https://www.faz.net/-gum-7nux9

Bilder ungewöhnlicher Grabsteine : „Rockgitarren statt Jenseits“

  • Aktualisiert am

Ungewöhnliche Grabsteine wie diesen haben zwei Soziologen für einen Bildband fotografiert. Bild: Benkel/Meitzler

Moderne Grabsteine haben teilweise ungewöhnliche Motive. Zwei Soziologen haben 30.000 Fotos davon gemacht. Bleibt die Frage: Wieso?

          Herr Benkel, Herr Meitzler, Sie haben mehr als 500 Friedhöfe besucht und ein Buch darüber geschrieben. Was finden Sie so interessant an Grabsteinen?

          Meitzler: Sie sind ein Spiegel der Gesellschaft. An vielen modernen Gräbern kann man sehen, dass die Religion eine geringere Rolle als früher spielt. Es gibt auf neuen Grabsteinen heute viel weniger Bibelsprüche, viel weniger Aussicht auf das Jenseits. Statt dessen wird auf das Leben des Verstorbenen zurückgeblickt - zum Beispiel auf seine Hobbys oder Einstellungen.

          Rockgitarre statt Religion: Die Motive von Grabsteinen sind teilweise ausgefallen.

          Benkel: Die Steine zeigen den sozialen Wandel, hin zu immer mehr Individualisierung. Die einzigartige Biographie der Menschen wird auf Grabsteinen zunehmend zelebriert, das gibt der traditionelle Grabstein, der den Einzelnen als Teil eines Kollektivs darstellt, nicht her.

          Gibt es dabei regionale Unterschiede?

          Meitzler: Ja. Es gibt Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen West und Ost. Die Großstadt ist der Vorreiter bei der Individualisierung. Aber in kleinen Städten finden wir auch schon zunehmend Grabsteine mit Fotos von den Verstorbenen.

          Benkel: Oder wir haben zum Beispiel Grabsteine mit QR-Code, den man mit dem Handy einscannen kann und der dann auf eine Homepage verweist, gesehen. Sogar auf Dorffriedhöfen. Die kleinen Ortschaften greifen die Trends der Städte früher oder später auf.

          Ob hier ein Jäger liegt?

          Wie viele Fotos haben Sie bis jetzt gemacht?

          Benkel: Zirka 30 000. Und das Projekt läuft weiter.

          Meitzler: Es ist zu einer Leidenschaft geworden. Der Friedhofsgang ist obligatorisch, wenn wir in eine fremde Stadt kommen. Daneben forschen wir generell zum Thema Tod und Gesellschaft.

          Auf manchen Grabsteinen verweisen QR-Codes auf eigene Internetseiten.

          Welche Trends gibt es denn bei der individuellen Gestaltung von Grabsteinen?

          Meitzler: Was die Motive angeht, haben wir zum Beispiel Raumschiffe, Motorräder, Comicfiguren oder Rockgitarren gefunden. Es dominieren ganz klar die Hobbys. Früher hatte man dagegen meist das Kreuz auf dem Grabstein. Weniger wird auch der Verweis auf einen bestimmten Beruf, weil Berufe heute keine feste Konstante mehr im Leben der Menschen sind. Was es auch oft gibt, sind Tiere, die symbolisch für gewisse Eigenschaften stehen. Zum Beispiel Löwen oder Elefanten. Es werden aber auch Haustiere dargestellt.

          Benkel: Außerdem gibt es Mottos, die nachträglich einem Leben zugeschrieben werden. Grabsteine geben heute oft einen intimen Einblick in die Vorlieben und Einstellungen des Verstorbenen. Überraschenderweise auch in Negatives, in nicht erbrachte Leistungen oder in ein persönliches Scheitern.

          Viele der ungewöhnlichen Grabsteine erinnern an die Vorlieben und Hobbys der Verstorbenen

          Wie sollen Ihre eigenen Gräber mal aussehen?

          Meitzler: Schwer zu sagen. Ich würde es schon auch gerne individuell haben, aber es sollte etwas sein, was wir noch nie gesehen haben. Und es dauert hoffentlich noch ein Weilchen, bis ich mich dahingehend entscheiden muss.

          Benkel: Oft entscheiden ja auch nicht die Sterbenden, sondern nach deren Tod die Angehörigen. Allerdings gibt es auch da Ausnahmen. Wir haben das Grab eines Paares gesehen, da ist auf dem Grabstein ein Foto der beiden, wie sie Hand in Hand dastehen. Und die Namen und Geburtsdaten stehen auch schon drauf. Nur die Todesdaten fehlen. Denn die beiden leben noch.

          Weitere Themen

          Raus aus Facebook

          Tipps für den Ausstieg : Raus aus Facebook

          Ein Skandal folgt dem anderen: Facebook hat das Vertrauen seiner Nutzer verspielt. Wer jetzt aussteigen will, muss jedoch einige wichtige Dinge beachten.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel beantwortet im Rahmen der Befragung der Bundesregierung die Fragen der Abgeordneten. Dabei gibt sie sich angrifflustiger denn je.

          Regierungsbefragung : Merkel an der Ballwurfmaschine

          Gut eine Stunde lang lässt sich die Kanzlerin im Bundestag befragen und liefert sich mit Linken und Rechten einen rhetorischen Schlagabtausch – so offensiv hat man Merkel selten erlebt. Neue Inhalte wurden dabei gleich mitgeliefert.

          Bayerns 3:3 bei Ajax : Fußball verrückt in Amsterdam

          Beim 3:3 zwischen Ajax Amsterdam und Bayern München geht es drunter und drüber. Am Ende stehen die Bayern zumindest in der Champions League dort, wo sie sich am wohlsten fühlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.