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Gerichtsentscheidung : Fler muss Bushido-Disstrack ändern

Zerstritten: Bushido und Fler Bild: dpa

Der Rapper Fler muss nach einer Gerichtsentscheidung den Text seines Songs „Noname“ ändern, weil er die Kinder von Bushido erwähnt. Die Mutter der Kinder müsse beleidigende Zeilen dagegen hinnehmen. Beide Seiten sind unzufrieden.

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          Eine der berühmtesten Rap-Zeilen stammt von Tupac Shakur: „You claim to be a player, but I fucked your wife“. Der Amerikaner rappte das 1996 über seinen Erzfeind The Notorious B.I.G. Ob es stimmt, dass Tupac mit dessen Frau schlief, ist nicht bekannt. Sein Gegenspieler ging aber zumindest nicht rechtlich gegen eine „unwahre Tatsachenbehandlung“ vor. Der Streit nahm stattdessen ein dramatisches Ende: Beide Rapper wurden von Unbekannten erschossen.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Insofern ist es zu begrüßen, dass der Rapper Bushido einen sehr deutschen Weg wählt, um auf den jüngsten musikalischen Angriff seines Erzfeindes Fler zu reagieren: den rechtlichen. Das Landgericht München I untersagte Fler am Mittwoch, weiter zu behaupten, Bushido sei nicht der Vater der vier gemeinsamen Kinder mit dessen Frau Anna-Maria Ferchichi. Auch dass stattdessen der gesamte Kader des Fußballvereins SV Werder Bremen als Vater in Betracht komme, darf er nicht weiter rappen.

          Anna-Maria Ferchichi allerdings müsse beleidigende und unwahre Zeilen über sich hinnehmen. Sie hatte sich laut Gericht auf Instagram in den Streit eingemischt und ihrerseits Fler beschimpft. Die Kinder hätten mit dem Konflikt nichts zu tun, könnten sich nicht wehren und seien durch Flers Lied „Noname“ in ihrer Persönlichkeitsentwicklung eingeschränkt. Ferchichis Anwältin Eva Frauenschuh erklärte, sie wolle eine Berufung gegen die Entscheidung prüfen.

          Fler will in Berufung gehen

          Fler hatte in einem Interview mit dieser Zeitung vor der Verhandlung gesagt: „Ich habe nichts gegen Bushidos Kinder gesagt. Ich habe nur erwähnt, dass sie nicht von ihm sind. Ich hätte vielleicht genauer sein und von einem Kind sprechen sollen.“ Nach der Entscheidung kündigte er an, „aus Prinzip“ in Berufung zu gehen: „Bushido hat in der Vergangenheit in seinen Disstracks etliche Mütter und Familien beleidigt. Auch wenn man Kinder aus solchen Sachen raushalten sollte, ist Bushidos Familie die letzte, die mein Mitleid bekommt.“ Bushido hatte Ende November auf Instagram geschrieben: „Ja, eines unserer Kinder ist nicht mein leibliches. Dafür liebe ich es wie mein eigenes. Das kannst du weder von deinem Vater, noch von deiner Mutter behaupten. Dafür wirst du deine Antwort bekommen.“ Zunächst hatte Bushido dahinter noch „du Hurensohn“ geschrieben, diesen Zusatz aber später gelöscht.

          Diese Kleinigkeit zeigt gut, in welchem Spannungsfeld sich Bushido zur Zeit bewegt. Seit der Trennung von seinem ehemaligem Geschäftspartner, dem Berliner Clanchef Arafat Abou-Chaker, steht er unter Polizeischutz. Einerseits präsentiert er sich als Opfer, andererseits lässt er immer noch den angeblichen Gangster raushängen. Fler hatte sein Lied „Noname“ erst veröffentlicht, nachdem Bushido gerappt hatte: „Fler dafür bekannt, dass ne Karotte in seinem Rektum steckt.“ Damit spielte Bushido auf eine Geschichte an, laut der Fler angeblich mal von verfeindeten Graffiti-Sprühern mit einer Karotte penetriert wurde. Fler sagt, diese Geschichte sei erfunden.

          Nicht nur diese Zeilen machen Bushido angreifbar. Es wirkt auch nicht so, als bereue er frühere Entgleisungen. Im Gegenteil versuchte er kürzlich, gegen die Indizierung eines Albums vorzugehen, auf dem er Polizisten, Homosexuelle und Prominente beschimpft. Kurz nachdem seine Anwälte die Unterlassungsaufforderung an Fler verschickt hatten, nahm Bushido immerhin ein besonders persönliches Lied über seinen ehemaligen Weggefährten Kay One aus dem Netz. Sollte Bushido solche Attacken wirklich bereuen, könnte das aber eigentlich nur der Anfang sein. Unvergessen sind zum Beispiel Zeilen wie: „Ich schieß' auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz.“ Die Berliner Staatsanwaltschaft erhob 2013 wegen solcher Texte sogar Anklage gegen Bushido wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Gewaltdarstellung. Die Gerichte wiesen das allerdings zurück – mit Verweis auf die Kunstfreiheit.

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