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Film über Romy Schneider : Kann ich diesen Schmerz zeigen?

Nachgestellt: Marie Bäumer als Romy Schneider Bild: F.A.S.

Mit Romy Schneider ist Marie Bäumer oft verglichen worden. Nun spielt sie die Filmlegende in „3 Tage in Quiberon“, ein großes Wagnis für die Schauspielerin. Wie nähert man sich einer Kino-Ikone an?

          8 Min.

          Es ist später Vormittag. Der Journalist lässt eine Flasche Weißwein ins Hotelzimmer kommen. Er taxiert sein Gegenüber kühl wie ein Forschungsobjekt, seine Fragen klingen kalt. Die Frau zieht hastig an ihrer Zigarette, leert ein Glas nach dem anderen. Sie sieht müde aus, sie lacht, sie weint, sie schweigt, aber sie liefert das, was der Journalist hören will, und weil sie berühmt ist, wird es auch dieser Satz, der kurze Zeit später in einem Hamburger Magazin erscheinen wird: „Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider.“

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist ein komisches Gefühl, als Journalistin an einem kalten Tag in Berlin Marie Bäumer gegenüberzusitzen, die jene Frau spielt, welche sich im März 1981 in ihrem Kurhotel an der bretonischen Küste vor dem „Stern“-Reporter Michael Jürgs entblößte. Bäumer lehnt entspannt in einem Ledersessel und lächelt: „Ich kann Sie beruhigen, Sie sind ja nicht Michael Jürgs, und ich bin nicht Romy Schneider.“ Trotzdem, es bleibt nicht aus, dass man Bäumer scannt: das ovale Gesicht, die blauen, leicht schrägen Augen, der geschwungene Mund. Würde man ihr Gesicht und das von Romy Schneider als Folien übereinanderlegen, wäre vieles identisch. Seit Marie Bäumer 1995 mit Detlev Bucks Film „Männerpension“ bekannt wurde, hat es deshalb kaum ein Interview gegeben, in dem sie nicht mit der weltberühmten Schauspielerin verglichen wird. Im deutschen Filmgeschäft wie Romy Schneider auszusehen ist allerdings ein bisschen, wie Romy Schneider selbst gewesen zu sein: Fluch und Segen zugleich.

          Gut dokumentierte Tage an der bretonischen Küste

          Für Marie Bäumer ist der Filmstar wie ein übergroßer Schatten, der ihr übergestülpt wurde, ohne dass sie etwas dazu beigetragen hat. „Das Romy-Schneider-Thema ist von der Presse gemacht worden, das hat mit meiner Haltung überhaupt nichts zu tun“, sagt sie gleich zu Anfang des Interviews, als wolle sie jedes Missverständnis vermeiden. „Ich habe mich wirklich nicht mein ganzes Leben damit beschäftigt, Romy Schneider zu spielen. Es nervt mich auch nicht, mit Romy Schneider verglichen zu werden, wie viele immer denken. Das Einzige, was mich überrascht, dass es so nachhaltig ein Thema ist. Aber nicht für mich.“

          Mehrmals lehnte Bäumer Angebote ab, in denen das Leben Romy Schneiders verfilmt werden sollte. „Solange es sich nur um die Interpretation einer Schauspiel-Ikone handelte, hat mich das nicht interessiert“, sagt sie. Und nun der Film „3 Tage in Quiberon“, der am 12. April in den deutschen Kinos startet. Drei Tage im Leben von Romy Schneider, 14 Monate vor ihrem Tod. Kein Biopic. Ein schwarzweißes Kammerspiel mit vier Protagonisten und vielen Nahaufnahmen.

          Original: Romy Schneider zwinkert der Kamera zu.

          An jenen drei Tagen im März 1981 fühlte Romy Schneider sich in etwa so wie der Himmel über dem Atlantik: grau und kalt. Ihre zweite Scheidung stand an, dazu ein Sorgerechtsstreit um ihren Sohn David, der zum Missfallen von Schneider Halt bei seinem Stiefvater Daniel Biasini suchte, von dem sie sich getrennt hatte. Sie schlief schlecht, trank zu viel, nahm Psychopharmaka. Die Kur an der bretonischen Küste sollte sie stabilisieren. Der nächste Film stand an, die „Spaziergängerin von Sanssouci“.

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