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Unglück in Schweizer Alpen : Welche Rolle spielte die Hitze beim Absturz von „Tante Ju“?

  • -Aktualisiert am

Nahezu senkrecht aufgeprallt: Die Insassen des Oldtimer-Flugzeugs hatten keine Überlebenschance. Bild: dpa

Ein Oldtimer-Flugzeug verunglückt an einer Bergflanke in der Schweiz. Es gibt keine Überlebenden. Die Suche nach den Ursachen gestaltet sich schwierig. War die Hitze schuld?

          Sie kamen zurück von einer Erlebnisreise ins Tessin – und fanden den Tod. Die 17 Passagiere und drei Crew-Mitglieder an Bord eines Oldtimer-Flugzeugs aus dem Hause Junkers, das am Samstagnachmittag in den Schweizer Bergen abgestürzt ist, hatten keine Überlebenschance. Die Ju-52 ist nahezu senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt. So schilderte es Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) am Sonntagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Flims. Auf dem Gemeindegebiet dieses Graubündner Skiorts hat sich der tragische Unfall ereignet. Die Absturzstelle liegt in einer Höhe von gut 2500 Metern unterhalb der schroffen Westflanke des Piz Segnas.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Bei den Opfern im Alter zwischen 42 und 84 Jahren handelt es sich um acht Paare und vier Einzelpersonen mit überwiegend schweizerischer Herkunft. Auch drei Ausländer waren an Bord: ein Ehepaar mit ihrem Sohn aus Niederösterreich. Das Flugzeug war unterwegs auf einer zweitägigen Rundreise ins Tessin mit Übernachtung in Locarno. Der Hinflug dorthin sei problemlos und ohne Vorkommnisse gewesen. Der Veranstalter Ju-Air hat den Flugbetrieb bis auf Weiteres eingestellt.

          Die Gründe für den Absturz herauszufinden werde eine komplexe Angelegenheit sein, sagte Knecht. Denn wegen des hohen Alters des 1939 gebauten Flugzeugs fehlten viele technische Gerätschaften, die der Ursachenforschung dienten. So habe die Ju-52, die im Volksmund liebevoll „Tante Ju“ genannt wird, keine Blackbox an Bord gehabt, in der der Funkverkehr gespeichert wird. Zudem stünden im Berggebiet relativ wenig Radaraufnahmen zur Verfügung. Knecht schloss aus, dass das Unglücksflugzeug mit einem anderen Flugzeug oder einem Kabel kollidiert sei. „Auch gibt es keine Hinweise auf Fremdeinwirkung“, sagte der Untersuchungsleiter. Das Flugzeug sei in der Luft nicht auseinandergebrochen und habe vor dem Absturz auch keine Teile verloren.

          Könnte die Hitze, die auch die Schweiz erfasst hat, eine Rolle gespielt haben? Dies könne durchaus sein, sagt Knecht, denn Hitze sorge für dünnere Luft. Das wiederum könne die Leistungsfähigkeit der Motoren drosseln. Aber mit dieser Gefahr könnten erfahrene Piloten umgehen, etwa, indem sie die Beladung oder die Flugtaktik änderten.

          Welche Rolle kann die Hitze gespielt haben?

          Kurt Waldmeier, Gründer und Chef der Ju-Air, einem 1982 gegründeten Verein, der vom Militärflughafen Dübendorf bei Zürich Rundflüge mit bislang vier Oldtimer-Flugzeugen anbietet, zeigte sich davon überzeugt, dass seine beiden Piloten die hohen Lufttemperaturen berücksichtigt hätten. Beide Flugzeugführer, 62 und 63 Jahre alt, seien als ehemalige Linien- und Luftwaffenpiloten sehr erfahren gewesen. Der Hauptpilot habe bis zum Absturz 943 Flugstunden in der Ju-52 absolviert, der zweite Kapitän 247 Stunden. Auch habe es vorher keinerlei Anzeichen auf technische Probleme geben. „Das Flugzeug wird alle 35 Flugstunden gewartet“, sagte Waldmeier. Und die letzte Wartung vor dem Unglücksflug habe fünf Stunden vor Reisebeginn stattgefunden. Ohnehin unterliegen Oldtimer, die im Passagierflugbetrieb eingesetzt werden, strengen Kontrollen und Vorschriften hinsichtlich Wartung, Serviceintervallen und Anforderungen an die Crew – ähnlich wie auch bei einem modernen Boeing- oder Airbus-Airliner.

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