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Film-Meisterklasse : Assessment-Center in Hollywood

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Übrig bleiben 15 Filme pro Jahr, die tatsächlich gedreht werden, alle mit einem Budget zwischen 50 und 200 Millionen Dollar. „Nicht jeder Stoff, den wir gut finden, wird auch gemacht“, sagt Fogelson. „Aber die Leute hier bei Universal tun alles, um dir zu deinem eigenen Film zu verhelfen.“ Und es scheint, als ob er keinen Unterschied machen will, ob der Regisseur nun Steven Spielberg oder Erwin Häcker hieße. Aber auch das gehört wohl zu dieser gigantischen Suggestionsmaschine Hollywood, bei der man nie genau einzuschätzen weiß, was wie real ist.

Ein Film funktioniert wie eine ICE-Neubaustrecke

Häcker hat keine Berührungsängste, wenn es um die Frage Kunst oder Kommerz geht. Der studierte Bauingenieur ist ein Mann des Mach- und Planbaren. Er sieht die Vorteile einer Industrie, die darauf aus ist, etwas richtig groß machen zu können. Ein Film, den keiner sieht, sei kein Film, sagt er. Nach dem Studium hatte der gebürtige Schwabe zwei Jahre lang als Bauingenieur die ICE-Neubaustrecke zwischen Ingolstadt und Nürnberg geplant. Dann heuerte er als Produktionsassistent bei Filmdrehs an. Und als er in der Zeitung einen Artikel über einen glücklichen Cutter las, schrieb er Bewerbungen. Per Zufall landete er bei RTL - dort war gerade einer ausgefallen.

Er finde das Künstlerische interessant, sagt Häcker, aber auch die Frage, wie man die Mittel dafür richtig einsetze. Insoweit funktioniere ein Film wie eine ICE-Neubaustrecke: Man brauche Zeit- und Produktionspläne und müsse mit den Zahlen klarkommen. Ein Bernd Eichinger konnte das. Schreiben, Regie führen, die Zahlen beherrschen. Dass einer das ganze Paket schnüren kann, beeindruckt Häcker.

Er selbst verdient sein Geld als Cutter im privaten Fernsehen. Er schneidet Formate wie „Big Brother“, „Bauer sucht Frau“ und „Mieten, Kaufen, Wohnen“ auf RTL, Kika oder Vox. Fernsehen ist die Pflicht, um die Miete zu bezahlen, Kino die Kür, die absolute Freiheit vom kompromisslosen Geschichtenerzählen, ohne dass ihm einer reinredet.

“Als Cutter brauchst du ein Gefühl für Dramaturgie, weil du eine Geschichte erzählen musst. Und wenn ich etwas selbst gedreht habe, weiß ich die Dramaturgie mit dem Schnitt aufzubauen. Nicht umsonst ist die größte Ehre, die Hollywood einem Regisseur erweisen kann, der Final Cut“ - das Recht, die endgültige Version des Films zu bestimmen. Häcker, der auch mal Sänger einer ambitionierten Heavy-Metal-Band war, erzählt das so, als sei der Weg über das peinliche deutsche Privatfernsehen zum Welt-Kino die kürzeste Verbindung.

In der ersten Woche der Meisterklasse ist Häcker zur Weltpremiere des neuen Tom-Cruise-Films „Oblivion“ eingeladen. Dort kommt Paul Getto auf ihn zu, der Strategie-Planer des Studios, und will wissen, ob es schon ein Remake von „Souterrain“ für die große Leinwand gebe. Das schmeichelt Häcker. Er arbeitet gerade an einem Drehbuch für seinen ersten eigenen Langfilm. Ein Thriller soll es werden, mehr will er noch nicht verraten.

Deutlich sagt er hingegen, welche Hoffnungen er mit seinem Los-Angeles-Trip für seine weitere Karriere verbinden möchte. „Ziel ist es, ein tolles Drehbuch zu entwickeln. Und wenn ich das habe, dann kann mich nicht mehr viel davon abhalten, die Mittel dafür aufzutreiben. Ich hoffe, dass sich hier die Kontakte ergeben, die mir bei der Realisierung des Stoffs hilfreich sind.“

Am Montag der zweiten Woche läuft Erwin Häcker dann auf dem Weg zum Lunch im „The Grill“, der legendenumrankten Kantine auf dem Universal-Gelände, einem eher unscheinbaren, aber ebenso zottelbärtigen Mann in die Arme: Steven Spielberg. Handshake. Von gemeinsamen Projekten ist erst mal nicht die Rede.

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