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Starrköpfige Teenager : Das Gehirn ist an allem schuld

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Eine Gruppe amerikanischer Teenager vor dem historischen Museum in Washington, D.C. Bild: AFP

Zahlreiche Eltern können sich das Verhalten ihres Nachwuchses nicht erklären. Für Aufklärung sorgt eine amerikanische Neurologin – und übt Kritik an der Marihuana-Legalisierungswelle.

          Francis Jensen ging es ähnlich wie anderen Eltern: Ihre Söhne wollten nicht hören, hatten nur Unsinn im Kopf und waren gegen jeden gut gemeinten Ratschlag resistent. Doch sie wollte verstehen, was ihre Kinder bewegt. Ihr Beruf hat ihr dabei geholfen.

          Denn die Amerikanerin ist Professorin für Neuropsychologie an der Universität Pennsylvania. Dort durchforstete sie Datenbanken, las wissenschaftliche Artikel und stellte fest, dass nicht etwa Hormone, sondern die Entwicklungsphasen des Gehirns ausschlaggebend für das Verhalten von Kindern und Teenagern sind. Und auch, dass weiche Drogen wie Marihuana und Alkohol bei Kindern langfristige Schäden verursachen können.

          Diese Erkenntnisse behielt sie aber nicht für sich und erzählte anderen Eltern davon. Bald hielt sie Vorträge vor Eltern und Studenten. Viele ihrer Zuhörer seien erleichtert gewesen, dass ihnen endlich jemand die Ursache für das Verhalten ihres Nachwuchs erklärt hatte.

          Erst Vorträge, dann ein Buch

          Da ihre Vorträge so gut ankamen, schrieb sie ein Buch. Seit Anfang diesen Jahres ist es auf dem Markt und hat sich schlagartig in einen Bestseller verwandelt. Darin hat sie mit verschiedenen Irrtümern aufgeräumt. Die Entwicklung des Gehirns sei nicht bereits im Kindergartenalter abgeschlossen, sondern erst mit Mitte zwanzig. Bei Teenagern hat das zufolge, dass der Bereich des Hirns, der Entscheidungen trifft, Risiken abwägt und Impulse unterdrückt, noch nicht mit dem Teil verbunden ist, der Genugtuung und Anerkennung anstrebt. Deshalb würden Teenager zu „Ferraris ohne Bremsen“, sagte Jensen der „Washington Post“.

          Deswegen sei es auch gefährlich, im jugendlichen Alter zu kiffen und zu trinken. So würden Jugendliche schneller und stärker abhängig als Erwachsene. Und was bei Erwachsenen nur kurzfristig das Gehirn betäubt, kann bei Kindern und Jugendlichen langfriste Schäden verursachen. Daher ist Jensen über die steigende Zahl der amerikanischen Bundesstaaten besorgt, in denen Marihuana legalisiert wird. „Viele Eltern denken, es sei harmlos. Doch es blockiert einen wichtigen Teil in der Entwicklungsphase des Gehirns.“

          Große Sprünge möglich

          Im Teenie-Alter ist das Gehirn aber nicht nur anfällig für Gefahren. Laut Jensen sind in der Zeit beeindruckende Entwicklungen möglich, beispielsweise was den Intelligenzquotienten (IQ) angeht. Sie beruft sich dabei auf Studien, in der ein Drittel der getesteten Teenager ihren IQ verbesserten. Ein weiteres Drittel zeigte keine Veränderung, während das letzte Drittel nach der Pubertät über einen niedrigeren IQ aufwies.

          Dank ihres Wissens konnte Jensen ihren Söhnen nach eigener Auskunft eine geduldigere Mutter sein. Sie versuchte zumindest immer, mit ihren Kindern verbunden zu bleiben: „Wenn Sie sich von ihren Kindern entfremden, verlieren Sie sie.“

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