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Ballonflucht aus der DDR : Nordwind in Richtung Westen

Den Fluchtballon präsentierte Wetzel auf einem Ballonfahrertreffen 1985. Bild: Tobias Schmitt

Vor 39 Jahren war Deutschland gespalten. An der Mauer scheiterten die meisten Fluchtversuche. Günter Wetzel hatte aber eine zündende Idee – und baute einen Heißluftballon.

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          Der Flugplatz Hof-Plauen, Bayern, besser gesagt Franken, ist eine geteerte Fläche im Nirgendwo. Schlanke Fichten, hügelige Felder, sonst nichts. Günter Wetzel ist gerne dort. In Hangar B steht seine alte Maschine. Fliegen darf er sie nicht mehr. Wetzel hatte einen Schlaganfall, seitdem muss er auf dem Boden bleiben. Bei wem anders mitfliegen will er nicht. „Ich bin selbst 32 Jahre geflogen. Nebendran zu sitzen gibt mir nichts mehr“, sagt der runde Mann mit dem kurzen Schnauzer. Wetzel ist 63 Jahre alt, dreiundsechzigeinhalb, betont er. Dieser Tag, an dem er über seine Flucht sprechen will, ist sein erster Tag als Rentner. Die Katana DA20, die hinter ihm parkt, ist bei weitem nicht das aufregendste Luftfahrzeug, mit dem Wetzel je am Himmel war. Das war der Ballon.

          Der Ballon, das sind 200 Kilogramm Taft und Regenschirmseide, Nylonwäscheleinen und eine 0,8 Millimeter dicke Stahlplatte. Wetzel hat ihn entworfen und zusammen mit Peter Strelzyk in seiner Heimat, der DDR, gebaut. Die Stoffbahnen hat Wetzel, der eigentlich Rettungswagenfahrer in Pößneck im heutigen Thüringen war, an einer Haushaltsnähmaschine aus den dreißiger Jahren genäht, anfangs in seinem Schlafzimmer, später im Heizungskeller der Strelzyks. Wetzel berechnete und konstruierte, Strelzyk finanzierte das Vorhaben zum Großteil.

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