https://www.faz.net/-gum-81o3r

Nico Hofmann im Gespräch : „Ob das auf die Dauer gesund ist, weiß ich nicht“

  • -Aktualisiert am

Rastlos: Filme zu produzieren ist schön, macht aber viel Arbeit. Obwohl Hofmann fast Tag und Nacht arbeitet, ist er im Gespräch hellwach. Bild: Wolfgang Eilmes

Nur Schund im Privatfernsehen? Das findet Nico Hofmann nicht. Es er ist Produzent von zwei Filmen, die diese Woche im Fernsehen laufen: „Nackt unter Wölfen“ und „Grzimek“. Ein Gespräch über Qualität, Quote und die Vorteile des Produzenten-Daseins.

          6 Min.

          Sie geben derzeit ein Interview nach dem anderen.

          In der Tat setze ich momentan meinen Ehrgeiz daran, möglichst viel Öffentlichkeitsarbeit für zwei Filme zu investieren, die in dieser Woche ins Fernsehen kommen: am Mittwoch „Nackt unter Wölfen“ und am Karfreitag „Grzimek“, beide in der ARD.

          Ist ein Profi wie Sie noch aufgeregt?

          Schon. Vor allem bei „Nackt unter Wölfen“, einem Film, der im Konzentrationslager Buchenwald spielt und der sich in schonungsloser Offenheit dieser Wirklichkeit eines KZ annähern will. Bei der Premiere in Berlin und Weimar waren die Zuschauer sehr betroffen und still. Ob dieser Stoff im Fernsehen angenommen wird, kann man einfach nicht vorhersehen. Mir war sehr wichtig, dass Robert Jan van Pelt, einer der führenden Holocaustforscher, unseren Film fast schon über „Schindlers Liste“ stellt. Um „Grzimek“ mache ich mir dagegen gar keine Sorgen. Das ist gehobene, differenzierte Unterhaltung, das findet sein Publikum.

          Wann erfahren Sie, wie beide Produktionen beim Fernsehpublikum ankamen?

          Ich bin mittlerweile bei der Marktforschung direkt angeschlossen und sehe um Punkt 8 Uhr die vorläufigen Tagesanteile auf meinem Handy. Um 8.14 Uhr kommen die Top Five des Tages. Und wenn man dann nicht unter diesen ersten fünf ist, dann geht es einem erst mal schlecht. Dieser eine Wert entscheidet über drei Jahre Arbeit. Das hat schon etwas Gnadenloses.

          Sie sehen anhand der Daten auch, wann jemand aussteigt, wann jemand einschaltet?

          Ja, das wird im Minutenverlauf gemessen. Sie sehen auch die demoskopische Zusammensetzung der Zuschauer. Bei „Nackt unter Wölfen“ werden wir wahrscheinlich ein Ost-West-Gefälle haben, weil der gleichnamige Roman von Bruno Apitz in der DDR ein Bestseller war.

          Wird sich „Grzimek“ nicht im Fernsehen anschauen: Nico Hofmann sitzt zur Ausstrahlungszeit im Flieger nach L.A..

          Ab welcher Quote sind Sie glücklich?

          Ich wage Vorhersagen erst am Tag der Ausstrahlung gegen 15 Uhr, weil ich dann die komplette mediale Aufmerksamkeit einschätzen kann. So ein Film wird nur dann ein großer Erfolg, wenn sich vorab sehr viel Interesse auf ihn richtet, das hat immer auch mit der Qualität eines Programms zu tun.

          Der Erfolg der Verfilmung des Lebens unseres Frankfurter Zoodirektors Bernhard Grzimek ist leichter abzuschätzen?

          Ja, da bin ich mir relativ sicher. Allerdings erwarte ich in diesem Fall ein West-Ost-Gefälle. Und für die jüngeren Zuschauer ist Grzimek vielleicht nicht mehr ganz so interessant, weil sie seine Person, sein Wirken schlicht nicht mehr kennen. Aber mit Regisseur Roland Suso Richter hat der Film eine relativ energetische junge Tonart bekommen, so dass der Film auch für Zuschauer interessant sein könnte, die sich nicht mehr daran erinnern, dass Sie als Kinder für „Herrn Grzimek“ ausnahmsweise länger aufbleiben durften.

          Wie lange haben die Arbeiten am Grzimek-Projekt gedauert?

          Knapp 60 Drehtage und davor fünf Jahre am Drehbuch.

          Sie haben ja auch in Afrika gedreht. Muss das so sein?

          Nein, nicht zwingend. Aber es ist natürlich authentischer. Wir haben sogar manche deutsche Szenen in Afrika gedreht, denn in Kapstadt gibt es inzwischen hochprofessionelle Studios.

          Was kosten solche großen Fernsehproduktionen?

          „Grzimek“ hat rund 6,5 Millionen Euro gekostet, „Nackt unter Wölfen“ knapp fünf Millionen Euro. Was in diesem Fall auch etwas mit der großen Statisterie zu tun hat - 30 Tage lang täglich mehr als 400 Komparsen.

          Weitere Themen

          „Es war eine wilde Zeit“

          FAZ Plus Artikel: Mauerfall : „Es war eine wilde Zeit“

          Der Dokumentarfilmer Andreas Voigt erlebte das Ende der DDR in Leipzig hautnah mit. Für seine Reihe über die Folgen der Wende hat er Zeitzeugen von damals bis heute begleitet. Sie sprachen mit ihm über ihre Gedanken, Träume, Hoffnungen.

          Topmeldungen

          Bevölkerungswachstum : „Ein politisch heikles Thema“

          Die Demographie-Forscherin Alisa Kaps über die Weltbevölkerungskonferenz, schwierige Gespräche mit afrikanischen Regierungschefs, Gegenwind von Abtreibungsgegnern und darüber, wie Rechtspopulisten das Thema Bevölkerungswachstum besetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.