen aufeinander: Frank Elstner interviewt Jan Böhmermann in der ersten Folge von „Wetten, das war’s“.

          Sie haben im Medium Fernsehen viel erreicht. Was hat Sie dazu bewegt, Ihre „Abschiedstournee“ ausgerechnet auf der Online-Plattform Youtube zu veröffentlichen?

          Da muss man die Umstände von Fernsehproduktionen kennen und die Umstände von Youtube – und Youtube hat so gut wie keine Umstände. Das heißt, Sie können ein Gespräch führen, ohne in einem Studio zu sitzen, das teuer beleuchtet ist, wo Dutzende Leute fleißig hinter der Bühne arbeiten, und Sie können das Gespräch so lange führen, wie Sie wollen. Wenn ich das Gefühl habe, ein Gespräch dauert zwei Stunden, dann kann ich zwei Stunden reden. Wenn ich der Meinung bin, wir haben unser Pulver nach zehn Minuten verschossen, dann beende ich das Gespräch eben. Das alles ist natürlich beim Fernsehen nicht möglich. Deswegen glaube ich, bekommt ein Gespräch auf Youtube eine ganz besondere Nähe. Und Gespräche, die eine Nähe bekommen, die kriegen dann auch eine gewisse Tiefe – das macht den Reiz aus.

          Heißt das, dass im Internet etwas möglich ist, das vorher in der Form im Fernsehen nicht möglich war?

          Ja, aber ich will jetzt das Fernsehen nicht schlecht machen. Ich bin durch das Fernsehen groß geworden und habe ihm viel zu verdanken, aber es hat einfach Gesetze, die man einhalten muss. Ich habe dort zum Beispiel zehn Jahre die Sendung „Menschen der Woche“ moderiert: Da war von Anfang an klar, die dauert 70 bis 90 Minuten – da hätte ich nicht nach zwanzig Minuten aufhören können und auch nicht 200 Minuten machen können. Es herrscht einfach mehr Freiheit auf Youtube.

          Schauen Sie auch manchmal Clips auf Youtube an, also sehen Sie sich an, was die Influencer dort so fabrizieren?

          Ja, natürlich. Ich muss mich ja ein bisschen „up to date“ halten und ich muss wissen, worum es da überhaupt geht. Ich bin da natürlich ein echter Newcomer: Ich gehe den Mitarbeitern meines Sohnes schon manchmal auf den Geist, weil ich so für sie simple Fragen stelle. Wer ein bisschen später zu den Entwicklungen des Internets dazu gekommen ist und sich jahrelang nicht dafür interessiert hat, der wird jetzt bestraft.

          Gibt es einen Gast, den Sie besonders gerne noch in Ihrer Youtube-Show interviewen würden?

          Wenn Sie einen Menschen, der Interviews macht, fragen, ob es einen besonderen Gast gibt, den er gerne empfangen würde, bekommen Sie immer dieselbe Antwort: Entweder die Queen oder den Papst. Ich finde Gäste am interessantesten, mit denen man nicht rechnet und bei denen sich dann herausstellt, dass sie doch interessant sind, obwohl man das nicht erwartet hat.

          Ich erinnere mich daran, dass Sie gesagt haben, dass Sie das Interview mit Helene Fischer bei „Wetten, das war's“ besonders berührt hat.

          Ja, also das hat mich nicht im Sinne von Rührung besonders gerührt, sondern ich fand es so enorm, dass sie so ehrlich war und so bereitwillig vieles erzählt hat. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich finde, das ist eine sehr interessante Frau.

          „Wetten, das war’s“ erreicht mit einer Folge bis zu 600.000 Zuschauer. Sie stellen zwar die Fragen, aber gibt es eine bestimmte Nachricht, die Sie mit dem Format nach außen tragen wollen?

          Die Message ist von Sendung zu Sendung eine andere. Wenn ich Greta interviewen würde, dann würden wir uns wahrscheinlich über den Klimawandel unterhalten und nicht über Elefanten im Zirkus – das kommt auf den Gast an. Ich versuche ja immer, um den Gast herum ein gewisses Klima zu entwickeln, so dass der Gast bereit ist, sich mitzuteilen.

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